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Abfuhr für Fleisch-LobbyDer "Burger" darf auch vegetarisch bleiben

Das EU-Parlament hat sich am Freitag gegen einen neuen Bezeichnungsschutz für Fleisch und Fleischprodukte entschieden. Die ÖVP bedauert das als einzige Partei.

© New Africa - stock.adobe.com
 

Veggie-Burger, Seitan-Schnitzel und Co. dürfen ihre Namen behalten. Das EU-Parlament hat sich am Freitag gegen einen neuen Bezeichnungsschutz für Fleisch und Fleischprodukte entschieden. Einem Gesetzesentwurf zufolge hätten pflanzliche Lebensmittel keine tierisch anmutenden Bezeichnungen mehr tragen dürfen. Dieser war als Teil der Verordnung zur gemeinsamen Marktorganisation (GMO) im Zuge der Festlegung der Position des EU-Parlaments zur künftigen EU-Agrarpolitik eingebracht worden.

Vor allem Landwirtschaftsverbände hatten massiv Werbung für das Verbot der Fleischbezeichnungen für Ersatzprodukte gemacht, das Vorhaben wurde jedoch innerhalb des EU-Parlaments mit Skepsis gesehen. Auch die österreichischen EU-Abgeordneten sprachen sich bis auf die ÖVP im Vorfeld gegen einen Bezeichnungsschutz für "Burger", "Wurst" und "Schnitzel" aus.

Die ÖVP-EU-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer bedauerte am Freitag in einer ersten Reaktion den Ausgang des Votums. "Wir haben einen funktionierenden Schutz für Milchbezeichnungen, der vom Europäischen Gerichtshof bestätigt wurde. Dass nun auch ein Schutz für Fleischbezeichnungen eingeführt werden sollte, wäre für mich die logische Konsequenz - ganz abgesehen von den Grabenkämpfen, die sich rund um das Thema aufgetan haben", so die ÖVP-Agrarsprecherin im EU-Parlament.

Deswegen sei es "äußerst bedauerlich", dass bei der Abstimmung "eine Allianz zwischen Nahrungsmittelmultis und NGOs gesiegt" habe. "Dabei geht es den Großkonzernen nicht um tierische oder pflanzliche oder gesunde Ernährung, hier geht es rein um Gewinnmaximierung am Lebensmittelmarkt", kritisierte Schmiedtbauer. "Für etablierte Begriffe wie den Veggie-Burger hätte es ohnehin Ausnahmen gegeben." Der Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT), Martin Balluch, hatte im Vorfeld der Abstimmung Wurst- und Fleischbezeichnungen für pflanzliche Alternativen als besonders für Menschen wichtig bezeichnet, die erstmals auf fleischlose Alternativen umzusteigen versuchen.

Die EU-Abgeordneten stimmen am Freitagnachmittag über die gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) für die Jahre 2021 bis 2027 ab. Das Ergebnis des umstrittenen Votums wird um 17 Uhr erwartet. Hat das EU-Parlament seine Position zur künftigen GAP festgelegt, können die Trilog-Verhandlungen mit dem EU-Rat und der EU-Kommission beginnen.

Kommentare (16)
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HB2USD
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Wer Burger isst

kann ruhig auch vegetarische essen.

nightfire00
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Burger... was sonst??

Bei Burger, Schnitzel und Wurst gehts ja wohl vorrangig um die Form. Wie sollte man vegane und vegetarische Produkte denn sonst nennen? Vurger, Vnitzel und Vurst?? Die Konsumenten sind mündig genug um unterscheiden zu können, was der Inhalt dieser Produkte ist. Die Fleisch-Lobby sollte sich besser um wichtige Themen wie die Tierhaltung kümmern, und den Burger "Burger" sein lassen...

tomtitan
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Vollkommen richtig - Tiere quer durch die EU karren, aber sich über die Bezeichnung "Veggiburger" beschweren...

"Vurger, Vnitzel und Vurst" made my day ;o)))

hansi01
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Und die Gewinner sind Nestle, Bayer und Co

Für was steht Vegan?
Die Lebensmittelindustrie erzeugt künstliches Fleisch und die Pharmaindustrie die dazu benötigen Nahrungsergänzungsmittel. Eine Win win Situation.
Und vor allem kann man dadurch auch die Gesundheit steuern. Schon wieder eine Win win Situation.
Es ist jeder(m) überlassen wie sie, er sich ernährt. Mir persönlich ist ein vom Bauern erzeugtes selbst gewachsenes Fleisch, dazu noch Obst und Gemüse auch vom Bauern erzeugt lieber, als ein künstliches Produkt der Lebensmittel Industrie.

daka
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...

juhu, wieder ein first world problem gelöst!

xandilus
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@daka: Vor der eigenen Tür kehren

Möchte ja gar nicht wissen, wieviele solche Du selbst hast und täglich wälzt. Wie wir alle wohlgemerkt....

schteirischprovessa
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Da ist die ÖVP halt mal neben der Spur.

Dass etwas nicht vegetarischer Tafelspitz oder Lungenbraten heißen kann, sollte klar sein, aber dass irgendetwas gegrilltes oder gebratenes in einem Label aus Fleisch sein muss, ist nicht einzusehen.
Da hat das EU Parlament mehr Vernunft gezeigt als die ÖVP.

pescador
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Der "Burger" darf auch vegetarisch bleiben

Er soll auch vegetarisch bleiben. Unser Ziel muss es sein, weniger Fleisch, mehr pflanzlich. Wenn man sich nur einmal mit dem Thema befasst, erkennt man schnell dass fleischlose Ernährung supergut schmecken kann. Viel besser als so manche Fleischtiger ahnen.

Landbomeranze
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Sie sprechen aber nur für sich!

Geschmäcker sind verschieden. Würde gerne wissen, was die Bierlobby sagen würde, wenn jemand Zitronenlimo als Zitronenbier verkaufen würde. Aber die Menschen wollen halt belogen werden und die EU spielt wie schon in der Vergangenheit immer mit jenen Lobbyisten mit, die das meiste Geld haben. Es lebe der Kapitalismus, weiter die Regenwälder niederbrennen, um noch mehr Soja anzubauen fürs Sojaschnitzel oder Sojabraterl. Sonderbar, dass oft dieselben Leute, die gegen das Abholzen von Regenwäldern sind, sich fürs Sojaschnitzerl stark und damit Ettikettenschwindel stark machen. Aber kaufen ja auch die Handys und die Bekleidung aus den Sklavenfabriken der Chinesen und gehen gegen Kinderarbeit und Menschenausbeuterei sowie CO2 Schleuderei auf die Straße, obwohl das Zeug mit von Schweröl betriebenen Känen herangeschippert wird. Eben eine verrückte Welt, die verrückte Menschen machen.

erstdenkendannsprechen
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das ist absolut unrichtig:

der großteil des sojas, der in den usa und südamerika angebaut und zu uns verschifft wird ist für die tierfütterung bestimmt: den bekommen hauptsächlich schweine und hühner - genau das ist das problematische beim hohen fleischverbrauch: die industrielle erzeugung.
der in österreich/mitteleuropa für ernährung des menschen erzeugte soja wird übrigens hauptsächlich hier angebaut - stichwort donausoja (90 prozent).
wenn sie "es lebe der kapitalismus" postulieren - dann betrifft das wirklich und mit aller deutlichkeit die fleischindustrie.
und ich kann ihnen noch viele gründe nennen, warum hoher fleischkonsum mehr schädlich als nützlich ist.

Landbomeranze
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Ergänzung: und auch Soja in der Tierfütterung, das nicht in Europa erzeugt wird,

gehört verboten.

erstdenkendannsprechen
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ja - aber es ist grundsätzlich andersherum:

der überwiegende großteil des importieren sojas ist für die tierfütterung bestimmt. in 90% des in europa verkauften mischfutters für schweine ist (gentechnisch veränderter) soja aus übersee...
einzig die milchbranche hat dem (gen-)soja nachweislich abgeschworen.

Steirer79
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Sicher nicht

🤮

petera
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Wenn DIE ÖVP jammert,

kann nur etwas Gutes rausgekommen sein.

tomtitan
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Hat die EU keine anderen Probleme???

Und natürlich mein unaufrichtiges Beileid an die Fleischlobby...

neuer mann
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der antrag der fleischindustrie musste eben behandelt werden....

....