Tanzbiennale VenedigTanzen mit der Wimper und dem Rollstuhl

Am Freitag startet die Tanzbiennale in Venedig. Mit dabei ist die Österreicherin Doris Uhlich mit ihrem Stück „Everybody Electric“.

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Hochpolitisches Stück mit physisch beeinträchtigten Menschen: „Everybody Electric“ der Österreicherin Doris Uhlich © Alexi Pelekano/KK
 

Sie sei vor dem Computer erstarrt, so Doris Uhlich im Interview, als die Anfrage am Bildschirm aufpoppte, ihr Stück „Everybody Electric“ auf der Tanzbiennale Venedig zu zeigen. „Ich darf Teil der langen Geschichte der Biennale sein!“, freut sich die österreichische Choreografin über die Einladung. Österreich ist selten in der Tanzbiennale Venedig vertreten. In Erinnerung geblieben ist die Auszeichnung des Burgenländers Chris Haring im Jahr 2007. Haring erhielt damals den Goldenen Löwen für sein Stück „Posing Project B – the Art of Seduction“. Den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhält heuer übrigens der Italiener Alessandro Sciarroni.
Vom 21. bis 30. Juni läuft die Tanzbiennale in Venedig. Heuer sind 29 Performances von 22 internationalen Tanzschaffenden und Kompanien in den Theatersälen der Schiffswerft Arsenal zu Gast. Besonders stolz ist die Direktorin Marie Chouinard auf fünf Weltpremieren sowie acht Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum.

 

Spiritueller Zuagng


Zum dritten Mal kuratiert die Kanadierin Chouinard die Tanzbiennale, heuer unter dem Titel „On Becoming a Smart God-dess“. Chouinards typisch spiritueller Zugang wirkt angesichts brennender gesellschaftlicher Probleme seltsam weltfremd. Bei genauerer Analyse des Programms zeigt sich jedoch, dass die Direktorin sehr wohl politische Stücke präsentiert, jedoch ohne diesen Aspekt ausdrücklich zu betonen.
So reicht die Palette von der Beschäftigung mit neuen Technologien (Théo Mercier/Steven Michel, „Affordable Solution for Better Living“) über Fragen zur Sexualität (Daniel Kok/Luke George, „Bunny“) und Körperbeherrschung (Nicolás Poggi/Luciano Rosso, „Un poyo rojo“) bis zu Recherchen über den unkontrollierbaren Wimpernschlag (Michelle Moura, „Blink mini unison intense lamentation“). Doris Uhlich erweitert in ihrem hochpolitischen Stück „Everybody Electric“ mit physisch beeinträchtigten Menschen den Körper mithilfe von Rollstühlen, Prothesen sowie Krücken und transformiert Blicke des Mitleids in Respekt.
Wie immer sind Weltstars in Venedig vertreten, heuer William Forsythe mit „A Quiet Evening of Dance“ sowie Sasha Waltz mit „Impromtus“. Einen wichtigen Stellenwert nimmt das Biennale College zur Weiterbildung des Nachwuchses ein. Bereits zum zweiten Mal können sich 2019 Studierende im Verfassen von Rezensionen üben. Artistic Talks und eine Reihe von Tanzfilmen runden das vielschichtige Programm ab.

Tanzbiennale Venedig. 21. bis 30. Juni. www.labiennale.org

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