Sorgen in EuropaDelta-Variante befällt immer mehr Kinder und einmal Geimpfte

Das Coronavirus breitet sich unter britischen Schülern rasant aus, verantwortlich ist die auch hierzulande stark zunehmende "Delta-Variante". Auch die Zahlen aus Israel bereiten Sorgen – obwohl dort viele Menschen geimpft sind.

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Großbritannien: 70 Prozent mehr Fünf- bis Neunjährige infiziert © Taylor Brandon / Unsplash.com
 

In der Woche zum 20. Juni sei die Zahl der infizierten Fünf- bis Neunjährigen im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen, bei den Zehn- bis 14-Jährigen sei es ein Plus von 56 Prozent, berichtete die  "Sunday Times" unter Berufung auf Zahlen der Gesundheitsbehörde Public Health.

Grund für die rasche Ausbreitung sei die hoch ansteckende Delta-Variante, berichtete die Zeitung. Der Co-Generalsekretär der Lehrergewerkschaft National Education Union, Kevin Courtney, warnte vor einer Vervielfachung der Fälle. Steve Chalke von der Wohltätigkeitsorganisation Oasis Trust sagte, Schulen seien "Inkubationszentren für die neue Delta-Variante". "Der Trend in Schulen zeigt seit drei Wochen nach oben. Wir haben offensichtlich noch nicht die Spitze dieser dritten Welle erreicht", sagte Chalke.

Hintergrund

Großbritannien entwickelt sich immer mehr zum Sorgenkind der Pandemie in Europa. Am Samstag stieg die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf den höchsten Stand seit mehr als vier Monaten.

Die Behörden meldeten 18.270 neue Fälle - rund 2400 mehr als am Vortag und so viele wie seit dem 5. Februar nicht mehr. Im Vergleich zum vorigen Samstag hat sich die Zahl fast verdoppelt.

Eltern kritisieren zunehmend die Strategie der Regierung, bei positiven Corona-Selbsttests die ganze Klasse für zehn Tage in Selbstisolation zu schicken. Zehntausende gesunde Kinder würden deshalb den Unterricht versäumen. Befürworter der Praxis weisen indes darauf hin, dass nur 15 Prozent der Eltern ihre Kinder regelmäßig testen. Gewerkschaften fordern eine Beibehaltung der Maskenpflicht sowie eine bessere Belüftung für Schulklassen. Schulleiter hoffen auf eine baldige Entscheidung zugunsten einer Impfung von Kindern.

Auch Israel kämpft trotz hoher Impfzahlen mit der Delta-Variante

Gut 55 Prozent der 9,3 Millionen Israelis sind bereits gegen das Coronavirus geimpft. Doch seit rund einer Woche steigen die Zahlen der registrierten Neuinfektionen in dem Mittelmeerland deutlich an. Viele haben sich dabei mit der aggressiveren Delta-Variante angesteckt. Das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie im deutschen Bremen zeigte sich angesichts der Entwicklung in Israel am Wochenende beunruhigt.

Es sei "in der Tat besorgniserregend", wenn trotz der hohen Impfquote "mit einem sehr gut wirksamen Impfstoff wieder Ausbrüche stattfinden", sagte der Epidemiologe Hajo Zeeb. Noch Mitte Juni wurden in Israel Corona-Neuinfektionen landesweit nur noch im einstelligen Bereich registriert. Die Regierung schaffte darauf fast alle Einschränkungen ab. Für viele Israelis fühlte es sich an, als gehöre die Corona-Pandemie der Vergangenheit an. Doch vor rund einer Woche wurden erstmals seit April wieder mehr als 100 Neuinfektionen pro Tag nachgewiesen. Am Donnerstag stieg die gemeldete Zahl auf 227. Am Samstag lag sie bei 113, allerdings wurde dabei deutlich weniger getestet.

Nach Untersuchungen des israelischen Gesundheitsministeriums haben rund 90 Prozent der Neuinfizierten die aggressivere Delta-Variante - und rund die Hälfte ist geimpft. Die Variante wurde zuerst in Indien nachgewiesen. Die meisten der Infizierten sind auch dort Kinder.

Österreich: Experte würde Testpflicht erst ab 2. Stich erlassen

Trotz insgesamt niedriger Covid-19-Infektionszahlen gewinnt der Anteil der erstmals in Indien nachgewiesenen Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus hierzulande an Boden. Mit Blick in Richtung Herbst müsse man alles tun, um die Infektionen mit der ansteckenderen Variante niedrig zu halten und das "Wettrennen mit der Impfung zu gewinnen", so der Molekularbiologe Ulrich Elling zur APA. Die Testpflicht sollte daher für alle, die noch keine Zweitimpfung haben, aufrecht bleiben.

Der am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätige Forscher ist zusammen mit Kollegen um Luisa Cochella vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) Teil des Coronavirus-Variantenüberwachungsteams durch Viren-Erbgutanalysen. Laut Zahlen aus der Vorwoche liegt der Delta-Anteil unter den Neuinfektionen bei rund 25 Prozent, die Entwicklung lasse darauf schließen, dass die deutlich ansteckendere Variante schon in den nächsten Wochen dominant wird, so Elling.

Es sei davon auszugehen, dass die Erstimpfung gegen eine Delta-Infektion nicht in vollem Umfang schützt. Daher müsse alles getan werden, dass bis zum Herbst die Durchimpfungsrate hoch ist und sich tunlichst alle auch den zweiten Stich holen. Überdies müsse man verhindern, dass einmal Geimpfte andere anstecken. Diese Gruppe nach einer gewissen Zeitspanne aus der Testpflicht zu entlassen, sollte angesichts dieser Situation zurückgenommen werden, betonte Elling, der darauf verweist, dass das Nationale Impfgremium (NIG) erst kürzlich die Impfintervalle verkürzt hat. Das weise von der Idee her in die gleiche Richtung. Auch eine Diskussion um eine Impfpflicht könne man mit Blick über den Sommer hinaus durchaus führen, meint der Wissenschafter.

Vor einer breiteren Eskalation schützen Österreich aber zum Glück aktuell einige Faktoren, wie die schon beträchtliche Impfrate, die hohe Impfstoffverfügbarkeit, der größer als erhoffe saisonale Effekt und die vor der Tür stehenden Schulferien. Immerhin betreffen die stark steigenden Delta-Zahlen in Großbritannien vielfach junge Menschen.

Die Ferienzeit betrachtet Elling aber auch als "schlecht kontrolliertes Fenster, denn wir werden erst wissen, was die Menschen aus dem Urlaub mitbringen, wenn sie wieder da sind." Die nächsten Varianten werden nicht mehr wie Alpha, Beta, Gamma und Delta aus dem ursprünglichen "Wildtyp" entstehen, da dieser völlig abgemeldet ist. Es sei klar, dass neue Abkömmlinge aus schon ansteckenderen Varianten auch immer infektiöser werden. Für Elling sollte daher jeder Urlaubsrückkehrer einen PCR-Test machen.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (22)
lucas200497
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Delta

Langsam reicht es mit dieser Panikmache

MuskeTiere4
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"Der freie Markt oder das Virus wird sich (schon) selbst regulieren"

Das klingt in all den Kommentaren dazu an, deren Schreiber davon ausgehen, dass alle Menschen schon selbst (und für sich selbst?) wissen, was gut für sie selbst ist. Jedes Mitdenken des, bzw. ans "Wir" ist für diese schon eine Beschneidung ihrer (individuellen) Freiheit. Um die Freiheit an sich, die allen gleichermaßen zusteht, geht es dabei weniger.
Individuelle Verantwortung wird gegen die parallel dazu Verantwortung allen gegenüber ausgespielt. Derzeit könnten die Kinder und Jugendlichen zur Risikogruppe "mutieren" .
EM-Mannschaften, die nicht überwiegend gemeinsam als Team agieren, sind anfälliger dafür rauszufliegen aus dem Erfolg, wie es die Franzosen gestern in ihren K. O. Spiel vorgezeigt haben.
Gesellschaften, die es nicht begreifen (können), dass man gegen die inzwischen mutierte ansteckendere Virus-Familie, nur gemeinsam ankommen wird, fördern das baldige böse Erwachen. Unsere Fußball-EM-Mannschaft hat uns vorgezeigt, dass Aufgeben vor dem Schlusspfiff keine Option ist!

Ogolius
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Aber Österreich..

setzt auf erweiterten Freiraum. Vor allem in Pflegeheimen gibt es viele der bereits zweimal geimpften Bewohner ohne Antikörper! Es wäre dringend anzuraten, entsprechende weitere Impfungen vorzunehmen, um eine Dynamik hintanzuhalten, die sicher niemand will…

sakh2000
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Es hilft ja nichts wenn alle Österreicher zu Hause urlauben,

wir sind 1. ein Durchzugsland (mitten in Europa) und 2. (viel wichtiger) ein Tourismusland. Sämtliche Varianten von Viren werden ja schon von den Touris miteingeschleppt!

zweigerl
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Es zeichnet sich das Ende der Globalisierung ab

Andernfalls werden wir dank der globalisierten Totalmobilität irgendwann bei der Zeta (=Nordpol)-Variante landen, von der vor allem Babies bedroht sind. Hören wir auf damit, die existenzielle Erfüllung im Grenzüberschreiten zu finden.

melahide
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Deshalb

find ich es ganz wichtig, dass die Menschen jetzt alle brav auf Urlaub fahren. Waren ja so arm und so lang daheim. Also. Auf nach Südafrika, Thailand, USA, ein paar fahren sogar nach Russland und Indien. Ausschwärmen, sämtliche Mutationen der Welt mit heim bringen. Und dann alle Veranstaltungen aufmachen, ohne Beschränkungen zwecks Bequemlichkeit warat‘s! Und dort brav verbreiten. Und natürlich viel Fliegen, Kreuzfahrten buchen, usw weil Klinawandel ist auch nicht genug fortgeschritten.

VH7F
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Alles umsonst geimpft?

Den Kindern kann das Virus eh fast nichts anhaben? Delta hat ja einen viel milderen Verlauf?

GanzObjektivGesehen
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Für die 2 Fragezeichen gibt es den Daumen nach oben !

checker43
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Delta

hat keinen milderen Verlauf.

Notschik
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Und wie viele

... dieser infizierten Personen/Kinder werden krank?.... Schwer krank?..... brauchen intensiv medizinische Behandlung????

erstdenkendannsprechen
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da geht es um die

vermeidung der weiteren ausbreitung.

checker43
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Sie

können die Ausbreitung zulassen, das unterstützt neue Mutationen. Vielleicht auch eine, die auch Kinder schwer krank macht.

Rinder
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Delta Variante

Heute kein politisches Thema zum Aufregen und Angst machen gefunden. Schon greift man wieder auf eine mögliche Pandemie zurück. Kehr im Journalismus wieder zur Sachlichkeit und Seriosität zurück.

hkgerhard
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Genau so ist es

wieder wird mit den Menschen politisch gespielt.

freeman666
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Die Überschrift des Artikels suggeriert, dass geimpfte Personen verstärkt vom Delta Typus infiziert werden.

Ist natürlich journalistischer Kokolores.

Carlo62
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Sekundärer Analphabetismus ist,

wenn man zwar lesen kann, das Gelesene aber nicht versteht.

umo10
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In Israel sind mehr als 100 neuinfizierte

90% Deltavariante =90; der Großteil Kinder = nicht geimpft; und 50% der Bevölkerung ist erst geimpft; die Wahrscheinlichkeit, das ein geimpfter erwachsener sich wieder ansteckt ist äußerst gering und das Immunsystem vorgewarnt, sodass keiner mehr auf die Intensivstation muss

erstdenkendannsprechen
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ich würde ein bisschen vorsichtiger sein

und die zahlen in großbritannien abwarten.

umo10
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Getürkte AstraZeneca Zahlen

;-)

Giuseppe08
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@umo

Genau lesen. 50% der Neuinfizierten sind geimpft! Was hilft die bisherige Impfung, wenn die Hälfte sich wieder ansteckt?

griesserw
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Guiseppe

Genau. Es gibt laufend Todesfälle bei Autounfällen, die angeschnallt waren. Deshalb schnallt man sich am besten nicht mehr an. Oder wie soll man Ihren Kommentar verstehen?

knapp
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@seppe

Die Impfung schützt ja nicht vor der Ansteckung, sondern vor schweren Erkrankungen.