Theater zum Fühlen und Begreifen

Herbert Gantschachers 15. Gehörlosentheaterfestival steht im Zeichen des Kriegsgedenkens.

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© Baumgartner
 

Wie macht man sich verständlich, wenn man blind UND taub ist? Wie kann man mit diesem Handicap sogar schriftstellerisch erfolgreich sein, wie dies der 1968 verstorbenen Amerikanerin Helen Keller gelang? Derlei Fragen stellen sich angesichts von Kellers Text "Verweigert den Krieg", den Herbert Gantschacher im Rahmen seines 15. Gehörlosentheaterfestivals präsentieren wird.

Die genannte Uraufführung ist nur einer von vielen Programmpunkten des diesjährigen Festivals, das erstmals unter dem Titel "Visual" firmiert. Seit er draufgekommen sei, "dass der Begriff der Gehörlosigkeit erst unter den Nazis aufgekommen" sei, spreche er nämlich lieber von "visuellem Theater", sagt der stets um politische Korrektheit bemühte Regisseur, der seine diesbezüglichen Vorstellungen seit Kurzem auch im Kärntner Kulturgremium durchzuzusetzen versucht. Nicht immer mit Erfolg.

Im Spannungsfeld zwischen Weltkriegsgedenken und eingeschränkten sensorischen Fähigkeiten bewegen sich auch die übrigen Aufführungen des Festivals, das heuer von 3. bis 10 Mai im Wiener Schauspielhaus über die Bühne geht. Den Auftakt macht die Uraufführung eines Stückes von D?evad Karahasan, der sich in "Prinzip Gabriel" mit dem Sarajevo-Attentäter Gavrilo Princip auseinandersetzt und darin den Erzengel Gabriel als wahren Übeltäter entlarvt. Weiters zu erleben sind eine Neuinszenierung der Victor Ullmann-Komposition "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" sowie die Uraufführung des Kindertheaterstücks "Talking Gloves - Sprechende Handschuhe", das Bilder von Albin Egger-Lienz und Gedichte des Ernst Jandl-Vorläufers August Stramm verarbeitet.

Gefeiert wird das Festival übrigens nicht nur in Wien, sondern auch in den Bundesländern. Die Vorpremiere von "Talking Gloves" findet beispielsweise am 24. April im Kolpinghaus Lienz statt. Kärnten ist unter anderem mit der Künstlerin Burgis Paier vertreten. Für eine Ausstellung im Schauspielhaus porträtierte die Puppenmacherin fünf außergewöhnliche Frauen, darunter die "dreisinnige" Hellen Keller oder Laura Bridgman, die überhaupt nur tasten konnte, aber als erste Taubblinde eine volle Schulausbildung absolvierte.

Wie es sich anfühlt, ohne die üblichen fünf Sinne auskommen zu müssen, kann man bei einem eigenen Workshop unter dem Titel "Begreifen, Erriechen, Erschmecken" erfahren.

Nähere Infos: www.arbos.at

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