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Fall MaddieStrafregister des Beschuldigten weist 17 Einträge auf

Was passierte mit der 2007 verschwundenen dreijährigen Madeleine "Maddie" McCann aus Großbritannien: Laut Profiler könnte es bei einem Einbruch in die Ferienwohnung nach der Entdeckung des Kindes zu einem Motivwechsel gekommen sein.

Madeleine "Maddie" McCann
Madeleine "Maddie" McCann © (c) AP
 

Im Fall der verschwundenen dreijährigen Madeleine "Maddie" McCann aus Großbritannien werden immer mehr Details über den inzwischen mordverdächtigen Deutschen bekannt. Der 43-Jährige sitzt derzeit in Kiel eine alte Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll bereits 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um Handel mit Betäubungsmitteln.

Parallel ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet. Denn zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, im portugiesischen Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof. Ebenfalls in Praia da Luz verschwand am 3. Mai 2007 die kleine Maddie aus einer Appartementanlage.

Nach Ansicht des Profilers und Kriminalexperten Axel Petermann deuten die Indizien darauf hin, dass der Verdächtige die kleine Maddie nicht nur missbraucht, sondern auch ermordet haben könnte. "Von den äußeren Rahmenbedingungen könnte er durchaus als Täter in Frage kommen", sagte der frühere Bremer Mordermittler der dpa. "Er war zur Tatzeit dort, hat offensichtlich eine Präferenz für Kinder, die er auch missbraucht hat, und scheint als Einbrecher in Hotelanlagen tätig gewesen zu sein."

Es könne gut sein, dass der Mann das schlafende Mädchen bei einem Einbruch zufällig entdeckt habe, es zu einem Motivwechsel gekommen sei und er sich daraufhin an dem Kind vergangen habe, erklärte Petermann, der auch als Berater des Bremer ARD-"Tatort" bekannt wurde.

Am Mittwochabend gaben Bundeskriminalamt (BKA) und Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend bekannt, dass der Deutsche im Fall Maddie unter Mordverdacht steht. "Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist", bekräftigte der Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Hans Christian Wolters.

Mit ihrem erneuten Zeugenaufruf haben die Ermittler ein wichtiges Ziel erreicht: Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst", die den Fall am Mittwochabend thematisiert hatte, habe große Resonanz erfahren, sagte Wolters der Deutschen Presse-Agentur. "Es sind zahlreiche Hinweise eingegangen, die derzeit ausgewertet werden." Mehr als 5,2 Millionen Zuschauer hatten die ZDF-Fahndungssendung gesehen.

Das ist jetzt eine Sisyphusarbeit, aber die Ermittler sind sehr sorgfältig, und ich habe den Eindruck, die Schlinge zieht sich da immer weiter zu.

"Aktenzeichen XY... ungelöst"-Moderator Rudi Cerne

Nach Angaben der Ermittler lebte der Beschuldigte zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve, darunter einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Immer wieder pendelte er zwischen Deutschland und Portugal, wurde in beiden Ländern mehrmals straffällig. Im September 2017 wurde er wegen Besitzes von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauchs eines Kindes vom Landgericht Braunschweig verurteilt. Der Mann habe eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten erhalten, die er bereits verbüßt habe, bestätigte Thomas Klinge, Sprecher der für Kinder- und Jugendpornografie zuständigen Staatsanwaltschaft Hannover.

Laut "Spiegel" weist das Strafregister des Mannes insgesamt 17 Einträge auf. Schon vor rund 27 Jahren, im Oktober 1993, verhängte das Amtsgerichts Würzburg eine zweijährige Jugendstrafe gegen den damals noch Minderjährigen wegen "sexuellen Missbrauches eines Kindes, versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes sowie Vornahme sexueller Handlungen vor einem Kind", wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht.

"Bild" zitierte den "Aktenzeichen XY... ungelöst"-Moderator Rudi Cerne am Donnerstag mit den Worten: "Wir müssen festhalten an dieser Stelle: Es gibt noch keine Leiche, es gibt auch keinen dringenden Tatverdacht, es gibt Indizien, es gibt Hinweise, es gibt Tipps, es gibt aber keinen Beweis und es gibt kein Geständnis. Das ist jetzt eine Sisyphusarbeit, aber die Ermittler sind sehr sorgfältig, und ich habe den Eindruck, die Schlinge zieht sich da immer weiter zu."

Kommentare (9)
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limbo17
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Sehr tragisch dieser Fall!

Der Täter gehört mit aller Härte bestraft!
Aber die Elten gehören genauso in die Pflicht genommen!
Warum in Gottes Namen lässt man seine kleinen Kinder in einem fremden Land alleine?
Das mache ich nicht einmal zu Hause!

anonymus21
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@limbo17

ich sehe das ähnlich, aber die Eltern wurden jedoch schon genug gestraft.... es bringt mMn nichts sie jetzt für eine womögliche Vernachlässigung der Aufsichtspflicht zu belangen. Bin mir sicher sie haben diesen Fehler schon tausendfach bereut. Ich möchte/könnte mit so einer Gewissheit nicht leben.

georgXV
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???

im Falle Maddie gilt noch die USV.
Solchen einschlägigen Wiederholungstätern gehört ganz einfach gerichtlich die "Konzession" entzogen, denn, sobald sie wieder in Freiheit sind, werden sie wieder rückfällig (die ganz wenigen Ausnahmen bestätigen diese Regel).

marobeda
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@georg

Wenn USV, d.h. er ist vermutlich unschuldig und somit kann man auch nicht von einem Rückfallstäter sprechen. Was gilt jetzt?

Genesis
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Schlimme Vermutung

Es gab in Österreich einmal einen ziemlich ähnlich gelagerten Fall, allerdings lange bevor es Handys gab, die man orten konnte. Vielleicht erinnert sich ja noch jemand daran: Im wunderschönen obersteirischen Ferienort Wildalpen wurde eine junge Frau von einem Perversen missbraucht und danach mit Steinen beschwert in der Salza versenkt und ermordet. Nahezu unmöglich den Täter zu finden, dachte man zuerst. Bis die Auswertung der Bankomatbehebungen bei der örtlichen Bankfiliale zeigte, dass ein einschlägig vorbestrafter Wiener am Tag des Mordes in unmittelbarer Nähe des Tatortes Geld von seinem Konto abgehoben hat. Noch Fragen? Er ist es gewesen und sitzt heute noch in Haft. Leider entwickelt sich der Fall in Portugal in meinen Augen genau in die selbe Richtung. Ich gratuliere bereits jetzt den Profilern und Ermittlern. Allerdings hat das Ganze auch ganz schön lange gedauert seit der Tat. Die armen Eltern.

anonymus21
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Die Eltern haben sicher viel mitgemacht

ABER - man lässt seine dreijährige Tochter und zweijährigen Zwillinge nicht nachts bzw. spätabends alleine im Hotelzimmer um mit Freunden Essen zu gehen. Punkt und aus. Die beiden wissen, wenn sie anders agiert hätten würde ihre Tochter noch leben.

Genesis
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Nachher ist man immer gescheiter

Das Pech bzw. das Zusammenkommen einer Reihe von schicksalhafter Ereignisse spielt hier aber auch eine tragische Rolle.

fred4711
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und so ein kerl

läuft immer noch (die meiste zeit) frei herum?
Juristen waren mir immer schon ein rätsel…..vielleicht würde sich was ändern, wenn obersten richtern oder Politikern so ein Unglück zustoßen würde ….ich vermute, dass ein Sexualverbrecher garnicht anders KANN....ein einbrecher schon

anonymus21
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Naja

Sicher schwierig so jemanden dingfest zu machen. Es kommt auch anscheinend erst jetzt alles nach und nach auf. Durch seine Wohnortwechsel hat er sich sicher auch öfters einer Strafverfolgung entzogen.
Aber traurig und immer wieder erschreckend welch gestörte, kranke und perverse Individuen in unserer Gesellschaft leben... :-/