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Gegen Widerstand der ElternDer bekannteste Koma-Patient Frankreichs soll sterben

In der Uniklinik von Reims wollen die Ärzte in der kommenden Woche die künstliche Ernährung von Vincent Lambert beenden - gegen den Widerstand der Eltern, die für das Leben ihres Sohnes durch alle Instanzen gegangen sind.

Vincent Lambert
Vincent Lambert © APA/AFP/Courtesy of the Lambert
 

Nach jahrelangem Rechtsstreit soll der bekannteste Koma-Patient Frankreichs sterben: In der Uniklinik von Reims wollen die Ärzte in der kommenden Woche die künstliche Ernährung von Vincent Lambert beenden - gegen den Widerstand der Eltern, die für das Leben ihres Sohnes durch alle Instanzen gegangen sind. Der 42-Jährige liegt seit einem Motorradunfall vor zehn Jahren in einer Art Wachkoma.

Die Eltern des früheren Krankenpflegers wollen bis zuletzt auf die Barrikaden gehen: Unter dem Motto "Ich unterstütze Vincent" hat seine Mutter Viviane für Sonntag eine Protestaktion vor dem Krankenhaus in Reims angekündigt. "In Frankreich sollte im Jahr 2019 niemand an Hunger und Durst sterben", erklärt die 73-Jährige, die wie ihr 90-jähriger Mann Pierre streng katholisch ist.

Unterstützung bekommen die Eltern von der Kirche: Der Erzbischof von Reims, Eric de Moulins-Beaufort, rief die Behörden auf, "nicht den Weg der Euthanasie zu gehen".

Auch in der Familie uneinig

Der Rechtsstreit schwelt schon seit rund sechs Jahren und hat die Eltern von Vincent Lambert bis vor die höchsten Instanzen Frankreichs und des Europarats geführt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg lehnte Ende April bereits zum zweiten Mal ihren Einspruch gegen das Vorhaben der Ärzte ab. Zuvor hatte auch der französische Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht im Sinne der Mediziner entschieden.

Der Fall Vincent Lambert entzweit nicht nur Ärzte und Eltern, sondern auch die Familie: Lamberts Frau sowie mehrere Geschwister des Wachkoma-Patienten sind dagegen, die lebenserhaltenden Maßnahmen fortzusetzen. Die Ärzte lassen offen, wann genau in der kommenden Woche sie die künstliche Ernährung beenden wollen. Lambert dürfte dann wenige Tage später sterben.

Ob Vincent Lambert von dem Streit um sein Leben etwas mitbekommt, ist ungewiss. Er ist seit seinem Unfall querschnittsgelähmt, die Ärzte bezeichnen seinen Zustand als vegetativ. Laut einem Gutachten vom November hat er "keinen Zugang mehr zu seinem Bewusstsein".

 

 

Kommentare (6)

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CuiBono
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@xanadu & @GordonKelz

Niemand, absolut niemand kann wirklich sagen, was dieser und andere Komapatienten fühlen, hören, sehen,...

Immer wieder gibt es Fälle von spontanem Aufwachen, auch nach jahrelangem Koma. Auch wenn es nur wenige "schaffen", ist jede minimalste Chance wahr zu nehmen und eine adäquate Behandlung zu garantieren.

Die von Ihnen Beiden gebrauchten Schlagworte wie u.a. "aussichtslos, Erlösung, vegetieren" sind zutiefst widerlich, inhuman und inakzeptabel.

Wobei ich davon überzeugt bin, dass Sie Beide Ihre Empfehlungen und Bewertungen selbstverständlich gegebenenfalls auch auf sich selber gelten lassen würden.
Oder täusche ich mich?

Gehen Sie trotzdem in sich.
Danke.

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xanadu
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@CuiBono

1. Sie haben meine Frage nicht beantwortet und
2. Leider musste meine Familie eine ähnliche Entscheidung treffen.
Also hüpfen sie mir nicht ins Gesicht!

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CuiBono
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@xanadu

1) Ihre Frage wurde von mir definitiv beantwortet.
Kleine Hilfestellung: siehe die zwei ersten o.a. Absätze.

2) Ihr - bzw. das Schicksal Ihrer Familie ist tragisch und bedauerlich.
Umso mehr als Ihre Entscheidung der betroffenen Person jedwede Chance nahm.

Zum "Hüpfen":
was der eine tut und der andere empfindet, sind immer zwei verschiedene Dinge.
Sie vertreten - wie es scheint auch im Falle Ihrer Familie AKTIV - eine Menschensicht und Bewertung von Leben, die ich nicht akzeptieren kann.
Einem Menschen, der Ihrer "freien" Ansicht nach "vegetiert", dem Sie das Lebensrecht nehmen, weil diese Person "unfähig, sich auf irgendeine Art auszudrücken, zu kommunizieren" ist, ist - ich möchte das diplomatisch höflich ausdrücken - anmaßend.

Empfinden Sie das, wie immer Sie auch wollen.
Mimosenhaft zu reagieren, aber anderen das Lebensrecht abzusprechen und aktiv dem Tode preis zu geben, sagt mir genug über Ihre Persönlichkeit.

Offensichtlich werden wir uns nicht von unseren gegenseitigen Standpunkten überzeugen können, daher betrachte ich diese Diskussion als beendet.

Leben Sie wohl und denken Sie spätestens auf Ihrem Sterbebett daran, was Sie sich da aufgeladen haben.

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GordonKelz
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Um das zu sagen...

...haben Sie offensichtlich zu wenig Erfahrung mit aussichtslosen Fällen, für die es eine Erlösung wäre!
Gordon Kelz

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CuiBono
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Zutiefst skandalös

ist, dass eine Entscheidung für das Einstellen lebenserhaltender Maßnahmen ÜBERHAUPT in Erwägung gezogen wird.

Aber auch nicht wirklich verwunderlich in diesen Zeiten, in denen das "Abspritzen" älterer Zeitgenossen - sprich Sterbehilfe " diskutiert und da und dort auch bereits praktiziert wird.

Ich bin vor Jahrzehnten aus der katholischen Sekte ausgetreten und absolut nicht religiös, aber ich glaube zutiefst an den Wert menschlichen Lebens - egal in welchem Zustand.

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xanadu
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CuiBono

Würden sie es für sich wünschen, so zu "leben" (vegetieren) wie dieser Mann? Unfähig, sich auf irgendeine Art auszudrücken, zu kommunizieren?

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