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Missbrauch am CampingplatzPolizei machte "schwere handwerkliche Fehler"

Nordrhein-Westfalen wird von einem Kinderporno-Skandal erschüttert, der womöglich schon vor Jahren verhindert hätte werden können.

Missbrauchsfall Lügde
Systematischer Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde © (c) APA/dpa/Guido Kirchner
 

Im Fall des jahrelangen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde bei Detmold gibt es weitere Verdachtsfälle und Ermittlungen. Die Zahl der Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall ermittle, sei von sechs auf sieben gestiegen, berichtete Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul am Dienstag im Düsseldorfer Landtag.

Dabei handle es sich um einen 16-Jährigen, der kinderpornografisches Material besessen haben soll. Auch würden ältere Verdachtsfälle von Sexualstraftaten auf dem Campingplatz an der Grenze von Nordrhein-Westfalen (NRW) zu Niedersachsen neu aufgerollt, sagte Reul. "Es sieht aus, dass es noch schlimmer ist, als ich befürchtet habe."

Auf dem Campingplatz sollen über Jahre mindestens 31 Opfer missbraucht und dabei gefilmt worden sein - die meisten Kinder zwischen 4 und 13 Jahre alt. Drei Verdächtige sitzen bereits in Untersuchungshaft. Ermittelt wird zudem gegen zwei weitere Beschuldigte wegen Beihilfe, gegen eine Person wegen Strafvereitelung.

Verdacht bereits vor 17 Jahren

Eine der schockierendsten Erkenntnisse sei, dass der heute 56-jährige arbeitslose Hauptverdächtige schon vor 17 Jahren verdächtigt geworden sei, eine Achtjährige missbraucht zu haben, berichtete der Minister. "Im Moment sieht es nicht so aus, dass ein Verfahren eingeleitet wurde." Der innenpolitische Sprecher der SPD-Opposition in Düsseldorf, Hartmut Ganzke, stellte fest, der Beschuldigte hätte die späteren Taten nicht begehen können, wenn aufgeklärt worden wäre.

Der von Reul eingesetzte Sonderermittler, Kriminaldirektor Ingo Wünsch, skizzierte eine beispiellose Kette des Versagens in der Kreispolizeibehörde Lippe. "Im Ergebnis gab es schwere handwerkliche Fehler, die sich potenziert haben. Verantwortliche Führung ist nicht erkennbar."

Bei dem neuen Verdachtsfall handelt es sich nach Angaben des Detmolder Oberstaatsanwalts Ralf Vetter um einen 16-Jährigen aus der Region, der kinderpornografisches Material besaß, das auf dem Campingplatz entstanden sein soll. Der Jugendliche sei am Montag vernommen worden, befinde sich aber wieder auf freiem Fuß. Die Ermittler seien durch die Auswertung sichergestellter Daten auf ihn gestoßen.

Mehr als 1000 Missbrauchsfälle

Reul berichtete über einen weiteren Missbrauchsverdacht. Demnach soll ein Dauercamper im vergangenen Frühjahr eine 15-Jährige auf dem Gelände in Lügde vergewaltigt haben. Derzeit werde geprüft, ob dieser Fall zum Tatkomplex gehöre.

Inzwischen seien allein 60 Ermittler mit der Aufarbeitung von über 1.000 Missbrauchsfällen beschäftigt. Zudem werde unter anderem wegen Strafvereitelung im Amt und wegen Verletzung der Fürsorgepflicht gegen 14 Beschuldigte bei Behörden ermittelt - darunter zwei Polizisten und acht Jugendamtsmitarbeiter.

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