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Staatsoper & Co.

Kulturherbst: Wien ist ganz auf Shakespeare eingestellt

Der Herbst kommt mit Riesenschritten und die Wiener Musiktheater starten in die neue Saison. Die Staatsoper bringt am 16. Oktober mit "Armide" ihre erste Premiere. Die Volksoper läutet Saison mit Operette ein.

Ein unvergänglicher Klassiker: Shakespeare
Ein unvergänglicher Klassiker: Shakespeare © AP (Kirsty Wigglesworth)
 

Bald haben die Touristenorchester ausgedient, und die Wiener Musiktheater übernehmen wieder selbst das Zepter in ihren Häusern. Den Auftakt markieren ab Dienstag (30. August) die Wiener Musiktheatertage mit ihrer zweiten Ausgabe im Werk X, wobei sich sechs Uraufführungen der Weltflucht widmen. Aber auch sonst steht dem Saisonstart nichts im Wege, wie der Überblick über die kommenden Wochen zeigt.

Die neue Saison in der Wiener Staatsoper startet am 3. September noch ohne szenische Höhepunkte, steht am Anfang doch der traditionelle Tag der offenen Tür. Tags darauf markiert Marco Arturo Marellis "Turandot" aus der Vorsaison den eigentlichen Auftakt 2016/17. Die erste Premiere folgt dann am 16. Oktober mit Christoph Willibald Glucks "Armide" in der Regie des Franzosen Ivan Alexandre und mit Originalklangspezialist Marc Minkowski am Pult seiner Musiciens du Louvre. Damit ist wieder ein Gastorchester zu Gast im Haus am Ring - wie schon zur Auftaktspielzeit von Intendant Dominique Meyer 2010, als man Händels "Alcina" interpretierte, die aus gegebenem Anlass am 20. Oktober wieder aufgenommen wird.

Shakespeare

Am 1. November ist dann das Ballett an der Reihe, wenn der dreiteilige Abend "Balanchine / Liang / Proietto" als Klammer dient für Edwaard Liangs Choreografie "Murmuration" für 17 Tänzer, die "Symphonie in C" von George Balanchine sowie "Blanc", die der aufstrebende Choreograf Daniel Proietto speziell für das Staatsballett kreiert. Und mit Verdis "Falstaff" endet das Jahr aus Premierensicht in der Staatsoper am 4. Dezember humorvoll, wenn sich Altmeister Zubin Mehta am Pult und der Schotte David McVicar als Regisseur die Shakespeare-Adaption vornehmen.

Shakespeare dominiert im Jubiläumsjahr anlässlich des 400. Todestages auch den Spielplan bei den Kollegen im Theater an der Wien. Die bis dato konzertante oder theatrale Eröffnung entfällt. Stattdessen steht am 14. September mit Arno Schreiers "Hamlet" gleich eine Uraufführung an. Auch der zweite Teil des Premierenreigens am 12. Oktober ist dem englischen Dramatiker gewidmet, wenn "Falstaff" erklingt - allerdings nicht in der Verdi-Fassung, sondern in der 100 Jahre früher entstandenen von Antonio Salieri. Während Rene Jacobs am Pult steht, ist unter anderen die Mozart-Durchstarterin Anett Fritsch als Alice Ford zu hören. Am 11. November reiht sich dann mit "Macbeth" aber doch ein Verdi-Werk ein, wobei Hausherr Roland Geyer wieder einmal persönlich für die Regie verantwortlich zeichnet. Ebenfalls Stammgast am Haus ist Keith Warner, der am 12. Dezember mit Mozarts "Don Giovanni" den ersten Nicht-Shakespeare-Stoff der Saison ins Theater an der Wien bringen wird.

"Hybris" und "Nemesis"

In der vom Theater an der Wien bespielten Kammeroper zeigt das Junge Ensemble des Hauses zum Auftakt ebenfalls Verdi, nämlich die "Traviata", die am 27. November in der Regie von Lotte de Beer, die bereits mit ihrer "Boheme" am Haus begeisterte, die erste Eigenproduktion darstellt. Ab 3. November holt dann das sirene Operntheater in der Kammeroper zum Dreischlag aus und präsentiert zunächst "Hybris" von Simon Vosecek, ab 14. November "Nemesis" von Hannes Löschel und ab 25. November "Soma" von Christof Dienz - jeweils mit einem Libretto von sirene-Doyenne Kristine Tornquist. Die drei Werke drehen sich allesamt um den Themenkomplex Medizinische Ethik, weshalb den Premierenabenden jeweils ein entsprechender Vortrag vorangestellt wird.

In der Volksoper wird der Saisonstart heuer von der Operette bestritten, wenn am 17. September "Axel an der Himmelstür" steht - dem Ralph-Benatzky-Werk, das 1936 Zarah Leander den Durchbruch brachte. Die Oper meldet sich am 15. Oktober zu Wort, wenn in Koproduktion mit der Oper Bonn Jacques Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" erklingt, bevor das Ballett am 13. November das Zepter übernimmt. Sergej Prokofjews Aschenputtel-Fassung "Cendrillon" wird von Thierry Malandain choreografiert. Und am 9. Dezember kommt mit Emmerich Kalman ein weiterer Vertreter der Silbernen Operettenära zu Wort, wenn seine turbulente "Zirkusprinzessin" ihre Runden drehen wird.

Eigenproduktion "Schikaneder"

Auf Musical in der Volksoper müssen die Fans aus Premierensicht im laufenden Jahr noch warten, dafür haben die Vereinigten Bühnen Wien mit "Schikaneder" eine entsprechende Eigenproduktion im Köcher. Am 30. September feiert das Stück von Oscar-Preisträger Stephen Schwartz und VBW-Musicalintendant Christian Struppeck als Librettist mit Mark Seibert und Milica Jovanovic in den Hauptrollen Uraufführung im Raimund Theater. Neben dem Werk über das Leben des großen Impresarios ist im zweiten Standort der VBW, dem Ronacher, weiterhin Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical "Evita" zu sehen.

In der Freien Opernszene lädt die Neue Oper Wien von Walter Kobera ab 13. September ins Theater Akzent, wo man die Bühnenadaption des Fernsehaufregers "Staatsoperette" von Otto M. Zykan nach der Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen nun auch in Wien zeigt - abermals mit den Puppen von Szenestar Nikolaus Habjan an Bord. Ebenfalls hochpolitisch ist Ernst Kreneks "Pallas Athene weint" - ein Werk aus Mitte der 1950er-Jahre, das zeigt, wie schnell Demokratie ins Wanken gerät. Regisseur Christoph Zauner siedelt das Stück, das ab 25. Oktober im Museumsquartier gespielt wird, in der Säulenhalle des Parlaments an, wobei junge Flüchtlinge als Statisten in die Inszenierung eingebunden werden.

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