Vermutet hatte es der Verein „Denk(a)mol-Spunij se“ schon lange. Jetzt hat man es quasi schwarz auf weiß. Und das in Form eines eigentlich recht unscheinbaren Lieferscheins. Der kam zutage, als im September des Vorjahres die beiden großen Holztafeln im Inneren des Abwehrkämpferdenkmals in der Gemeinde St. Jakob im Rosental abmontiert wurden. Die Tafeln sind das Kernstück des Denkmals, das an den Kärntner Abwehrkampf erinnert. Auf ihnen stehen die Namen von Gefallenen im Abwehrkampf. Und ein brisantes Detail: nämlich die Überschrift „Für ein deutsches Kärnten fanden den Heldentod im Rosental“. Dies legte die Vermutung nahe, dass das Kriegerdenkmal während der Zeit des Nationalsozialismus ideologisch aufgeladen wurde.
Nachdem die beiden Tafeln abmontiert waren, kam ein mit Spinnweben überdeckter, auf der Rückseite aufgeklebter Zettel zum Vorschein. Dieser Lieferschein ist auf den 15. Oktober 1941 datiert und belegt, dass die Tafeln damals in Wien hergestellt und an den Bahnhof Rosenbach verschickt worden sind. Für Silvia Jelinek, Obfrau des Vereins „Denk(a)mol-Spunij se“, der endgültige Beweis, dass die Tafeln erst während der NS-Zeit angebracht worden sind. Bei der Einweihung des Denkmals Anfang September 1937 gab es den Zusatz „Für ein deutsches Kärnten“ noch nicht. Das zeigen die Inschriften auf Stein, die hinter den großen Holztafeln zum Vorschein kamen.
„Sensible Sache“
„Es ist eine sensible Sache, die ein vorsichtiges Miteinander braucht“, betont Jelinek. Historiker hätten eine Rückführung des Denkmals in den Zustand von 1937 empfohlen, das Bundesdenkmalamt habe dies bereits bewilligt. Jelineks Verein hätte überhaupt gerne gesehen, dass die Holztafeln gleich abmontiert geblieben wären, doch: „Nach der Untersuchung des Denkmals wurden die beiden Tafeln, auf Begehr des Kärntner Abwehrkämpferbundes (KAB), wieder angebracht.“ KAB-Landesobmann Hanspeter Traar verweist auf einen Gesprächstermin, der ihm von Bürgermeister Guntram Perdacher (SPÖ) im November des Vorjahres zugesagt worden sei: „Bis heute habe ich nichts von ihm gehört.“ Mehr wollte Traar dazu auf Nachfrage der Kleinen Zeitung derzeit nicht sagen.
Leihgabe an Landesmuseum
Und wie ist der aktuelle Stand seitens der Gemeinde? Die Projektentwicklung läuft, heißt es. Denn im Zuge von Begehungen wurden auch Schäden am Abwehrkämpferdenkmal durch eindringende Feuchtigkeit festgestellt. „Das derzeit vorliegende Sanierungsvorhaben sieht – vorbehaltlich der definitiven gremialen Beschlussfassung – vor, die Sanierung entsprechend den Vorgaben des Bundesdenkmalamtes umzusetzen und das Denkmal in den Zustand der ursprünglichen Errichtung zurückzuführen“, teilte Bürgermeister Perdacher in einer schriftlichen Stellungnahme mit.
Sämtliche Schritte seien „im Rahmen eines transparenten, behördlich abgestimmten und unparteiischen Verfahrens“ gesetzt worden, wird betont. Die betreffenden Holztafeln verbleiben als Teil der Ortsgeschichte im Eigentum der Marktgemeinde St. Jakob im Rosental. Sie sollen jedoch dem Kärntner Landesmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden.