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Corona-VirusAmerika wird zum globalen Epizentrum

Fast 86.000 Fälle - Brennpunkte New York und New Orleans - Studie: Über 81.000 Tote in USA binnen vier Monaten möglich.

© APA/AFP/CHANDAN KHANNA
 

Weltweit sind die USA jetzt das Land mit den meisten gemeldeten Coronavirus-Infektionen. Die Behörden haben dort inzwischen fast 86.000 Fälle erfasst. Die USA überholten damit China, wo die Krankheit im Dezember erstmals auftrat. Bis Freitag wurden nach Angaben der Johns Hopkins Universität knapp 81.900 Fälle gemeldet. An dritter Stelle folgt Italien mit 80.600 Infektionen.

Die Statistik schürt Skepsis, ob das 2,2 Billionen Dollar schwere staatliche Konjunkturpaket ausreicht, um die ökonomischen Folgen in der weltgrößten Volkswirtschaft ausreichend abzufedern. Noch vor der spätestens für Samstag angepeilten endgültigen Abstimmung im Kongress über die Finanzhilfen gab sich die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, überzeugt, dass zur Bekämpfung des Virus noch mehr Geld nötig sein werde.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits gewarnt, die USA könnten das globale Zentrum der Pandemie werden. Zwar sind mit etwa 1.260 Menschen bisher deutlich weniger Corona-Patienten in den USA gestorben als etwa in Italien mit 8.215 Toten. Doch eine aktuelle Studie der University of Washington verweist darauf, dass die Zahl der Todesopfer in den USA in den kommenden vier Monaten auf mehr als 81.000 steigen könnte. Manche Schätzungen gingen sogar von der doppelten Zahl aus, andere dagegen von 38.000 Todesopfern, sagte Studienleiter Christopher Murray. Die große Abweichung begründete er damit, dass die unterschiedlich schnelle Ausbreitung des Virus in verschiedenen Regionen den Forschern Rätsel aufgebe.

Während Präsident Donald Trump dennoch weiter Zuversicht verbreitete, die Krise bis zum Sommer überwunden zu haben, schlugen mehrere lokale Behörden und Bundesstaaten angesichts mangelhafter Ausstattung der Krankenhäuser Alarm. "Jedes realistische Szenario wird die Kapazität des Gesundheitssystems überwältigen", sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Das Ausmaß fehlender Beatmungsgeräte sei "astronomisch". Es sei nicht so, dass die Apparate in irgendeiner Lagerhalle bereitstünden. Es gebe schlichtweg keine Bestände.

New York besonders betroffen

In einigen Krankenhäusern in New York begannen die Ärzte aus der Not heraus zu erproben, ob ein einzelnes Beatmungsgerät womöglich zwei Patienten versorgen könnte. Die Metropole ist derzeit das Epizentrum der Pandemie in den USA, doch schon zeichnet sich ab, dass es in Louisiana etwa 2.000 Kilometer südwestlich ähnlich schlimm werden könnte. Gouverneur John Bel Edwards sagte, die Beatmungsgeräte reichten noch bis zum 2. April, die Bettenkapazität in den Kliniken dürfte fünf Tage später erschöpft sein, wenn die Ansteckungskurve nicht bald abflache.

Trump sagte, er gehe davon aus, dass die USA die Virus-Krise bis spätestens August überwunden hätten. Dann ist der Parteitag seiner republikanischen Partei geplant, mit dem er offiziell den Kampf um seine Wiederwahl im November einläuten will. "Wir werden nicht absagen", betonte Trump in einem Interview des Senders Fox News. "Ich glaube, dass wir schon lange vorher in großartiger Form sein werden." Trump und seine Krisenberater hatten am 16. März Einschränkungen des öffentlichen Lebens angewiesen, um das Virus unter Kontrolle zu bringen. Die Maßnahmen sollten zunächst 15 Tage, also bis Ende März, gelten. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, zu lange gezögert zu haben, doch Umfragen zufolge kommt sein Krisenmanagement bei vielen Amerikanern auch gut an.

Längst aber zeigen sich vielerorts die verheerenden wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Tausende Unternehmen und Geschäfte mussten schließen oder ihren Betrieb zurückfahren. Der Job-Markt stürzte vom Boom in die Krise. Allein in der vergangenen Woche wurden in den USA 3,28 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt - so viele wie nie zuvor auf einen Schlag.

Gegensteuern will Washington mit dem größten Konjunkturpaket in der Geschichte des Landes zur Unterstützung von Millionen Familien, Unternehmen und dem Gesundheitssystem. Der Senat gab bereits grünes Licht. Das Repräsentantenhaus wollte am Freitagvormittag (14.00 Uhr MEZ) zusammenkommen. Die Vorsitzende Demokratin Pelosi sagte, sie wolle ein rasches Abstimmungsverfahren ermöglichen. Zunächst war aber eine Aussprache geplant. Auch über die Abstimmungsmodalitäten herrschte wegen der Abwesenheit zahlreicher Abgeordneter aufgrund der Pandemie noch Unklarheit. Allgemein wurde aber damit gerechnet, dass das Paket spätestens bis Samstag verabschiedet sein werde. Trump hat zugesagt, es anschließend mit seiner Unterschrift umgehend in Kraft zu setzen.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

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