Bewährungsprobe OsternExpertenstudie: "...sonst droht der Zusammenbruch des Gesundheitssystems"

Eine wissenschaftliche Studie der Uni Wien malt ein düsteres Zukunftsbild, sollte die Infektionszahl zu Ostern in die Höhe schnellen.

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THEMENBILD: OSTERN / OSTEREIER / PALMBUSCHEN /HANDWERK
© APA/BARBARA GINDL
 

Das nahende Osterfest wird für die Bevölkerung zur großen Bewährungsprobe und existenziellen Verzichtsübung. Auf diesen Nenner lässt sich eine Expertenstudie der Universität Wien bringen, die der Regierung als Entscheidungsgrundlage dient und der Kleinen Zeitung vorliegt. In der mehrseitigen Expertise, datiert vom 30. März, wird gleich im ersten Absatz unter dem Titel „Fakten“ Klartext gesprochen. Es geht um die Abwehr Tausender Todesopfer.

Wie viele werden angesteckt?

Dreh- und Angelpunkt für die Einschätzung der Wissenschaftler ist der Replikationsfaktor (R0). Er beziffert die Anzahl von Personen, die ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Noch vor wenigen Tagen betrug diese Zahl 1,7, das entsprach einem Anstieg der (getesteten) Infektionen von 14 Prozent. Die Steigerung konnte zwar auf unter 10 Prozent gedrosselt werden, die Lage bleibt aber „hoch sensitiv“, wie es ein Mitglied des Krisenstabs ausdrückte. Erlitte das Land durch gelockerte Zügel in der Karwoche einen Rückschlag, hätte dies dramatische Folgen.

Die Studie zum Download

Wörtlich heißt es in der Studie: „Wenn es nicht gelingt, den Faktor R0 unter den Wert von 1 zu drücken, sind in Österreich Zehntausende Tote und ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu erwarten.“ Das käme italienischen Verhältnissen gleich. Zwar bewegt sich Österreich von ihnen weg, bleibt aber an der Peripherie der Gefahrenzone. „Es ist eine zittrige Zuversicht spürbar, bei viel Ungewissheit“, beschrieb ein Insider die fragile Lage.

Unschärfen

Knapp über 11.000 Personen waren gestern als infiziert gemeldet (plus 7 Prozent), 230 befanden sich in Intensivstationen (plus 5 Prozent), 158 ließen bisher ihr Leben (plus 16 Prozent). Sie starben an oder mit Corona. Auch da bleiben die Unschärfen.

Der Replikationsfaktor liegt damit bei knapp über 1, nah an der Zielmarke. Bliebe er dort eingefroren, käme man mit den vorhandenen Intensivkapazitäten (2500 Betten) zurande. Dieses optimistische Szenario, unterlegt mit dem Konjunktiv, würde noch immer 6000 Todesfälle bis zum Spätherbst bedeuten. Die Prognose geht aus Berechnungen der Studie hervor, als milde Möglichkeitsform des Schreckens, der jederzeit ins Monströse kippen könne.

Der Kippeffekt

Dieser Kippeffekt ist es, der im Expertenstab der Regierung im Vorfeld der Feiertage bange Gefühle hervorruft. Zwar zeigen die Bewegungsprofile eine anhaltend hohe Rückzugsquote von 95 Prozent, man befürchtet aber ein „österliches Ausbrechen“ durch den Sog des christlichen Festes, das auch in der religiös entkernten Form ein Fest der Familien, des Brauchtums und des Naturerlebnisses geblieben ist. Gegen diese Anziehungskraft müssen jetzt die offiziellen Mahnungen in Stellung gebracht werden. In Regierungskreisen griff man zu Metaphern aus der Militärsprache: Man setze alles daran, „die Moral der Truppe“ aufrechtzuerhalten. Die Truppe, das ist das loyale Heer der Bürger, die Moral, das sind Gemeinsinn und Vernunft.

Keine Familientreffen!

Auf beide Tugenden will man die Bevölkerung einschwören: Keine Familientreffen! Keine Ausflüge! Die Autoren der Studie plädieren dafür, an den Maßnahmen nicht nur festzuhalten, sondern sie zu verschärfen. Die Vorschläge: strenge Kontrolle der Supermarktkunden durch Sicherheitskräfte, systematisches Testen des medizinischen Personals und Tracking (Nachzeichnen) der Kontakte von Infizierten mittels Handydaten.

Wenig Vorfreude löst in der Regierung die Wetterprognose aus. Es soll frühsommerlich warm werden: erschwerte Bedingungen für die große österliche Bewährungsprobe.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (40)
pescador
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.

Leute, das darf doch nicht wahr sein! Man muss doch von einem erwachsenen Menschen erwarten können, dass er sich ein paar Wochen und auch zu Ostern an die Maßnahmen hält! Dieses herum eiern und quengeln geht echt auf die Nerven. Manche verhalten sich wie Kinder in der Trotzphase. Reißt euch zusammen und bleibt zu Hause!!

kontrolle1
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Einwohnerzahl

Eines verstehe ich an der Studie allerdings nicht. Bei einem täglichen Zuwachs der Neuinfektionen von 14% wären in weniger als zwei Monaten sämtliche Österreicher infiziert. Das wird aber offensichtlich in der Studie nicht berücksichtigt.

Ähnlich verhält es sich bei einer Steigerung von 7% in ca. 3 1/2 Monaten.

stadtkater
9
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Die Zeiten vor Corona

werden nie mehr wiederkommen, die sind endgültig vorbei.

NEUE Normalität wird das was kommt jetzt genannt und das lässt nichts Gutes erwarten.

A6TLUK0I30K939HI
2
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"Ein weniger ist mehr" muss unweigerlich gelebt werden "ohne wenn und aber" !!

Da braucht garnicht herumlamentiert werden, mit g'sundem Verstand ergiben sich die Lösungen und deren Auswirkungen von selbst, da heißt's einfach "einer für alle und alle für einen" !
Gemeinsam ist man stark da eine "ICH - Gesellschaft" null potentielle und effiziente Ergebnisse bringen kann !!

Maria.Moser
6
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Was es braucht ist Perspektive

Ich glaube, Rendi-Wagner hat einen wichtigen Punkt angesprochen. Die Menschen brauchen eine Perspektive, ein Austrittsszenario zurück zur Normalität. Wenn auch kein Zeitpunkt dafür genannt werden kann, so doch ein Plan, welche Maßnahmen wie und in welcher Reihenfolge zurückgenommen werden. Ich glaube, das würde das Durchhaltevermögen und die Disziplin mehr stärken als immer strengere und vehementere Strafandrohungen. So wie es jetzt ist, so komplett ohne Ausblick bzw. Einblick in die Pläne, fürchte ich, wird bald ein Ermüdungseffekt eintreten, der der Disziplin schadet. Was meint ihr?

chh
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Sie haben recht...

es braucht eine Perspektive. Und die gibt's inzw. ja auch schon. Siehe Ticker

vandiemen
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Ausgangssperre Ostern!

Während und der Osterfeiertage würde ich eine Ausgangssperre verhängen. Das gilt für sämtliche christliche Religionen. Denn die Ostkirche feiert Ostern etwas später. Die Versuchung wird groß sein , dass man dann doch mit den liebsten schnell eine Osterjause genehmigt. Der eine oder ander trinkt dann doch ein Bier beim Nachbarn der 3 Häuser weiterwohnt.

wiesengasse10
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Klartext ist wichtig !!

Ich denke an die gestrige Sendung "Steiermark heute" zurück. Thema: der Bau (zumindest Kleinbaustellen) solle (unter Einhaltung von Bestimmungen) weiterarbeiten dürfen. Ein Beispiel wurde gefilmt und gezeigt: 3 Bauarbeiter machen Arbeiten an der Terrasse eine schon bewohnten Einfamilienhauses. Auch Muchitsch sprach sich vehement dafür aus, gezeigt wurde dann auch das vorhandene Desinfektionsmittel für die Hände. Der Bericht endete dann mit dem Bild: Bauarbeiter und Hausbesitzerin, beide mit Masken, über den Gartentisch gebeugt, beim offensichtlichen Besprechen eines Bauplanes. Abstand zueinander: 30 Zentimeter !!! Aber Masken hatten sie auf. Und der ORF sendet das !!

Stubaital
9
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Zukunft

Derzeit wird alles unternommen, um eine rasche Eindämmung herbeizuführen. Es gibt leider noch immer Menschen, die alles ignorieren und schlecht reden.
Auf ein Leben, wie es vor der Krise war, müssen wir noch lange warten. Nur ein passendes Medikament und eine Impfung kann dieses Leben wieder auf normale Bahnen bringen.
Das heisst, es wird keine Massenveranstaltungen ( Konzerte, Fußballspiele, Feste etc. ) geben.
Auf das müssen sich die Menschen vor allem in diesem Jahr einstellen.
In diesem Sinne bleibt alle gesund und helft bei der Umsetzung mit.

schetzgo
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1500-2000 Tote Jahr für Jahr durch Grippe

Medikamente und Impfung vorhanden, Durchimpfungsrate ca 10%.
Durch Krankenhauskeime sterben jedes Jahr 5000 Leute, das wird mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen.
Die KleineZeitung schreibt heute auf Seite 2 von 10.000en Toten in diesem Land, unverantwortlicherweise...
wann erfolgt endlich deine Abrüstung der Worte???

KleineZeitung
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Titelbild/Titelseite

Lieber User, die Titelseite beschreibt neben dem Schreckenszenario auch das Hoffnungsszenario, wenn der Replikationsfaktor unter 1 (Anzahl der Personen, die eine infizierte Person ansteckt) sinkt. Wie Bundespräsident Alexander van der Bellen in seiner Rede betonte, liegt die Bewältigung der Epidemie an jedem von uns.

Mein Graz
11
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@schetzgo

Ja, es gibt jede Menge Todesfälle.
Müssen deshalb jetzt zusätzliche in Kauf genommen werden?
Muss die Möglichkeit, dass es bei Nichteinhaltung der Regeln so weit kommen kann verschwiegen werden?

SagServus
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1500-2000 Tote Jahr für Jahr durch Grippe Medikamente und Impfung vorhanden, Durchimpfungsrate ca 10%.

ja, und jetzt vergleichens das mit der jetzigen Situation wo es keine Medikamente, keine Impfung und somit keine Durchimpfungsrate gibt.

Ist es so schwer zu verstehen, dass die jetzige Situation für die Intensivmedizin schwerwiegender ist wie während einer Grippesaison?

tannenbaum
26
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Was

ist damit gemeint - Strenge Kontrolle der Supermarktkunden durch Sicherheitskräfte? Polizeistaat, oder was?

GordonKelz
18
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OPFERN SIE NICHT IHR EINMALIGES.....

....LEBEN für einmal Ostern! Es könnte sonst das LETZTE OSTERN für Sie gewesen sein!
Gordon Kelz

AndiK
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Als nächstes

kommen dann Straßensperren u Schießbefehl

Lepus52
3
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Horrorfilme

schaden dem eigenen Urteilsvermögen. Schade, dass trotz Zugang zu allen Informationen, jene die Märchen ähnlich sind, eher geglaubt werden als reale. Mathematisch berechenbare und nachvollziehbare werden angezweifelt und Blödsinn verbreitet. Ja, für manche ist die Erde noch eine Scheibe und sie beten, damit die Sonne nicht vom Himmel fällt.

Gotti1958
10
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Andik

Du solltest ein anderes Kraut rauchen. Dein jetziger Stoff regt bei dir zu viele Halluzinationen an.

lapinkultaIII
23
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Entweder....

.... diese Studie wurde an der BoKu erstellt oder sie wurden von den Zeitungsredakteuren falsch interpretiert.

So ein Schreckensszenario zu zeichnen, ohne einen Trend zu berücksichtigen - die Neuinfektionen sind seit Tagen rückläufig - ist unseriös.

Wenigstens ist der Teil mit "Ostern wird Bewährungsprobe" korrekt.

KleineZeitung
5
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Schreckensszenario

Lieber Leser, die heutige Generationen wurde noch nie vor Herausforderungen einer solchen Pandemie gestellt, die in das medizinische, soziale und wirtschaftliche System so massiv eingreift. Jeder in Österreich ist in unterschiedlicher Weise davon betroffen.

Wir sind tagtäglich bemüht, unseren Lesern Berichterstattung ohne Panikmache, aber auch ohne Beschönigung zu bieten. Ängste zu schüren liegt uns fern, die Fakten sind schon dramatisch genug.

mobile49
0
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leider wollen viele nur das akzeptieren , was sie selbst für richtig halten

und menschen , welche schon ein problem bekommen , wenn sie unter akne leiden , glauben jetzt den stein der weisen gefunden zu haben .
jemand , der keine ahnung vom klinikalltag , von medikation , von der gefährlichkeit von krankheitserregern und ihren möglichen und tatsächlichen mutationen etc. hat , sollte sich bitte selbst in die schranken weisen und schweigen
punkt

DANKE der Kleinen Zeitung für ihre umfassende berichterstattung und der GEDULD

DANK an alle SYSTHEMERHALTER ----ihr seid großartig !

SagServus
4
22
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So ein Schreckensszenario zu zeichnen, ohne einen Trend zu berücksichtigen - die Neuinfektionen sind seit Tagen rückläufig - ist unseriös.

Hat nicht unter anderem die Kleine Zeitung vor ein paar Tagen bzw. letzte Woche ein Statistik Modell gezeigt wie sich die Infektionszahlen verhalten wenn man a.) nach Ostern Schulen und Büros wieder öffnet, b.) nur die Büros öffnet und c.) nach Ostern so weitermacht wie bis her (damals noch ohne Maskenpflicht)?

Und das Variante a.) trotz dem jetzigen Trend zu einem massiven Anstieg von Neuinfektionen führen würde und die Kurve wieder steil nach oben gehen würde?

wkarne2
76
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Schön langsam recht es!!

Ich glaube das ich jeder der Situation bewusst ist. Wenn man rausgeht sehe nur mehr Leute die extrem vorsichtig und verängstigt sind.

Hört jetzt mal auf nur noch weitere Angst zu verbreiten. Wo soll das hinführen.

Mr.T
55
17
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Wo das hinführen soll?


Zu höheren Umfragewerten für die ÖVP... das ist das Ziel!

unfassbar
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Sie haben

gerade gelesen, wohin es führt, wenn es NICHT befolgt wird ....!!!
Anscheinend gibt es noch immer zuviele Realitätsverweigerer.

henslgretl
8
50
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Man

muss Klartext sprechen mit den Menschen. In meinem Umfeld beobachte ich leider noch einige, die immer noch denken, dass alles übertrieben sei. Wir als Kollektiv haben es in der Hand!!! Und da braucht es klare Worte.

 
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