Man weiß inzwischen wichtigere und unwichtige Details über Robert Francis Prevost, den 69 Jahre alten Einwanderer-Sohn aus Chicago, der ein knappes Drittel seines Lebens als Missionar und Bischof in Peru verbracht hat. Leo XIV. liebt Tennis, ist Anhänger der Baseballmannschaft der Chicago White Sox, interessiert sich für Fußball, singt gerne und ziemlich gut, trägt eine Apple-Watch und hat sich aber auch als Mahner für eine ethische Nutzung der Künstlichen Intelligenz positioniert. Derzeit findet auf dem Petersplatz die Messe zu seiner Amtseinführung statt. 250.000 Menschen wurden dazu erwartet sowie Staatsgäste aus aller Welt.

Der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri, der erste Angehörige des Augustiner-Ordens in dieser Position, hat in seiner ersten Amtswoche bereits ein paar Hinweise darauf gegeben, wie er sein Pontifikat ausrichten will. Leo XIV. gab dazu insbesondere am Freitag bei seiner Rede vor den am Vatikan akkreditierten Diplomaten Auskunft. Dort sprach sich der 267. Nachfolger des Apostels Petrus erneut vehement für Frieden aus. „Der Friede entsteht im Herzen und aus dem Herzen heraus“, sagte der Papst. Stolz und Forderungen sollten zurückgestellt und Worte abgewägt werden. „Denn man kann auch mit Worten verletzen und töten, nicht nur mit Waffen“, fügte er hinzu. Er rief zur Abrüstung auf und forderte, „keine Instrumente der Zerstörung und des Todes mehr zu produzieren“. 

Bischof Wilhelm Krautwaschl und der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in Rom
Bischof Wilhelm Krautwaschl und der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in Rom © KK

Ein Mahner für den Frieden

Seit Amtsbeginn nimmt Leo XIV. die Position eines Weltgewissens und Mahner für den Frieden ein. „Der Frieden sei mit euch allen“, lauteten seine ersten Worte nach der Wahl. Als Nachfolger von Leo XIII., Autor der bekannten Sozialenzyklika Rerum Novarum (1891), will der Papst einen Akzent auf soziale Herausforderungen der digitalen Revolution und der künstlichen Intelligenz legen. Das kündigte er bei seiner Begegnung mit den Kardinälen kurz nach der Wahl im Konklave an. 

Bei dieser Versammlung kamen auch die Prälaten mit Ratschlägen, Empfehlungen und Vorschlägen zu Wort. Diese Neuerung steht einerseits in Kontinuität mit der von Papst Franziskus geforderten Synodalität, also einem auf Gemeinsamkeit fußenden Modus der Kirchenführung. „Wir wollen eine synodale Kirche sein, eine Kirche, die unterwegs ist“, sagte der Papst kurz nach seiner Wahl. Franziskus allerdings wurde vorgeworfen, harte, erratische und manchmal nicht nachvollziehbare Entscheidungen im Kontrast zu echter Synodalität getroffen zu haben. Wichtige Personal- und Sachentscheidungen muss Leo XIV. erst noch treffen. Allerdings soll der Führungsstil von Robert Francis Prevost kollegialer sein. 

Zurückhaltender Stil

Seine frühere Tätigkeit als Missionar begleitet Leo XIV. auch heute. Seiner Ansicht nach ist es gerade eine säkularisierte Welt, in der der Glaube an Christus aktiv vermittelt werden soll. Umfelder, in denen „Gläubige verspottet, bekämpft, verachtet oder bestenfalls geduldet und bemitleidet werden“ seien Orte, „die dringend der Mission bedürfen“, sagte der Papst bei seiner ersten Messe nach der Wahl. Leo XIV. scheut auch wohl überlegte, in der Gegenwart polarisierende Worte nicht, auch wenn er bislang jede Ansprache schriftlich vorbereitet hat. Gleichzeitig ist sein Stil eher zurückhaltend und ruhig, ein auffälliger Kontrast zum leutseligen Franziskus. Über Prevosts Führungsstil sagte Pedro Vásquez, Pfarrer der Diözese Chiclayo, in der Prevost von 2015 bis 2023 Bischof war: „Er ist sanft, aber wenn es ernst wird, fährt er seine Krallen aus.“

Der Papst gibt sich bisher volksnah
Der Papst gibt sich bisher volksnah © IMAGO/Riccardo Antimiani

„Die Kirche kann sich ihrerseits niemals ihrem Auftrag entziehen, die Wahrheit über den Menschen und die Welt auszusprechen, auch wenn sie, wenn nötig, zu einer deutlichen Sprache greift, die vielleicht ein anfängliches Unverständnis hervorruft“, sagte Leo XIV. vor den Diplomaten. Die Familie bestehe aus „der stabilen Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau“, bekräftigte er. Diese konservative Haltung, die ihn auch für Traditionalisten im Konklave wählbar machte, spiegelt sich auch in anderen Details wider. Nach seiner Wahl erschien der Papst mit dem traditionellen roten Schultermantel. Wie es heißt, wolle Prevost im Gegensatz zu seinem Vorgänger wieder im Apostolischen Palast wohnen.

 Robert Francis Prevost liegen die Armen am Herzen
 Robert Francis Prevost liegen die Armen am Herzen © AFP/Tiziana Fabi

Ein weiterer großer Schwerpunkt, ganz in Kontinuität mit seinem Vorgänger, liegt in Prevosts Sorge für Arme und Ausgegrenzte. „In dem Epochenwandel, den wir erleben, kann der Heilige Stuhl nicht umhin, seine Stimme angesichts der vielen Ungleichgewichte und Ungerechtigkeiten zu erheben, die unter anderem zu unwürdigen Arbeitsbedingungen und zunehmend fragmentierten und konfliktgeladenen Gesellschaften führen“, sagte der Papst und erwähnte dabei auch den Schutz von Einwanderern. In Fragen der Migration sind Meinungsverschiedenheiten mit der US-Regierung zu erwarten. Entsprechende Auseinandersetzungen könnten die ersten Jahre des Pontifikats prägen.