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Heute Premiere"Dies irae": Tage des Zorns mit Live-Sex?

Kündigt sich ein Theater-Skandälchen an? Heute feiert "Dies irae" von Regisseur Kay Voges am Burgtheater Premiere - dafür hat er Paare für einen Live-Sex-Akt rekrutiert.

++ HANDOUT ++ FOTOPROBE: 'DIES IRAE - TAG DES ZORNS'
Erste Szenenbilder von "Dies irae" am Wiener Burgtheater © APA/BURGTHEATER/MATTHIAS HORN
 

Der deutsche Regisseur und Theaterleiter Kay Voges (47) bereitet gerade intensiv den "Tag des Zorns" vor. Es handelt sich freilich nicht um seinen Amtsantritt am Volkstheater, sondern um seine erste Wiener Premiere. Seine Endzeit-Oper "Dies irae" kommt am 19. Dezember im Burgtheater zur Uraufführung.

Es geht um die Apokalypse, um die Angst des Menschen vor dem Untergang. Kometen und Vulkane, Sintfluten und Erdbeben, Atomkraftwerke und Atomwaffen, Ozonloch und nun Klimawandel: "Die Menschheitsängste waren seit jener mannigfaltig", sagt Voges. Sein Dramaturg Alexander Kerlin hat eine dicke Materialsammlung dazu zusammengetragen - von biblischen Prophezeiungen bis zu "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus und von den Warnungen der antiken Priesterin Kassandra bis zu Greta Thunberg.

Gefilmte Sexszenen

Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtet und wie Voges bestätigt hat, habe der designierte Volkstheater-Direktor in der Wiener Sex-Positive-Szene Menschen für die geplante Darstellung gesucht und gefunden habe. Es gehe dabei aber keinesfalls um Pornografie, so Voges, sondern um den „kleinen Tod als gefühlt zeitlosen Moment der Auflösung“.

In Gemeinschaftsarbeit mit Paul Wallfisch wurden Texte und Szenen gefiltert. "Es sind viele Stimmen, die da zu Wort kommen, manchmal in einer Kakophonie, manchmal in einer zärtlichen Suche nach der Frage, wie man dasteht in Anbetracht der Endlichkeit", beschreibt der Regisseur den Roten Faden zwischen Todestrieb und Todesangst. "Wir versuchen herauszufinden: Was ist das, was uns treibt, den Untergang herbeizusehnen? Gibt er uns eine Art kollektiver Geborgenheit?"

Todessehnsucht

Auf der Drehbühne mit simultan bespielbaren Räumen wird man keine durchgehende Geschichte, sondern Puzzleteile vorgesetzt bekommen: "Es ist ein Welttheater, eine Gleichzeitigkeit der verschiedensten Aggregatzustände, Situationen und Dramen im Angesicht des Endes. Wir werden ein Panoptikum an Menschen kennenlernen. Beckett-ähnliche Figuren werden durch das Bild schleichen. Wir werden Menschen aus den verschiedensten Mythologien begegnen, einem Liebespaar, das sich wie Romeo und Julia Treue bis über den Tod hinaus schwört. Und wir werden alte Menschen sehen, die den Tod sehnlich erwarten", so Voges.

Den passenden Weltuntergangs-Sound dazu liefert Paul Wallfisch. Der in Basel geborene US-Musiker und -Komponist ist seit langem ein künstlerischer Kompagnon von Voges. Gemeinsam ist ihnen ihre Sehnsucht nach Grenzüberschreitungen, ihre Neugier nach Erweiterung der eigenen künstlerischen Möglichkeiten. Als Voges 2010 am Schauspiel Dortmund seine erste Intendanz übernahm, wurde Wallfisch sein musikalischer Leiter, lieferte Theatermusiken, programmierte schräge musikalische Reihen, die bald Kult wurden, und trat auch selbst als Musiker auf.

In den vergangenen Jahren konzentrierte sich der 55-jährige Sprössling einer aus Rumänien stammenden Familie, der auch mit der 94-jährigen Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, einer der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, verwandt ist, wieder vermehrt auf eigene Projekte. Er arbeitete viel mit der exzentrischen Künstlerin, Autorin und Sängerin Little Annie und tourte mit seiner 2016 gegründeten Band Swans. "Als Musiker habe ich schon oft in Wien gespielt, mit den unterschiedlichsten Bands und an den unterschiedlichsten Orten - im WUK und in der Szene Wien, im B72 und im Porgy & Bess, zuletzt vor zwei Jahren mit Swans in der Arena. Es war immer eine gute Stadt und ein gutes Publikum. Schräge Musik scheint den Menschen hier nicht fremd zu sein", meint Paul Wallfisch.

In den kommenden Jahren werden Voges und Wallfisch wieder stärker zusammenarbeiten: Der vielseitige Musiker wird in der Volkstheater-Direktion von Kay Voges musikalischer Leiter. Vorerst ist er aber nicht nur mit seiner neuesten Komposition im Burgtheater zu erleben, sondern auch als Live-Musiker. Neben einer Sopranistin und einem Chor ist nämlich bei "Dies irae" auch eine dreiköpfige Rockband im Einsatz: An der Seite von Paul Wallfisch musizieren Larry Mullins aka Toby Dammit, der u.a. mit Iggy Pop und Nick Cave gearbeitet hat, sowie der in Berlin lebende britische Musiker und Komponist Simon Goff. Wallfisch freut sich: "Das ist ein Super-Trio!"

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wedef1
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Sex sells

Sex sells gilt offenbar nicht nur in der Werbung, sondern jetzt auch in der Burg.

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