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Dokter der Kunst: "artistic reasearch" an der Kunstuni Graz

Die Kunstuniversität Graz (KUG) hat im Jahr 2009 als erste österreichische Kunstuni ein Studium für den "Doctor artium" eingeführt. Seither haben sich rund 120 Musiker beworben, jährlich werden aber nur zwischen drei und vier tatsächlich genommen. Ab dem 23. April ist die KUG Gastgeberin der europäischen Konferenz EPARM zum Thema "artistic research".

 

"Wer sich zum künstlerisches Doktoratsstudium mit dem Abschluss 'Dr. artium' bewirbt, nur weil er den Titel haben will, ist falsch bei uns", warnte Ulf Bästlein, Leiter der künstlerischen Doktoratsschule im Gespräch mit der APA. Gedacht sei das Studium für jene Künstler, denen es "durch ihr künstlerisches Schaffen förmlich auf der Seele brennt und daher zusätzlich zum forschenden Künstler werden wollen", wie Bästlein schilderte.

Es gehe um jenes künstlerische Forschen wie es beispielsweise Alfred Brendel, Dietrich Fischer-Dieskau oder Nikolaus Harnoncourt zeitlebens selbstverständlich war: Künstlerische Praxis, also Interpretation bzw. Produktion, und wissenschaftliche Reflexion ("artistic research") durchdringen und befruchten sich wechselseitig. Die produktiven Synergien, die aus dem engen Kontakt von künstlerischer und wissenschaftlicher Tätigkeit resultieren, sollen neuen Erkenntnisgewinn bringen. Wer sich dazu berufen fühlt und das mehrstufige Aufnahmeverfahren schafft, kann das dann an der KUG in dem sechs Semester umfassenden Studium mit zusätzlichem akademischen Abschluss praktizieren.

Grundsätzlich müssen die Bewerber bereits eine substanzielle künstlerische Laufbahn vorzeigen können. Die Doktorarbeit bestehe aus einem künstlerisch-wissenschaftlichen Projekt, bei dem die schriftliche Dissertation und die künstlerische Präsentation gleichwertig betrachtet werden. "In der Musik sind wir noch immer die Einzigen im deutschsprachigen Raum, die so etwas anbieten", hielt Bästlein fest. U.a. war der österreichische Posaunist Bertl Mütter einer der ersten Absolventen der Doktoratsschule. Pianist Zoltan Füzessery hat sich mit den letzten drei Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven künstlerisch und analytisch auseinandergesetzt und der Tenor Alexander Mayr hat die vergessene Gesangsart - die "voce faringea" - wiederentdeckt, wie Bästlein schilderte.

Mit der Frage, wie sich die durch künstlerisches Forschen gewonnene Erkenntnisse auf die musikalische Praxis auswirken, beschäftigt sich der Kongress der "European Plattform for Artistic Research" EPHARM. Beiträge aus 19 Institutionen aus 12 verschiedenen Ländern werden vorgestellt.

INFO: Infos zum Künstlerischen Doktoratstudium an der KUG unter . Die Konferenz der EPARM "(Re-)processing Research: musical practice as both source and target domain for artistic research in music" findet am 23. und 24. April an der Kunstuniversität Graz statt. Programm unter earch-in-music-2015)

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