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Sommergespräch

Melissa Naschenweng : "Angst darf man keine zeigen"

Lamas, Liebe und Musik: Melissa Naschenweng (24) traf sich mit Kleine Zeitung-Redakteurin Claudia Lux zu einer tierischen Wanderung.

© KK
 

Wir freuen uns aufs Lamatrekking, aber jetzt zickt ein Tier herum. Trauen Sie sich trotzdem?

MELISSA NASCHENWENG: Mein Lama "Black Jack" ist ganz brav. Es ist so, wie es unser Lamaführer Hans Kanzian erklärt hat: Die Tiere sind sehr sensibel, Angst darf man keine zeigen, sonst ist man verloren. Das ist beim Lama gleich wie in der Musikbranche. Ich bin auch ein sensibles Wesen, das passt, gell Black Jack?

Wie hart ist der Kampf?

NASCHENWENG: Der Neid hat mir zugesetzt. Ich bin mit meiner Ziehharmonika dagesessen und die Tränen sind mir runtergeronnen. Ich habe da den Entschluss gefasst, es nicht jedem recht machen zu können und gerade deshalb weiterzumachen.

Wird als Sensibelchen die Traumwelt schnell zum Albtraum?

NASCHENWENG: Das Sensibelsein macht es aus. Mir ist nichts wurscht: Es geht ganz hoch hinauf oder ganz hinunter. "In der Mitte" gibt es nicht. Wenn ich Balladen singe, weine ich oder hab' Gänsehaut. Das braucht es.

Haben Sie auch Lampenfieber?

NASCHENWENG: Immer. Ich habe ja schon in Gasthäusern, bei Faschingsgilden, vor tausenden Menschen und im Fernsehen gespielt. Egal wo, ich bin so nervös, das ist irre. Vor dem Auftritt bin ich nicht ansprechbar. Sobald ich auf der Bühne stehe, ist alles weg und es geht ab.

Helfen da Glücksbringer?

NASCHENWENG: Ja, die von meiner Oma. Ich bin auch sehr katholisch aufgewachsen. Vor dem Auftritt mache ich ein Kreuzzeichen. Da oben schaut jemand auf mich. Ich habe viele Schutzengel.

Sie sind auch schon mit vielen Volksmusik- und Schlagerstars auf der Bühne gestanden. Geben die Newcomern auch Tipps?

NASCHENWENG: Man gehört schnell dazu, wie in einer großen Familie. Auf die Kreuzfahrt mit Andreas Gabalier habe ich mich gefreut wie auf das Christkindl. Und er ist so nett, natürlich und auf dem Boden geblieben.

Startschuss der Karriere war dein Sieg beim Nachwuchswettbewerb des Musikantenstadls. Wie ist es, über Nacht ein Star zu sein?

NASCHENWENG: Ich habe damals gar nicht gemerkt, was passiert ist. Ich wollte gar nicht Musikerin werden, das war ein Hobby. Die Ziehharmonika war in der Pubertät so uncool. Aber ich hatte Spaß. Bei einem Auftritt habe ich meinen Produzenten kennengelernt und er meinte, schreib doch selbst was. So bin ich zum Musikantenstadl gekommen. Als ich gewonnen hab, hat nur noch das Handy geklingelt. Irgendwie habe ich mich jetzt da reingelebt.

Und jetzt geht es nicht mehr ohne?

NASCHENWENG: Nein. Ich liebe meinen Job. Seit einem halben Jahr habe ich nun offiziell mein Hobby zum Beruf gemacht und mein Jus-Studium aufgegeben. Beides habe ich nicht mehr geschafft. Aber ich habe schon als Kind gewusst, dass etwas auf mich wartet. Meine Mama hat damals sogar gesagt: Die Melissa spinnt, die glaubt, sie wird nie einen normalen Beruf haben.

Ihre Familie hat nie gesagt, Sie sollen etwas "Anständiges" lernen?

NASCHENWENG: Meine Familie unterstützt mich total. Vom Opa habe ich das Ziehharmonikaspielen, meine Omas tun für mich alles. Meine Mama ist die allerbeste CD-Verkäuferin, mein Papa mein Techniker und Chauffeur.

Für die Liebe scheint da wenig Platz zu sein.

NASCHENWENG: Freund habe ich keinen. Es ist brutal schwierig, weil ich viel unterwegs bin. Das müsste erst einmal jemand akzeptieren. Wenn einmal einer kommt, der passt, dann passt es. Aber derweilen bin ich glücklich allein. Außerdem habe ich immer eine schneidige Begleitung: meine Ziehharmonika. Die rettet mich auch aus Technikpannen, denn die braucht keinen Strom.

Das neue Album aber schon. Es wird rockig.

NASCHENWENG: Die Lieder für das neue Album habe ich selbst geschrieben. Mein Opa sagt immer: Egal auf welcher Bühne du stehst, vergiss deine Ursprungslieder nicht. Jetzt habe ich einen Dimple-Rock mit E-Gitarre aus einem Boarischen gemacht. Wenn ich das auf der Bühne spiele, das ist ein Gefühl . . . So wie es in meinem Lied heißt: Oanfoch schen. Das bin ich, ich künstle nichts.

Wie wichtig ist das Aussehen in der Branche?

NASCHENWENG: Puppe will ich keine sein. Ich bin Musikerin, kein Model. Das Wichtigste ist sowieso die Ausstrahlung. Und dass man, was man tut, gerne tut.

Wie schaut's mit Plan B aus?

NASCHENWENG: Das wäre mein Studium. Aber ich glaube fest an Plan A, und dass der in Erfüllung geht. Jemand hat zu mir gesagt: "Melissa, das Leben mag dich." Ja, und ich mag das Leben.

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