Japanisch klingt in unseren Ohren "stakkato-artig" und schneller als etwa Deutsch oder Holländisch. Erklärungen für solche Rhythmusunterschiede liefern die experimentellen und statistischen Untersuchungen des Sprachforscher-Paars Gertraud Fenk-Oczlon und August Fenk.

Muttersprache. Sprecher und Sprecherinnen von mehr als 60 unterschiedlichen Sprachen – darunter auch Indianersprachen wie Hopi oder Navaho und afrikanische Sprachen wie Bambara oder Ewondo – übersetzten 22 einfache deutsche Aussagesätze in ihre jeweilige Muttersprache. Die deutschen Sätze sowie ihre Übersetzungen ins Slowenische waren im Schnitt 5,5 Silben lang. Die Bandbreite war aber groß und reichte von durchschnittlich fünf Silben im Holländischen bis im Schnitt zehn im Japanischen.

Wissenschaft. Den Grund vermutete Fenk-Oczlon, Vorständin des Instituts für Sprachwissenschaft und Computerlinguistik, in der unterschiedlichen Silbenstruktur dieser Sprachen: "Das Japanische hat hauptsächlich aus ein bis zwei Lauten bestehende Silben wie im viersilbigen Wort ‚Fu-ji-ya-ma‘, das Holländische und das Deutsche zusätzlich auch komplexe Silben wie das einsilbige Wort ‚springst‘ mit acht Lauten." Der vermutete Zusammenhang konnte, so August Fenk, statistisch abgesichert werden: "Je komplexer und damit länger die Silben einer Sprache, umso weniger Silben braucht sie für eine bestimmte Aussage."

Zwei Sekunden. Offenbar haben alle Sprachen dieser Welt eine Zeitvorgabe von rund zwei Sekunden zu berücksichtigen: Die Dauer einfacher Sätze soll der Dauer des Atemstroms beim Ausatmen ebenso entsprechen wie dem Zeitbedarf der an der Planung, Produktion und Auffassung beteiligten psychischen Prozesse. Diese Vorgaben erzwingen einen Ausgleich innerhalb des Systems Sprache: Mehr Komplexität auf Ebene der Silben wird kompensiert durch eine geringere Komplexität auf anderen Ebenen wie dem Wort- oder Satzbau.

Neue Akzente. Mit ihren gemeinsamen Arbeiten haben die Sprachwissenschaftlerin und der Kognitionswissenschaftler neue Akzente gesetzt. In ihrem nächsten Vortrag im Mai dieses Jahres bei der Tagung "Language and Music as Cognitive Systems" an der Cambridge University werden sie über Parallelen in der rhythmischen Struktur von Sprache und Musik berichten.