Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

CoronavirusEin Experiment mit fast acht Milliarden Menschen

Expertenmeinungen zum Pandemie-Marathon, den verschiedenen Maßnahmen und den möglichen Langzeitfolgen.

© APA/AFP/Fadel Senna
 

Experten hatten davor gewarnt. Seit Jahren immer wieder. Nun ist er da, der nächste weltumspannende Seuchenerreger. Und das mit solcher Macht, dass viele Staatschefs von einem "Krieg" sprechen.

Seit etwa drei Monaten breitet sich das neuartige Coronavirus aus - und noch stehen wir am Anfang der Pandemie. "Wir sind im Pandemie-Marathon bei Kilometer zwei von 42", sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. "China ist etwa bei Kilometer zehn."

Dass ein winziger Partikel menschliche Gesellschaften auszuhebeln vermag, können viele noch immer kaum fassen. "Seuchen sind historisch der Normalzustand", betont Karl-Heinz Leven vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg.

Gegenwärtig gelte die Strategie "Hammer und Tanz" in Fachkreisen als effektivste, sagt Alena Buyx vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der TU München. Am Anfang stünden drastische Maßnahmen, um den Anstieg zu verlangsamen. Anschließend folge der sogenannte Tanz - eine Phase, in der man schrittweise zu normaleren Verhaltensweisen zurückkehre.

Der Effekt von Maßnahmen werde jeweils nach zehn bis 14 Tagen bei den Fallzahlen sichtbar, erläutert Schmidt-Chanasit. "Man wird als erstes die Stellschrauben lockern, die entscheidend für die Versorgungssicherheit sind." Dazu zähle die Öffnung von Schulen und Kitas. "Ganz ganz zum Schluss kommen der Fußball und andere Spaßveranstaltungen."

Das Zurückfahren des weltweiten Lockdowns könnte sich über lange Zeit erstrecken. "Solange nicht ein großer Teil der Bevölkerung immun ist, kann sich das Virus ja nach wie vor ausbreiten", sagt Mirjam Kretzschmar von der Universitätsmedizin Utrecht. "Sobald die Maßnahmen gelockert sind, geht die Reproduktionszahl wieder auf den ursprünglichen Wert zurück und die Ausbreitung verläuft wie vor den Maßnahmen. Das ändert sich erst, wenn ein substanzieller Teil der Bevölkerung immun geworden ist."

Ausblick auf die nächsten Wochen

Die für ein natürliches Abflauen nötige Durchseuchung von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung werde nicht in diesem Jahr erreicht, sagt Schmidt-Chanasit. Umso wichtiger ist, die medizinische Infrastruktur rasch auszubauen - etwa mit mehr Intensivbetten und Beatmungsgeräten. Denn die Strategie "Hammer und Tanz" mag vor einer Überlastung der Gesundheitssysteme schützen, hat auf Dauer aber immense soziale und ökonomische Folgen. Obwohl scharfe Maßnahmen wie Ausgangsverbote in vielen Ländern erst seit Tagen gelten, mehren sich kritische Stimmen.

"Die Rettung von Menschenleben geschieht zu einem hohen wirtschaftlichen Preis", sagt Philipp Osten vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Hamburger Universitätsklinikum UKE. Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte bekannt ist, meinen Fachleute.

Das wiederum könne die Zahl der Todesfälle im Zuge von Depressionen, Verarmung, sozialen Verwerfungen, häuslicher Gewalt oder auch Herzinfarkten steigen lassen, fürchten Experten. Auch die derzeit aufgeschobenen OPs sind ein Faktor. "Die Maßnahmen gegen Corona dürfen nicht mehr Menschenleben kosten als Corona selbst", sagt Schmidt-Chanasit. "Da ist ein vernünftiges Augenmaß wichtig."


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (10)

Kommentieren
AonFlux
11
17
Lesenswert?

Existenzzerstoerung als Experiment?

Die Zerstörung unseres Landes wird als Experiment gesehen? Sind wir also doch nur Teil eines gigantischen Projektes wie es im Projekt 201 der JH Universität beschrieben wurde? Alles nur eine Studie um zu sehen, was passiert unter einer Massenpaniksituation? Wie kann man die Bevölkerung dann am besten kontrollieren?

georgXV
10
5
Lesenswert?

???

Experiment hin oder her, hierzu müßten wir am besten die Chinesen befragen, denn aus deren Labors (oder ähnlichem) ist dieser Virus offensichtlich unkontrolliert "entglitten" ...
Und Gegenmittel (Impfungen) für die eigene Bevölkerung haben sie LEIDER auch noch keines und somit haben sie sich irgendwie auch "selbst geschädigt" ...

gb355
0
1
Lesenswert?

und

jetzt fürchten die Chinesen Deutschland!!!
Austeilen und nichts einstecken können ist verdammt feig!

Mein Graz
2
16
Lesenswert?

@georgXV

Bitte um Angabe der Quelle, dass dieser Virus aus einem chinesischen Labor (oder ähnlichem) "entglitten" ist.

Oder ist das eine Vermutung deinerseits oder einer "sicheren" Quelle entsprungen?

Avro
7
7
Lesenswert?

So ist es!

Ein großer Feldversuch wie man die Bevölkerung isolieren kann.
Totale Überwachung von Handydaten, wann man wo ist, Versammlungen verboten, direkter Kontakt mit mehr als 4 Leuten verboten, Bargeld soll nicht benutzt werden Schulen dicht usw.
Zum drüberstreuen wird die wirtschaftliche Situation des Mittelstandes vernichtet oder noch besser man wird in die Verschuldung getrieben.
Mit dem Argument eines Virus dessen Auswirkung umstritten ist.

Mein Graz
3
5
Lesenswert?

@Avro

Ich rate zu einem Blick über die Grenzen:
Italien über 8.000 Tote, Spanien 4.800, China 3.300, Iran 2.400, Frankreich 1.700 usw usf.

Die Auswirkungen sind umstritten. Umpf.

Avro
6
4
Lesenswert?

Bevölkerung

@Graz, schon mal die Einwohnerzahl dieser Länder in Relation zu den Verstorbenen gesetzt?
Dann bitte noch daran denken das die Masse nicht an Corona selbst verstorben ist sondern an einer oder mehrerer Vorerkrankungen.

mohlzeit
1
5
Lesenswert?

Ui...

da kann jemand nicht lesern und denkt auch nicht weiter, als bis vor die eigene Haustüre. Alle Todesfälle, die aufgelistet sind, stehen auch im Zusammenhang mit Corona- egal, ob mit Vorerkrankung oder ohne. Natürlich sterben viele Leute mit Vorerkrankung- die würden aber ohne Corona noch jahrelang leben. Einwohnerzahlen hin oder her- so viele Tote in so kurzer Zeit- das hat mit Corona zu tun. Was wäre Ihr Vorschlag? Das Leben normal weiterlaufen lassen und damit das Gesundheitssystem überlasten? Die Wirtschaft wird auch geschwächt, wenn es keine Leute mehr gibt, die arbeiten oder einkaufen gehen können, weil sie tot sind.

f73f2613ace4898608690177b5aca781
5
36
Lesenswert?

Richtige Stellschrauben

Wenn an den richtigen Stellschrauben gedreht wird, dann sollte das Ziel nicht sein, wieder zu einem Zustand wie vorher zurückzukehren, sondern die Gesellschaft (regional wie global) gleich ganz neu so zu strukturieren, dass das Leben auf diesem Planeten für Mensch und Umwelt langfristig möglich ist. Das bedeutet: Physische Produktion und Versorgung mit Gütern und Lebensmitteln möglichst regional (sprich auf Ebene des Kontinents), Kommunikation und und digitale Produktion und Versorgung möglichst digital (keine großen Geschäftsreisen mehr, sondern virtuelle Konferenzen etc.), ein globales Gesundheitssystem auf zwei Ebenen: auf kontinentaler (in unserem Fall europäischer Ebene) und auf globaler Ebene für weltumspannende Gesundheitsthemen. Wir brauchen zudem eine erstarkte UNO, die als das Organ bereits vorhanden ist, um globale Krisen zu bewältigen. Beim Neuaufbau der Wirtschaft vor Ort (neue Produktionsanlagen für die regionale Produktion) muss die Umweltverträglichkeit und modernste Technologie höchdste Priorität haben. Das wären die richtigen Stellschrauben für eine Zukunft nach der Coronakrise.

romagnolo
1
7
Lesenswert?

Rückkehr zu echter Demokratie

und wieder Einsetzen aller Bürger- und Grundrechte, nicht vergessen!