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Sinai, Zion & Co.Die Bibel: Ein Buch der Berge

Viele Erzählungen des Alten und Neuen Testaments sind auf Bergen verortet, stehen sie doch für Gottesnähe. Ein kurzer Aufriss.

Heute wird der Gottesberg auf der Halbinsel Sinai lokalisiert
Heute wird der Gottesberg auf der Halbinsel Sinai lokalisiert © APA/EPA
 

Wie ein mächtiger Grenzstein erhebt sich der Ararat zwischen Armenien, der Türkei und dem Iran. Am gut 5000 Meter hohen Berg ist eine der großen biblischen Geschichten verortet: die Sintflut.

Gott reute es, den Menschen geschaffen zu haben, da dessen Herz immer böser wurde. So beschloss er, die Erde zu fluten. Nur Noah, einen gerechten und untadeligen Mann, dessen Familie sowie von jeder Tierart ein Paar wollte der Herr schonen – sie alle fanden Zuflucht in einer Arche. Daraufhin schwoll das Wasser hundertfünfzig Tage lang auf der Erde an, wie das Buch Genesis erzählt.

Doch dann gedachte Gott Noah und all der Tiere und ließ Wind über die Erde wehen. Das Wasser sank und die Arche setzte am Berg Ararat auf.

Der Ararat von Armenien aus gesehen
Der Ararat von Armenien aus gesehen Foto © KK

Gleich vier Namen trägt ein weiterer biblischer Berg: Sinai, Horeb, Gottesberg oder Berg des Herrn. Er ist aufs Engste mit jenem Bund verknüpft, den Gott mit dem Volk Israel schloss: Das Buch Exodus erzählt, dass sich Gott Mose am Horeb – was übersetzt so viel wie Öde, Dürre bedeutet – im brennenden Dornbusch offenbarte und ihm befahl, die Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten zu befreien. Am Sinai erhielt Mose dann von Gott auch die Gesetze für das Volk Israel, die Zehn Gebote. Die heutige Lokalisierung des Berges auf der Halbinsel Sinai begann im dritten nachchristlichen Jahrhundert. Bibelwissenschaftler gehen davon aus, dass der Text selbst bewusst keine genaue Verortung des Gottesberges vornehmen wollte.

Nicht eindeutig verortbar ist auch der Zionsberg. Anfangs wurde er mit dem Hügel im Südosten Jerusalems verbunden: Dort hatte König David seine Stadt errichtet. Da erst Ausgrabungen im 19. Jahrhundert die Wissenschaftler auf diese Spur führten, wird bis heute der Südwesthügel (fälschlicherweise) „Berg Zion“ genannt. Sein Sohn Salomo jedenfalls sollte später die Stadt Richtung Norden erweitern und dem Herrn einen Tempel bauen. Er diente Gott als Wohnung, von der er Hilfe und Segen aussandte, aber auch richtete. Vor allem die Psalmen und der Prophet Jesaja greifen dieses Motiv auf. In weiteren Psalmen und später im Neuen Testament ist Zion dann ein Bild für die himmlische Wohnstätte Gottes.

In Jerusalem sind der Zionsberg, der Ölberg und Golgotha verortet
In Jerusalem sind der Zionsberg, der Ölberg und Golgotha verortet Foto © AP

Mit dem Tempelberg als Ort verknüpft ist übrigens auch die Opferung Isaaks: Gott stellte Abraham auf die Probe und befahl ihm, den einzigen Sohn, den ihm seine Frau Sarah geboren hatte, zu töten. Nur einen Augenblick, bevor er Isaak auf den Opfertisch legte, rief ihn der Engel des Herrn zurück. Hier wird dem Berg der Name Morja gegeben – mögliche Übersetzung: Land des Lehrers JHWH.

Eine der Schlüsselstellen des Neuen Testaments trägt dann das Wort im Namen: die Bergpredigt: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.“ Name und Lage des Bergs nennt der Evangelist Matthäus nicht.

Der Tradition nach wird die Bergpredigt am Berg der Seligpreisungen verortet
Der Tradition nach wird die Bergpredigt am Berg der Seligpreisungen verortet Foto © stock.adobe.com

Jenseits des Kidrontales in Jerusalem wird wiederum der Ölberg und damit eine der zentralen Stellen der Leidensgeschichte Jesu verortet: Von dort aus zog Jesus unter Jubel in die Stadt ein. Nach dem Letzten Abendmahl ließ er sich dann mit seinen Jüngern im Garten Getsemani am Fuße des Berges zum Beten nieder. Wenig später nahm die Tempelpolizei Jesus an diesem Ort fest.

Auf der anderen Seite der Stadt liegt Golgotha, was übersetzt so viel wie Schädelhöhe bedeutet und auf der Jesus gekreuzigt wurde – und starb. Nur wenige Meter unterhalb lokalisiert die Tradition das Grab, in das Jesus dann gelegt wurde. Als die Jünger jedoch am Ostermorgen zum Grab kamen, war es leer – oder wie es im Lukasevangelium heißt: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden!“

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