Seit Donnerstagabend herrscht im Lesachtal Ausnahmezustand. Hunderte Einsatzkräfte kämpfen gegen den riesigen Waldbrand, der sich mittlerweile auf eine Fläche von 110 Hektar ausgebreitet hat. „Dieser Brand hat schon eine extreme Dimension“, sagt Vizebürgermeister Gerald Kubin. Er unterstreicht den „wahnsinnigen Zusammenhalt“, der in der Gemeinde herrscht. Das bestätigt auch Lena Seiwald. Die 25-Jährige ist selbst Feuerwehrfrau und hilft gemeinsam mit anderen derzeit im Hintergrund mit. „Wenn es hart auf hart kommt, kann man sich auf die Leute im Lesachtal verlassen.“

„Jeder leistet seinen Beitrag“

Familienangehörige der Feuerwehrleute, aber auch andere Einwohner versorgen die Einsatzkräfte seit Tagen mit Essen und Getränken: „Jeder leistet seinen Beitrag.“ Im örtlichen Spar-Markt wurden Wurstsemmeln gerichtet, Leute bringen Kuchen vorbei. Seiwald: „Wir sind den Einsatzkräften so dankbar, es soll ihnen an nichts fehlen.“ Am Abend werden die Helfer mit einem warmen Essen versorgt. Im Kultursaal kommt man zusammen.

Einer, dessen Familie direkt vom Feuerinferno betroffen ist, ist Josef Salcher. Sein Hof befindet sich in Promeggen, 300 Höhenmeter oberhalb des Anwesens brach am Donnerstag der Brand aus: „Wir haben das erst mitbekommen, als die Sirene geheult hat. Erst dann habe ich den großen Feuerschein gesehen.“ 16 bis 17 Hektar des Waldes der Familie wurden in den vergangenen Tagen zum Raub der Flammen. „Nach dem Sturm Vaia im Jahr 2018 haben wir wieder aufgeforstet, 5000 Pflanzen gesetzt. Jetzt fangen wir wieder von vorne an.“

Ärmel hochkrempeln

Sturm, Schnee, Borkenkäfer und jetzt eben das Feuer - im Lesachtal hat man gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. „Wir werden auch jetzt die Ärmel wieder hochkrempeln, es wird alles wieder wachsen“, sagt der 63-jährige Salcher, der den Hof schon an seinen Sohn übergeben hat. Der steht als Feuerwehrmann aktuell selbst im Einsatz. Der Vater beobachtet derweil die Situation von zu Hause aus. Neben dem Hof in Promeggen ist ein Graben. Auf der gegenüberliegenden Seite breitete sich das Feuer am Freitag bis zur Bundesstraße hinunter aus. Salcher: „Um den Hof hab ich mir eigentlich keine Sorgen gemacht. Die Feuerwehr war ja da.“

Melissa Naschenweng

Auch Schlagersängerin Melissa Naschenweng, selbst gebürtige Lesachtalerin, zeigte sich betroffen von den Geschehnissen in ihrer Heimat. In einem emotionalen Posting dankte sie am Freitag den Einsatzkräften.