Kardinal Christoph Schönborn verlieh am Tag nach der Papstwahl seiner „riesigen Freude“ über eine schnelle Wahl und den neuen Papst Leo XIV. Ausdruck in einem einstündigen Pressegespräch. „Ich gestehe, ich habe nicht damit gerechnet, dass so schnell ein Ergebnis da sein wird“, sagte Schönborn, neben ihm war ein Foto des neuen Papstes am Balkon beim gestrigen Auftritt aufgestellt. Er habe auf ihn getippt und sei stolz auf seine Kardinalskollegen, „dass sie in so kurzer Zeit eine so klare Entscheidung treffen konnten“. Der Ausgang des Konklaves sei ein „starker, schöner Ausdruck für das, was das Papsttum und die Kirche selber charakterisiert“.

Schönborn beschreibt Leo XIV. als einen „sehr ruhigen, sehr klaren, sehr herzlichen, aber auch durchaus bestimmten“ Menschen. Dieser habe bereits gezeigt, dass er leiten kann und werde neue Akzente setzen. Der ehemalige Bischof sei „sehr zuhörend, aufmerksam. Ich glaube, es ist eine richtige Wahl“, ist sich Schönborn sicher.

Papst muss „Papst sein“

Das Papstamt dürfe man nicht monarchisch verstehen, sondern als „Ausdruck der Verbindung, der Einheit“. Schönborn will sich nicht festsetzen, ob der neue Pontifex „progressiv“ oder „konservativ“ sei, auf diese Kategorien komme es nicht an. Vielmehr sei der Papst ein Hirte. „Wie er zu den sogenannten heißen Eisen steht, kann ich nicht sagen.“

Schönborns größte Erwartung an den neuen Papst sei, „dass er Papst ist“. Er betonte, dass die Menschen am Petersplatz und auf der Weltbühne bereits über „Habemus Papam“ jubelten, bevor klar war, wer das Kirchenoberhaupt wird. Zentral sei weniger die Person selbst, sondern „die Rolle, die dieser Mensch wahrnimmt“. Alle Päpste seien sehr verschiedene Menschen, „keine Kopien. Aber sie haben eines gemeinsam: Sie sind der Papst“. Auch in der säkularen Welt gebe es eine „Faszination“ für den Papst.

Die Vorwürfe gegen den neuen Papst, er habe Missbrauchsvorwürfe vertuscht, könne Schönborn „nicht kommentieren“: „Ich kann dazu gar nichts sagen, weil ich das zum ersten Mal höre.“