Mehr Kohle, mehr Gas, mehr RodungSo hintertreiben die Staaten die Klima-Versprechungen

Nach dem Ende der 26. Weltklimakonferenz zeigt sich, dass entscheidende Staaten wie China, Brasilien oder Australien bislang nicht daran denken, ihre Politik an den Versprechungen auszurichten. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist groß.

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Ein Arbeiter auf einer Kohlemine in der chinesischen Provinz Datong © AFP (NOEL CELIS)
 

Es ist nicht so, dass die bisher vorliegenden Klima-Zusagen der Staaten ausreichen würden, die Erderwärmung auf unter 2 oder sogar auf unter 1,5 Grad Celsius einzubremsen, wie es vor sechs Jahren in Paris vereinbart wurde. Selbst wenn bis 2030 alle Versprechungen eingehalten würden, wäre am Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung um 2,4 Grad am wahrscheinlichsten, wie ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung errechnet hat. Doch wie es aussieht, ist nicht einmal das fix, im Gegenteil. Mehrere Schlüsselspieler der internationalen Klimapolitik denken bislang nicht daran, ihr Handeln an den eigenen Zusagen oder den mitgetragenen Beschlüssen der Weltklimakonferenzen auszurichten.

So hat China erst vor wenigen Tagen bei der 26. Weltklimakonferenz in Glasgow den Schlusstext akzeptiert, wonach die Kohlenutzung für das Erreichen der Klimaziele heruntergefahren werden muss. An sich keine revolutionäre Erkenntnis, doch neue Zahlen zeigen, dass China im Oktober so viel Kohle gefördert hat, wie in keinem Monat der vergangenen sechs Jahre. Etwas mehr als 357 Millionen Tonnen waren es demnach allein in diesem Monat, berichtet Reuters. Seit Jahresbeginn summiert sich der chinesische Kohlehaufen demnach auf ein Gesamtgewicht von rund 3,3 Milliarden Tonnen.

Zur Einordnung: Das Verbrennen dieser Kohlemenge verursacht einen CO2-Ausstoß von knapp 9 Milliarden Tonnen. Das wiederum entspricht rund dem 112-Fachen der jährlichen österreichischen Treibhausgasemissionen. Eine Änderung dieser Strategie zeichnet sich bislang nicht ab. Seit dem Sommer hat China die Erweiterung von 153 Kohleminen in die Wege geleitet. Angesichts dessen verdeutlicht sich, warum China neben Indien bei der Klimakonferenz darauf gedrängt hatte, die Kohle als Problemfeld gar nicht erst zu benennen.

Neues Mega-Gasfeld in Australien

Auch Australien wehrt sich seit Jahren dagegen, die fossilen Energieträger als Auslaufmodell anzuerkennen. Kurz vor der heurigen Klimakonferenz sagte der weltgrößte Kohleexportstaat dennoch zu, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Das aber scheint das Land keineswegs daran zu hindern, seine bisherige Politik nahtlos fortzusetzen. So plant das australische Unternehmen Woodside Petroleum, ein riesiges Gasfeld vor der Nordwestküste des Kontinents zu erschließen. 1,6 Milliarden Tonnen Treibhausgas könnten durch die Ausbeutung des Scarborough-Projects über die Jahre freigesetzt werden. Das alles unter dem Applaus des australischen Ressourcenministers Keith Pitt, der von einem „großen Vertrauensbeweis für den Sektor“ spricht: „Trotz der Behauptungen und Proteste von Aktivisten gibt es weiterhin eine glänzende Zukunft für unsere Gas- und Ölindustrie.“

Brasilien entwaldet wie lange nicht

Weiteres Beispiel: Neben mehr als hundert weiteren Staaten hat sich Brasilien in Glasgow dem feierlich präsentierten Waldschutz-Pakt angeschlossen. Formuliertes Ziel: Die Entwaldung soll gebremst und bis zum Jahr 2030 vollständig gestoppt werden. Nun liegen die aktuellen, durch Satellitenbilder ermittelten Zahlen aus dem Amazonas-Staat vor, der die mit Abstand größte Regenwaldfläche der Welt beherbergt. Demnach wurde von August 2020 bis Juli 2021 so viel Primärwald vernichtet wie zuletzt vor 15 Jahren. 13.235 Quadratkilometer Waldfläche sind für immer verloren gegangen - das entspricht mehr als der Fläche Tirols.

Dramatische Folgen

Ohne Gegensteuern bewegt sich die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von mehr als 3 bis 4 Grad Celsius zu, heißt es im jüngsten, heuer erschienenen Bericht des Weltklimarats IPCC. Die Oberflächen der Ozeane würden dann um bis zu einen Meter höher liegen als heute, weite Teile Europas, Asiens und Afrikas wären von Dürren und Überschwemmungen betroffen. All diese Entwicklungen wären nicht mehr rückgängig zu machen.


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Kommentare (2)
scionescio
0
4
Lesenswert?

Ist doch alles kein Problem…

… die Gewessler wird es schon richten: wir zahlen einfach noch mehr CO2 Steuern und bauen gar keine Straßen mehr und schon retten wir die Welt im Alleingang… oder vielleicht doch nicht?

zweigerl
8
9
Lesenswert?

Zeigefinger

Bevor man einen dicken Zeigefinger bekommt, sei daran erinnert, dass in unserem schönen Österreich Tiere und Pflanzen rasant verschwinden aufgrund der größten Dichte an Einkaufszentren und des engmaschigsten Verkehrsnetzes Europas (Stimmt: Monaco hat ein noch engeres). Natürlich ändert das nichts daran, dass Bolsanero inhaftiert gehört, bevor er das komplette Niederbrennen des Regenwaldes anordnet.