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Walter Röhrl testetMit dem neuen A6 hat sich Audi zurückgekämpft

Walter Röhrl, Doppel-Rallye-Weltmeister und Kleine-Zeitung-Cheftester, über den neuen Audi A6.

Für Audi geht es bergauf: Cheftester Walter Röhrl mit dem neuen A6 © OLIVER WOLF
 

Audi hat auch schon einmal einfachere Zeiten erlebt. Zuerst die Dieselaffäre, dann hieß es, man habe den Anschluss in der Luxusklasse an Mercedes und BMW verloren. Wenn ich mich jetzt aber in den neuen Audi A6 mit dem 286-PS-Dieselmotor setze, kann ich nur antworten: Ich verstehe die Kritiker nicht mehr, die den Ingolstädtern nach wie vor diverse Vorhaltungen machen.

Zuerst meine Einschätzung, was die Dieseltechnik betrifft: So eine Leistung aus dem Motor herauszuholen und trotzdem so wenig zu verbrauchen – da ist Audi einfach top. Auch die Abgase hat man im Griff. Und man kann es nicht oft genug betonen. Ohne Dieselmotoren werden wir die CO2-Vorgaben nicht erreichen. Mit dem aktuellen technischen Standard und der aktuellen Abgasregelung ist der Diesel sowieso nicht wegzudiskutieren – auch das muss einmal thematisiert werden.

Modellvorstellung: Audi A6

Die Länge des neuen Audi A6 beträgt 4939 Millimeter, das sind sieben Millimeter mehr als beim Vorgänger. In der Breite ist er um zwölf auf 1886 Millimeter gewachsen und in der Höhe misst er mit 1457 Millimetern nun um zwei mehr als sein Vorgängermodell.

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Zum Start im Juni gibt es den A6 mit vier Motoren – einem Benziner und drei Diesel. Der 3.0 TFSI ist ein V6-Turbo mit 340 PS und 500 Newtonmetern und marschiert mit der Limousine bis zur elektronisch begrenzten Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h. Der 3.0 TDI ist ebenfalls ein V6 und stemmt in der Ausführung mit 286 PS 620 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Die schwächere Variante ist auf 231 und 500 Newtonmeter gedrosselt. Den Einstieg bildet der Vierzylinder-Diesel mit 204 PS und 400 Newtonmetern.

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Alle Motoren bringen die neue Mild-Hybrid-Technologie von Audi mit. Bei den V6-Aggregaten nutzt sie ein 48-Volt-Hauptbordnetz, bei den Vierzylindern arbeitet sie auf 12-Volt-Basis. In beiden Fällen kooperiert ein Riemen-Starter-Generator mit einer Lithium-Ionen-Batterie. Der Audi A6 kann zwischen 55 und 160 km/h segeln, die Start-Stopp-Funktion setzt zwischen 7 und 22 km/h ein.

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Während die beiden V6-Diesel mit einer Achtstufen-Automatik zusammenarbeiten, sind der 3.0 TFSI und der 2.0 TDI serienmäßig an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt. Alle 3-Liter-Motorisierungen sind serienmäßig mit Allradantrieb ausgestattet. Im Zusammenspiel mit der Automatik hat er das selbstsperrende Mittendifferenzial (und optional auch ein Sportdifferenzial), beim Doppelkupplungsgetriebe werden die Hinterräder nur dann zugeschaltet, wenn er gebraucht wird.

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Die Übersetzung der serienmäßigen Progressivlenkung wird mit zunehmendem Lenkeinschlag noch direkter, optional legen die Ingolstädter noch eine Allradlenkung oben drauf. Beim Fahrwerks-Setup gibt es vier Varianten zur Wahl: das konventionelle Stahlfederfahrwerk, das Sportfahrwerk, das Fahrwerk mit Dämpferregelung und die Luftfederung.

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Der Innenraum ist im kühlen Look gehalten, den zwei Lichtpakete (Ambiente und Kontur) in Szene setzen. Hinsichtlich der Beinfreiheit hinten übertrifft er sowohl den Vorgänger als auch die wichtigsten Mitbewerber. Zudem verbessern sich gegenüber dem Vorgänger die Kopf- und Schulterfreiheiten vorn und hinten. Der Gepäckraum bietet mehr Durchladebreite, das Volumen bleibt mit 530 Litern unverändert. Die Heckklappe öffnet sich auf Wunsch per Fußbewegung elektrisch.

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Das neue Bediensystem stammt aus dem A8 und erlaubt es, zentrale Fahrzeugfunktionen per „Drag and Drop“-Bewegung an die gewünschte Position im Bildschirm zu platzieren und beliebige Funktionen auf Favoritentasten zu legen. Trotz Touchbedienung hört und spürt der Benutzer einen Klick als Bestätigung, als ob er eine gute alte Taste drückt.

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Auf dem oberen Display, das bei der Top-Ausstattung 10,1 Zoll Diagonale aufweist, managt der Fahrer das Infotainment. Das untere 8,6 Zoll-Display auf der Konsole des Mitteltunnels dient der Klimatisierung sowie für die Komfortfunktionen und die Texteingabe. Ergänzend gibt es ein Head-up-Display, das wichtige Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert.

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Auch das „Virtual Cockpit“ kommt an Bord, sein Display misst 12,3 Zoll. Die Sprachsteuerung verarbeitet die Fragen und Kommandos auf zwei Wegen, mit onboard abgelegten Daten und zusätzlich mit Wissen aus der Cloud.

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Zu den Fahrerassistenzsystemen gehören der Parkpilot und der Garagenpilot, die im Laufe des Jahres das Ausstattungsangebot erweitern: Sie steuern die Limousine selbsttätig in eine Parklücke oder Garage und wieder heraus. Das Assistenzpaket namens „Stadt“ enthält unter anderem den neuen Kreuzungsassistent, zu „Tour“ gehört der adaptive Fahrassistent, der den Abstandsregeltempomat durch leichte Lenkeingriffe zum Halten der Spur ergänzt, und der Effizienzassistent, der eine sparsame Fahrweise unterstützt.

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Vom Fahrer-Blickwinkel betrachtet muss ich außerdem klar sagen: Audi hat die besten Lösungen, etwa beim Allradantrieb. Im letzten Winter bin ich zum Beispiel einen S4 auf Schnee und Eis gefahren. Da lenkst du ein, und du brauchst nichts mehr machen – das Auto und der Allrad sind so gut abgestimmt, dass man auch auf schwierigem Terrain als Fahrer entlastet wird. Das ist natürlich etwas, was ich aus der Sicht des sportlichen Fahrers sehe. Aber auch bei den Dauerläufen, was den Allrad betrifft, ist Audi qualitativ ganz vorn.

Der neue A6 spielt in der Luxusliga, nicht nur, was den Preis betrifft. Du spürst schon beim Einsteigen, dass alles passt: die Sitzposition, die Materialien, die Positionierung der Bildschirme – alles hochwertig. Besser kann man es nicht machen.

Plus & Minus

+ Fahrerlebnis. Hohe Perfektion, vom Handling
bis zu den Bremsen.
+ Geräuschkulisse. Luxus auf leisen Sohlen: Die Akustikverglasung der Seitenscheiben (über 600 Euro) ist ihr Geld wert.
+ Antritt. Beachtliche Agilität, 286 PS und über 600 Newtonmeter Drehmoment machen Dampf.

- Preis. Die Qualität kostet – samt Aufpreisliste.

Es ist eine sachliche Architektur, die im Innenraum vorherrscht, sie wirkt aber niemals kalt. Der Interieur-Designer, den ich gut kenne, ist ein Autoliebhaber, das spürt man in jedem Detail. Auch das Außendesign mit dem Kühlergrill gefällt mir gut. Die Detailarbeit – Spaltmaße, Designspielereien – ist exzellent gelöst.

Der Dieselmotor macht mit 286 PS mächtig Dampf. Selbst die 8-Gang-Tiptronic schafft es nicht, dem Motor den Durchzug von unten heraus zu vermiesen. Der A6 legt richtig gut los. Solche Werte von 0 auf 100 km/h haben früher nicht einmal Sportautos geschafft – und jetzt fährt man ein 1,9-Tonnen-Auto spielerisch einfach und flott.

Audi A6 50 TDI Quattro

Preis: Ab 65.500 Euro. Preis Testwagen: 94.833 Euro.
Motor: V6-Diesel; Mild-Hybrid; 286 PS bei 3500 bis 4000 U/Min., max. Drehmoment 620 Nm bei 2250 bis 3000 U/Min.
Antrieb: Allrad, permanent; 8-stufige Tiptronic.
Fahrleistungen/Verbrauch: 0 auf 100 km/h 5,5 Sekunden; 6,1/5,1/5,5 l Diesel städtisch, außerstädtisch, insgesamt (offizielle Werte).

Details wie die Mild-Hybrid-Technik helfen bei den Verbrauchswerten, die für das Gewicht beachtlich niedrig sind. Die Spreizung in den unterschiedlichen Fahrmodi ist sehr gut erkennbar, der A6 kann Sport und Komfort gleichermaßen. Faszinierend: wie leise dieses Auto geworden ist. Das ist ein extrem hohes Komfortniveau.

Der Rest ist Audi-Klasse: Lenkung, Handling, Bremsen, alles perfekt. Ein besseres Argument hätte Audi für seine Kritiker nicht finden können.

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