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BALLETT

Tanz in den Wahnsinn: "Giselle rouge"

"Giselle Rouge" war eine legendäre russische Ballerina, deren Schicksal Boris Eifman choreografisch gestaltete. Das Wiener Staatsballett brillierte damit an der Volksoper.

Das Schicksal einer Ballerina als Ballett © APA
 

Die "Giselle" war ihr Markenzeichen: Olga Spessiwzewa (1885 – 1991) tanzte die romantische Ballettfigur wie keine vor und nach ihr, heißt es. Weil sie aus der Sowjetunion in den Westen kam, erhielt sie das Prädikat "rouge" dazu verpasst. Der russische Choreograf Boris Eifman setzte seiner Landsfrau ein Denkmal und kreierte ein Handlungsballett, dessen Premiere am Sonntag mit Olga Esina in der Titelrolle bejubelt wurde.

Das Stück folgt in stimmungsvollen Bildern zur Musik von Tschaikowski, Bizet, Adam und Schnittke dem wirklichen Schicksal der Protagonistin. Anfangs kann man ihr Talent in einer Ballettklasse in Leningrad bewundern, wo Schülerinnen an der Stange ihre Exercises trainieren. Eno Peci, ein ausgezeichneter Charakterdarsteller, ist der strenge klassische Lehrer, der Olga aus der Menge pickt und fördert. Doch die Russische Revolution verändert auch die Theater, und reaktionäre Kunst wie "Giselle" muss dem neuen kommunistischen Naturalismus weichen.

Die Spessiwzewa, die auch mit Sergej Diaghilews Ballets Russes große Erfolge feierte, war nur im Tanz selbstbestimmt. Im echten Leben suchte sie die Protektion einflussreicher Männer. So wie jene des Kommissars (Kirill Kourlaev), der ihr aus Liebe zur Ausreise verhalf. An der Pariser Oper verliebte sie sich in einen Tanzpartner (Roman Lazik). Leider war der mehr an Männern interessiert. Frustriert und lebensunfähig, steigerte sie sich immer mehr in die Rolle der zum ewigen Tanz verfluchten, untoten Giselle hinein, bis zur Psychose, die sie für zwanzig Jahre in eine psychiatrische Klinik brachte. In "Giselle Rouge" wird sie aus einer "Giselle"-Aufführung mittels Zwangsjacke von der Bühne geholt.

ZUM BALLETT

"Giselle rouge", Ballett von Boris Eifman.

Aufführungen des Wiener Staatsballetts in der Wiener Volksoper: 15. und 27. April, 3. und 11. Mai, jeweils von 19 bis 21 Uhr.

Karten: Tel. (01) 513 1 513.

Bewertung: Drei Sterne.

 



Auch wenn es zeitgemäße Tanzszenen und Charleston-Einlagen gibt, bleibt Eifmans Choreographie streng am klassischen Kanon orientiert. Schon deshalb, weil tatsächlich Szenen aus der "Giselle" vorkommen, wenn auch verfremdet. Die Pas de deux sind eindrucksvoll und virtuos getanzt von Esina und Partnern. Das Bühnenbild von Wiacheslav Okunev ist hyperrealistisch, und allem wohnt ein gewisser russisch-pathetischer Charme inne. Der vielseitige Dirigent Andreas Schüller leitete das Volksopernorchester am Premierenabend routiniert. Ein insgesamt gefälliger Ballettabend mit einigen Längen, der aber bestimmt sein Publikum finden wird.

BARBARA FREITAG

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