Die seit 12. Jänner gesperrte Straße über den Plöckenpass sollte Ende März wieder befahrbar sein. Doch nun behindert verstärkter Steinschlag im Baustellenbereich die angehenden Bauarbeiten. Warum aber war diese Sperre überhaupt notwendig, fragt man sich nicht nur in Kötschach-Mauthen. Sowohl auf österreichischer als auch auf italienischer Seite war die Straße bereits geräumt und passierbar. Vor wenigen Tagen hat die ANAS mit einer Gefahreneinschätzung als Voraussetzung für die Weiterführung der Baustelle begonnen. Im Fokus steht dabei die Sicherheit der Bauarbeiter. Ein eigenes Felsmonitoring warnt sie vor Felsabstürzen, damit sie im Ernstfall rasch Schutzzonen aufsuchen können. Das Monitoring kann aber nicht jedes Ereignis erfassen. „Gerade jetzt im Frühjahr bei den großen Temperaturunterschieden nimmt der Steinschlag in diesen lockeren Felsformationen enorm zu“, weiß der Plöckenkenner Ingo Ortner. Und das sieht man auch. Zuletzt durchschlug ein gewaltiger Felsbrocken die stählernen Sicherheitsnetze und schlug auf der Fahrbahn auf.

Dieses Motiv sieht man derzeit auf Videowalls im Gailtal
Dieses Motiv sieht man derzeit auf Videowalls im Gailtal © Leopold Sachler

Die Absicherung dieses gefährdeten Straßenstückes sieht bekanntlich die Verlängerung der beiden Galerieeinfahrten um jeweils 50 Meter vor. Mittlerweile sind die Fundamentierungsarbeiten abgeschlossen, der Bau der Einhausung erfolgt mittels Fertigbetonteilen. Dann ist für Italien und die ANAS die enorm kostenaufwendige Baustelle Plöcken abgeschlossen. Eine endgültige Sicherheit wird es in diesem Abschnitt aber nie geben. Laut Beobachter neigt sich weit oberhalb der Baustelle nahe der letzten Abbruchstelle eine gewaltige Felsformation Richtung Tal, sollte diese abbrechen, könnte die Plöckenstraße endgültig Geschichte sein.

Aktuell sieht sich Friauls Vizepräsident Stefano Mazzolini durch das Sicherheitsrisiko für die Arbeiter in seiner Gesamtanalyse bestätigt. „Jede Art von Straße am Plöcken bietet für die Zukunft keine sichere ganzjährige Verbindung“, ist er überzeugt. Nun sei Österreich am Zug, die finanzielle Evaluierung zum Bau des Scheiteltunnels zu starten. Friauls Landesrätin Cristina Amirante, die 28 Bürgermeister der Carnia und Vertreter der Wirtschaft haben auf italienischer Seite bereits im Juli 2025 einstimmig dafür votiert. Die Unterstützung von Wien und Rom sei dazu natürlich essenziell.

Enormer wirtschaftlicher Schaden

Ortsmarketingchef Adolf Klauss beziffert den durch die langen Straßensperren entstandenen wirtschaftlichen Schaden für die regionale Wirtschaft auf eine dreistellige Millionensumme. Bürgermeister Josef Zoppoth (SPÖ): „Demnächst gibt es ein Treffen mit der ANAS, wo die weiteren Schritte Thema sein werden.“ Zoppoth erinnert zugleich das Land Kärnten an die aufgeschobene Umsetzung wintersicherer Ausbauten auf österreichischer Seite. Italien forciert bekanntlich den Scheiteltunnel, Kärnten hingegen hält sich wegen der Kosten zurück. Es wäre aber ein bilaterales, grenzüberschreitendes europäisches Infrastrukturprojekt mittlerer Größe mit enormer Impulskraft für den Raum Oberkärnten, Osttirol und Carnia. Auf den Videowalls im Gailtal wird aktuell der „kleine Plöckentunnel“ aktiv beworben. In Kötschach-Mauthen wird befürchtet, dass der anvisierte Öffnungstermin Ende März nicht zu halten sein wird.