Ohne es als unschuldige Neunjährige ahnen zu können, ging Kim Phúc am 8. Juni 1972 in Flammen auf. Ohne, dass sie es wissen konnte, wurde die Vietnamesin wenig später zur weltweiten Ikone. Denn als Phúc nach einem Napalm-Angriff tränenüberströmt und splitternackt auf die Straße lief, lichtete der Fotograf Nick Út sie, das „Napalm-Girl“, ab. Der Titel: „Terror of War“. Die Szenerie erinnert an Edvard Munchs „Schrei“. - Ausgehöhlte Gesichtszüge, ein gleisend-feuergefangener Himmel im Hintergrund.

Nixon zweifelte an Echtheit des Fotos

Was die Aufnahme bis heute zu einem der berühmtesten Fotos der Welt macht? Der lebendige Tod, der nach einer Reaktion verlangt. Der stille Schrei, der schwerer wiegt, als jedes moderne Video es hörbar machen könnte. Nicht ohne Grund wurden Fernseh-Aufnahmen derselben Szene nie gleich berühmt. Das Foto ging um die Welt. Passierte die amerikanische Zensur, wurde abgedruckt. Der Krieg im Vietnam hatte auf einmal ein Gesicht, Menschen gingen auf die Straße, auch wenn Präsident Nixon das Foto als Fälschung abtat. Wenig später endete der Krieg.

© (c) AP (Nick Ut)

Die Geschichte von Kim Phúc und Nick Út hat ein Happy End. Út war kein journalistischer Voyeur. Er brachte das Mädchen ins Krankenhaus. Phúc überlebte nach 17 Operationen wie durch ein Wunder. Transplantationen konnten ihre Haut zusammenflicken, nicht aber ihr Trauma überdecken. Phúc wurde suizidär, das Studium im Heimatland wurde ihr verweigert, weil sie als Symbol des kommunistischen Vietnams herhalten musste. 1992 floh sie nach Kanada. Sie konvertierte zum Christentum, setzte sich fortan für kriegsversehrte Kinder ein.

„Zu heiß, zu heiß“, schrie die Neunjährige auf ihrer Flucht vor den Flammen. „Ich verzeihe, ich verzeihe“ antwortete sie dem US-Captain, der sich fälschlicherweise für den Angriff verantwortlich zeigte. Kim Phúc hat das schwere Los, ihr Leben lang Mahnmal des Krieges zu sein. Damit zeigt sie aber, dass das Weiterleben über den Tod triumphiert.