Festival LocarnoGoldener Leopard an einen Thriller aus Singapur

"A Land Imagined" von Yeo Siew Hua gewinnt den heurigen Wettbewerb. Der Film geißelt in einer Mischung aus Thriller, Lovestory und Baustellenreport moderne Formen der Ausbeutung.

Yeo Siew Hua aus Singapur mit seiner Darstellerin Luna Kwok © AP
 

Der Spielfilm "A Land Imagined" von Yeo Siew Hua aus Singapur hat beim Filmfestival in Locarno den Goldenen Leoparden gewonnen. Der vielschichtige Krimi (er wurde von Produzenten aus Singapur, Frankreich und den Niederlanden finanziert) spielt in der ausbeuterischen Welt der Gastarbeiter auf den Großbaustellen des Inselstaates. Das Dokumentaressay "Chaos" der in Wien lebenden Regisseurin Sara Fattahi siegt hingegen in der Sparte der zeitgenössischen Filmemacher.

Die zum Abschluss des 71. Internationalen Filmfestivals auf der Piazza Grande verkündeten Entscheidungen der Jury unter Vorsitz des chinesischen Filmemachers Jia Zhang-ke, zu der auch die italienisch-österreichische Regisseurin Tizza Covi zählte, lösten teilweise heiße Diskussionen aus. Doch alle stimmten dem Festival-Fazit des scheidenden künstlerischen Leiters und künftigen Berlinale-Chefs Carlo Chatrian zu, der zum Abschluss resümierte: "Es war eine reiche Ausgabe, ohne Berührungsängste, an der sich Lächeln und Nachdenklichkeit nicht ausschlossen." Als Abschiedsgeschenk gab es für Chatrian einen Spezial-Leoparden und ein Flugticket nach Berlin - inklusive Rückflug. Festivalpräsident Marco Solari würdigte Chatrian als "außerordentliche Persönlichkeit" von großer Sensibilität, Intelligenz und Loyalität. Chatrian hatte das Locarno Festival sechs Jahre lang geleitet.

Weitere Preise

Der Leopard für die beste Regie ging an die Chilenin Dominga Sotomayor für "Tarde para morir joven". Der Spielfilm handelt vom Erwachsenenwerden in einer Aussteigerkolonie im Sommer 1990 - kurz nach dem Ende der Diktatur in Chile. Als beste Darstellerin wiederum zeichnete die Jury Andra Gu?i für die Hauptrolle in"Alice T." aus. Gu?i inkarniert im rumänischen Teenager-Drama von Radu Muntean eine rebellische 17-Jährige, die mit einer Schwangerschaft ihre Adoptivmutter herausfordert.

Der Leopard für die beste männliche Rolle ging an KI Joobong als lebensmüder Dichter im südkoreanischen "Gangbyun Hotel". Regie in der melancholisch humorvollen Schwarz-weiß-Miniatur führte Locarno-Rückkehrer Hong Sangsoo, der 2015 für "Right Now, Wrong Then" den Goldenen Leoparden erhalten hatte. Mit einer besonderen Erwähnung bedachte die Jury das britische Sozialdrama "Ray & Liz" von Richard Billingham.

 

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