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HERNSTEIN MANAGEMENT REPORT Wie entspannt Führungskräfte wirklich sind

Wie viel Privatleben haben Führungskräfte in Österreich und in Deutschland noch und können Sie sich auch eine Teilzeitarbeit vorstellen? Der Hernstein Management Report zeichnet ein aktuelles Stimmungsbild.

© (c) Janina Dierks - stock.adobe.com
 

"Die zentrale Frage rund um Life-Balance oder Work-Life-Blending ist der eigene Umgang damit. Dieser hängt sehr stark von der inneren Haltung ab. Und inwiefern man als Führungskraft gelernt hat damit umzugehen. Dabei gilt es, sich im ersten Schritt der eigenen Stressmuster und Grenzen bewusst zu werden und sie folglich zu berücksichtigen", so Michaela Kreitmayer, Leiterin Hernstein Institut für Management und Leadership. Ergänzend fügt sie hinzu: "Selbstführung ist ein wichtiger Schritt für die erfolgreiche Arbeit als Führungskraft. Und diese kann man sich erarbeiten."

Hinter der Fassade

94 Prozent der befragten Führungskräfte in Deutschland und Österreich geben an, in hohem Maß eigenmotiviert zu arbeiten und täglich ihr Bestes zu geben. Über zwei Drittel sagen, dass sie ihr Arbeits- und Privatleben im Großen und Ganzen gut miteinander vereinbaren können. Mehr als die Hälfte davon (37 Prozent) stimmen dieser Aussage sogar ausdrücklich zu. Das bedeutet, dass rund ein Drittel der befragten Führungskräfte ein deutliches Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatleben erleben.

Spannende Unterschiede zeigen sich bei den verschiedenen Arbeitszeitmodellen: 67 Prozent der Vollzeit-Führungskräfte erleben Arbeits- und Privatleben als ausgeglichen. Deutlich öfter trifft das bei den Teilzeit-Führungskräften zu: 78 Prozent der befragten Teilzeit-Führungskräfte, die mehr als 20 Stunden arbeiten, geben an, dass die Balance gelingt. Ein interessantes Detail: Im oberen und Top-Management hat jede zweite Führungskraft (55 Prozent) das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Im unteren Management sind es lediglich 31 Prozent.

Wie Unternehmen Führungskräfte unterstützen

Führungskräfte, die den Ausgleich zwischen ihrem Beruf und Privatleben positiv erleben, fühlen sich von ihrem Unternehmen (62 Prozent) und von ihrem Vorgesetzten (61 Prozent) unterstützt. Personen, die bereits in Teilzeit arbeiten, schätzen die Unterstützung signifikant höher ein als Vollzeitkräfte. Führungskräfte der oberen und Top-Managementebene erleben die Unterstützungsmaßnahmen wesentlich positiver (76 Prozent) als jene der unteren Managementebene (58 Prozent). 

Danke - aber nein, danke?

Unternehmen bieten im Bereich Work-Life-Balance eine Vielzahl an Instrumenten zur Unterstützung an, die über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen: Karenz/Väterkarenz (58 Prozent), Laufbahnwechsel (41 Prozent), Kinderbetreuungsangebote (36 Prozent), Sabbatical (33 Prozent) und Jobsharing (22 Prozent). Überraschend wenige Führungskräfte (durchschnittlich 10 Prozent) nutzen diese Angebote. 12 Prozent denken daran, diese Angebote in Zukunft (wieder) nutzen zu wollen. 53 Prozent der Unternehmen bieten Teilzeitarbeit für Führungskräfte über die gesetzlich geregelte Eltern- oder Altersteilzeit hinaus an. Lediglich 16 Prozent nehmen es in Anspruch. Weitere 25 Prozent geben an, diesbezügliche Angebote in der Zukunft nutzen zu wollen. 

Freizeit in der Arbeit

43 Prozent der Befragten haben noch nie von dem Begriff Work-Life-Blending gehört. 30 Prozent der Befragten kennen ihn zwar, verbinden aber keine konkrete Vorstellung damit. Auf 35 Prozent der Befragten wirkt er eher negativ, auf 30 Prozent eher positiv, auf weitere 35 Prozent ambivalent. 42 Prozent meinen, dass Work-Life-Blending im Alltag kein Thema ist. Allerdings: 64 Prozent der Befragten würden einen Anruf ihres Vorgesetzten beim Abendessen zuhause auf jeden Fall beantworten. 62 Prozent nehmen im Bedarfsfall wichtige Arbeitsaufgaben am Wochenende mit nach Hause. 74 Prozent würden einen Anruf ihres Partners während der Arbeitszeit auf jeden Fall annehmen. 50 Prozent geben an, im Bedarfsfall Kinder für eine Stunde mit ins Büro bringen zu können. Es zeigt sich also: Der Begriff Work-Life-Blending ist als eigenständiges Konzept mehrheitlich unbekannt, dennoch ist er bereits Realität.

Ist Teilzeit ein Thema?

Können sich Vollzeit-Führungskräfte vorstellen, ihre Arbeitszeit aus persönlichen Gründen zu reduzieren? Knapp die Hälfte der Führungskräfte (46 Prozent) sagt ja, etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) schließt es für sich aus. Vor allem die zu erwartenden finanziellen Einbußen (39 Prozent) sind ein wichtiger Grund für die ablehnende Haltung. Knapp die Hälfte (45 Prozent) der Führungskräfte ist optimistisch, dass Teilzeit-Optionen sich nicht negativ auf die Karriere auswirken. 56 Prozent sind da nicht so zuversichtlich. Jeder Zweite sieht Teilzeitarbeit also als Risiko für die Karriere. Die oberen und Top-Management­ebenen empfinden das deutlich positiver als die unteren. Auch Teilzeit-Führungskräfte antworten optimistischer bezüglich einer Karriere als Teilzeitkraft als Vollzeitkräfte. Dennoch: mehr als ein Drittel der Führungskräfte in Teilzeit (38 Prozent) ist der Meinung, dass ihre Karriere von der Entscheidung für Teilzeit negativ beeinflusst sein wird.

Ist es aufwändiger, Teilzeitkräfte zu führen? 25 Prozent der Führungskräfte sagen ja zu dieser Aussage, 53 Prozent stimmen nicht zu. Die persönlichen Erfahrungen scheinen einen Einfluss zu haben: Führungskräfte, die selbst Teilzeit arbeiten, bewerten das Führen von Teilzeitkräften positiver (80 Prozent gegenüber 60 Prozent bei Vollzeitführungskräften). Hätten Führungskräfte lieber eine Vollzeitkraft in ihrem Team oder zwei Teilzeitkräfte, die sich das Stundenausmaß teilen? Knapp die Hälfte der Befragten (44 Prozent) favorisieren die Vollzeitkraft. 41 Prozent meinen, dass es keinen Unterschied macht

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