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Missbrauchs-VertuschungRücktritt von Laibacher Erzbischof gefordert

Initiative "Es reicht" kritisiert "systematische Vertuschung" von Missbrauchsfällen in der slowenischen katholischen Kirche.

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© (c) APA/HELMUT FOHRINGER
 

Eine slowenische Bürgerinitiative, die sich mit dem Schutz der Opfer von sexuellen Missbrauch in der Kirche beschäftigt, wirft der katholischen Kirche in Slowenien eine "systematische Vertuschung" von Missbrauchsfällen vor. Deshalb rief die Initiative "Dovolj.je" (Es reicht)" den Laibacher Erzbischof und Vorsitzenden der slowenischen Bischofskonferenz, Stanislav Zore, zum Rücktritt auf.

Außerdem wird laut Medienberichten auch die Auflösung einer für Missbrauchsopfer zuständigen Expertenkommission der Kirche gefordert, weil diese nach Ansicht der Initiative "inkompetent und untätig" sei. Stattdessen soll nach ausländischen Vorbild eine unabhängige Kommission gegründet werden, deren Mitglieder keine Geistlichen sind. Diese müsse sich mit Missbrauchsfällen schnell und konsequent auseinandersetzen, hieß es.

"Alles bleibt nur auf dem Papier"

Die slowenische Kirche verabschiede immer wieder neue oder aktualisiere bestehende Empfehlungen zur Behandlung von Missbrauchsvorwürfen, "doch alles bleibt nur auf dem Papier", kritisierte Igor Vovk von der Initiative am gestrigen Mittwoch laut Medien. "Im Jahr 2020 ist das für die Kirche nicht akzeptabel, noch weniger für die Kirche unter Papst Franziskus", fügte er hinzu.

Die slowenische Bischofskonferenz wies die Rücktrittsforderung als "unberechtigt" zurück. "Erzbischof Zore ist ein entschlossener Befürworter des Schutzes der Kinder sowohl in der Kirche als auch in der slowenischen Gesellschaft", hieß es in einer Mitteilung. Gerade unter seiner Leitung habe die Bischofskonferenz weitere Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch getroffen, hieß es. Als Beispiel dafür wurden in der Mitteilung die im Vorjahr verabschiedeten Anweisungen zur Null-Toleranz beim Sexualmissbrauch sowie die erst jüngst aktualisierten Richtlinien zum Verhalten in Missbrauchsfällen angegeben, die Geistliche etwa dazu verpflichten, jeden Missbrauchsverdacht der Polizei anzuzeigen.

Nicht an Verjährung gebunden

Die seit knapp einem Jahr tätige Bürgerinitiative hat bisher 38 Aussagen von Opfern gesammelt, die Missbrauchsvorwürfe gegen insgesamt 22 Geistliche erhoben haben. Während einige Fälle entsprechend behandelt worden seien, werden andere weiterhin ignoriert, lautet die Kritik. Die Großzahl der Fälle wird den Behörden auch angezeigt, doch bei den meisten ist bereits formell Verjährung eingetreten.

Auch wenn die strafrechtliche Verfolgung der Täter oft nicht mehr möglich ist, könnte die Kirche gegen sie vorgehen, findet die Initiative. Die Vorwürfe gegen konkrete Täter werden auch publik gemacht. Die Geistlichen werden mit ihrem Namen genannt, ihre Opfer bleiben meist anonym, außer wenn sie ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit teilen wollen.

Die Initiative "Dovolj.je" wurde im Februar 2019 von einer Gruppe von "aktiven Katholiken mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund" gegründet, die dem Missbrauch in der Kirche direkt oder indirekt begegnet sind, steht auf deren Internetseite. Zu den Gründern gehört auch ein Priester, der selbst Missbrauchsopfer war.

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