IM TESTAchtung, heiß und fettig

Der Renault Twingo GT hat einen Schnellsiederkurs in Sachen Sportlichkeit gemacht.

Der Renault Twingo GT © OLIVER WOLF
 

Dass der Twingo GT zwar nachgeschärft wurde, aber nicht durch die harte Schule von Renault Sport gegangen ist, merkt man spätestens am fehlenden Drehzahlmesser. Oder an der eigentümlich hohen Sitzposition – eher mehr drauf als drinnen. Das hätte die französische Tuningschmiede so nicht an den Start gehen lassen. Aber ein lustiges Topmodell seiner Baureihe, das ist der Zwerg allemal. Fesch steht er da, mit den zusätzlichen Lufteinlässen über den Hinterrädern, den 17-Zöllern und dem Trainingsanzug aus sportlichen Akzenten, die den charmanten Augenaufschlag der Scheinwerfer frecher wirken lassen.

Autosalon Paris: Renault Twingo GT

Renault Twingo GT

Hübsch war er ja schon immer, der Twingo der dritten Generation. Extrem handlich dank des winzigen Wendekreises. Und lustig zu fahren mit seinem Heckmotor sowieso. Aber na ja, der 900-Kubik-Dreizylinder mit seinen maximal 90 PS konnte das ganze Potenzial des kleinen Fünftürers nie ganz fordern – bis jetzt.

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Renault Twingo GT

Denn die stärkere Variante namens TCe 90 verfügt schließlich über einen Turbolader, und dem kann man mit einigen Tricks ganz schön Beine machen. Und genau das hat die Mannschaft von Renault Sport jetzt gemacht.

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Renault Twingo GT

Der Twingo GT hat zwar den gleichen Basismotor wie seine zivilen Kollegen. Ein modifizierter Ansaugtrakt und eine auftrainierte Elektronik entlocken dem kleinen Motor nun 110 PS und 170 Newtonmeter Drehmoment.

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Aber nur ein wenig an der Leistungsschraube zu drehen, wäre den Parisern etwas zu unsportlich gewesen. Wer die anderen Modelle von Renault Sport kennt, der weiß, dass schon der Rest auch zu der Leistung passen muss. Als ersten Schritt verpasste man dem Getriebe eine kürzere Übersetzung für nochmals bessere Fahrleistungen.

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Renault Twingo GT

Weiters legte man das Fahrwerk straffer aus sowie ein Stückchen tiefer, krempelte die Aufhängung eifrig um und kalibrierte auch das elektronische Stabilitätsprogramm neu. Damit bei Traktionsverlust ja nicht zu früh von der Motorleistung etwas weggeknabbert wird.

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Und auch die Lenkung, wesentliches Element für knackigen Fahrspaß, ließ man nicht unberührt und verpasste ihr eine variable Übersetzung. Das soll das Lenkgefühl präziser und direkter machen.

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So viel Potenzial darf man natürlich auch ein wenig zur Schau tragen. Der Twingo GT macht das mit 17-Zoll-Rädern, deren Design sich an der Studie „Twin´Run“ orientiert. Hinzu kommt ein exklusiver Farbton namens Pepper-Orange.

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Renault Twingo GT

Der Einfluss des „Twin´Run“ reicht aber noch weiter. Von ihm stammt auch das Design der beiden Längsstreifen auf dem Dach, die der Form der strömungsgünstigen Lufteinlassöffnungen von Flugzeugen nachempfunden ist.

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Renault Twingo GT

Aber auch bei der Karosserie beließ es man nicht nur bei optischen Effekten. Die Sportabteilung hat schließlich einen Ruf zu verlieren. Und außerdem bietet der Heckmotor des Twingo ganz neue Möglichkeiten spannender Anbauteile.

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Renault Twingo GT

So sorgt ein zusätzlicher Lufteinlass auf der linken Seite für einen potenten Auftritt und mehr Luft für die Kühler. Und zwei Auspuffendrohre runden den derzeit sportlichsten Twingo gekonnt ab.

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1/10

Wendig, wuselig, wieselflink – in Sachen städtischer Handlichkeit ist der Twingo ganz vorn dabei. Mit dem wahnwitzig witzigen Wendekreis von 8,6 Metern kann man sich in der Stadt einkringeln wie ein Kreisel. Und bei Stadttempo ist das Dreizylinder-Motörchen, den die Franzosen auf 110 PS auftrainiert haben, auch voll in seinem Element und ein kompetenter Partner beim Hakenschlagen. Und mit seinem Turboloch kann man seinen Frieden machen, denn es lässt sich mit dem richtigen Einsatz der fünf Fahrstufen fein zuschütten.

Pep, von dem man sich wünschen würde, er würde auch jenseits der Ortstafeln punkten – mehr als einen Schnellsiederkurs in Sachen Sportlichkeit hat er nicht gemacht. Man kann den GT zwar ambitioniert bewegen, keine Frage, aber so richtig sportlich ist er aus sich heraus nicht. Tiefergelegte Karosserie hin, steiferes Fahrwerk her. Der 0,9-Liter dreht leider sonderlich gerne und die Lenkung agiert unverbindlich – es ist ein bisschen so als ob man versucht, eine klare Antwort von einem Politiker zu bekommen.

RENAULT TWINGO GT

Preise. Ab 15.990 Euro.
Motor. Dreizylinder-Turbobenziner, 898 ccm, 110 PS, 170 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 2000 U/min.
Antrieb. Fünf-Gang-Schaltgetriebe, Heckantrieb.
Fahrleistungen. 0-100 km/h in 9,6 Sekunden, 182 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Verbrauch. 5,2 l/100 km, 115 g CO2/km.
Maße. 3595/1646/1554 mm L/B/H, 2492 mm Radstand, 1103 kg Leergewicht, 188 bis
980 Liter Kofferraum.

Spielverderber in diesem Zusammenhang ist auch das panische ESP, das in jeder forsch gefahrenen Kurve eine potenzielle Gefahr wittert, rigoros regelt und jeden potenziellen Heckschwenk im Keim erstickt. Deaktivieren lässt es sich nicht, genauso wie der mäßige Geradeauslauf auf holprigem Asphalt. Auf der Autobahn keimt der Wunsch nach einem sechsten Gang auf.

Pfiffig sind Details wie das 20-Liter-Staufach unter der Rückbank oder die umlegbare Lehne des Beifahrersitzes, aber sie können auch nicht ganz darüber hinwegtrösten, dass das Kofferräumchen wirklich klein geraten ist. Und noch ein Manko hat das Gepäckabteil: Das Motörchen unter dem Ladeboden entwickelt nämlich ordentlich Wärme, Butter oder Eis sollte man dort gelagert vielleicht nicht durch die halbe Stadt spazieren führen. Für Pizzazusteller ist der GT mit diesem Antriebskonzept allerdings eine rollende Offenbarung.

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