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Wort des Jahres 2019"Oligarchennichte", "Kurzkanzler", "Flugscham": Wer setzt sich durch?

Die Ibiza-Affäre und die Klimakrise domininieren die heurige Wahl zum "Wort des Jahres 2019". Die Abstimmung läuft bis zum 1. Dezember. Auch Sprüche von Alexander Van der Bellen und Heinz-Christian Strache stehen in der Vorauswahl.

Das Video und seine Folgen dominieren auch sprachlich das Jahr 2019 © APA
 

Ibiza und seine Folgen dominieren heuer die Wahl zum "Wort des Jahres 2019". Aber auch die Klimakrise und beruhigende Worte des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen fanden Eingang in die Vorauswahl zum Wort, Unwort, Spruch, Unspruch und Jugendwort des Jahres. Abgestimmt werden kann online auf www.oewort.at, in der ersten Dezemberwoche wird das Ergebnis präsentiert.

Die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Uni Graz hat in Kooperation mit der APA - Austria Presse Agentur wieder eine Liste mit Kandidaten zusammengestellt. Die Vorauswahl startete "zack, zack zack" vier Monate früher als üblich, um die aktuelle politische Situation samt Debatte darüber einzufangen. Das führte zu einem Teilnehmer-Rekord: Exakt 2.000 Personen gaben für mindestens eine Kategorie einen Vorschlag ab, im Vorjahr waren es 994 Personen gewesen. Somit hatte die Jury heuer die Wahl zwischen 1.327 Kandidatenwörtern und -sprüchen.

Die Anwärter

Anwärter für das "Wort des Jahres" sind neben dem bereits erwähnten "Ibiza" etwa die "Oligarchennichte", die Kurzbezeichnung jenes Lockvogels, der die zwei FPÖ-Politiker zu den weitreichenden Aussagen veranlasste, die zum Ende ihrer politischen Karrieren führten. Auch "Kurzkanzler", "Oberspesenritter", "Schredderaffäre" oder "Strachmatt" stehen zur Wahl. Erstmals in der Geschichte gibt es in Österreich eine "Bundeskanzlerin", diese kann auch "Wort des Jahres" werden. Die "Klimakatastrophe" sowie die daraus resultierende "Flugscham", die bei klimabewussten Menschen auftritt, können ebenso wie die "Teigtascherlrazzia" gekürt werden. Letztere hat die Wiener Polizei schon mehrfach durchgeführt und in Privatwohnungen illegale Teigtascherl-Fabriken ausgehoben.

Das Unwort des Jahres

Zum "Unwort des Jahres" können "Einzelfälle", "lückenlose Aufklärung", "persönlicher Feiertag" oder auch "b'soffene Gschicht" gewählt werden. Außerdem stehen "Klimalüge" oder "Zöpferl-Diktatur", mit der FPÖ-Chef Norbert Hofer die Klimaaktivistin Greta Thunberg verhöhnte, zur Wahl. Gevotet werden kann auch für "Anti-Abschiebe-Industrie", "Ausreisezentrum", "Bevölkerungsaustausch" sowie "Humanitätsduselei".

Gleich drei der vier Sprüche des Jahres lieferte Bundespräsident Van der Bellen. "Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin", appellierte er angesichts der politischen Lage infolge des Ibiza-Skandals im Mai an die Bevölkerung. "So sind wir nicht. So ist Österreich einfach nicht. Aber das müssen wir alle gemeinsam beweisen", waren weitere beruhigende Worte des Bundespräsidenten, die er in einer seiner vielen Ansprachen im heurigen Jahr an die Österreicher richtete. "Denn gerade in Zeiten wie diesen, zeigt sich die Eleganz, ja die Schönheit unserer österreichischen Bundesverfassung. Jeder Schritt, der jetzt getan wird, ist vorgesehen und in der Verfassung verankert." Mit diesen inzwischen bereits geflügelten Worten kommentierte das Staatsoberhaupt das "Betreten von Neuland" nach dem Ende der Regierungskoalition.

Der Greta-Effekt

Auch Greta Thunberg schaffte es, sich heuer für die Wahl zum Spruch des Jahres zu qualifizieren. "Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln müssen sich ändern, alles muss sich ändern und zwar heute", forderte die junge Klimaaktivistin.

Zu zwei Nominierungen schaffte es Strache beim Unspruch des Jahres, beide Sager tätigte er im Ibiza-Video. "Bist du deppat, die is schoaf" gefiel dem Ex-FPÖ-Obmann der Lockvogel auf Ibiza, mit dem alles begann. Und "zack, zack, zack" verlaufe ein "Krone"-Redakteurstausch nach HCs Vorstellung. "Die Richtung stimmt!" Mit dieser Aussage überraschte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner nach der Wahl-Schlappe für ihre Partei am 29. September. Mit einer sehr eigenwilligen Definition des Rechtsstaates sorgte der damals-noch-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) für Empörung. "Denn ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht", stellte er die Menschenrechtskonvention infrage.

Gewählt wird auch wieder das Jugendwort des Jahres. Neben "abloosen" und "brexiten" (sagen, dass man geht, aber dann doch nicht geht, Anm.) stehen auch "dezent ärgerlich", "nice", "random" oder "tu normal" zur Wahl. Auch hier hat sich der Ex-Innenminister quasi eingeschlichen - "rauskickeln" wird von Jugendlichen laut der Jury als Synonym für hinauswerfen verwendet. "Ehrenmann/Ehrenfrau" oder "Influencer/Influencerin" können ebenso zum österreichischen Jugendwort gekürt werden.

2018 lautete das Wort des Jahres übrigens "Schweigekanzler". Das Unwort war "Datenschutzgrundverordnung".

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