KultkistenWie der Porsche 914 ein Stiefkind wurde

Der Porsche 914 ist die flotteste Flunder, die eine gescheiterte Beziehung je hervorgebracht hat.

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Erst mit sechs Zylindern ein echter Porsche: der 914/6 © PORSCHE
 

Sie besiegelten es mit Handschlag. Und dann waren da ja noch die Familie, die Ferry Porsche und den damaligen VW-Chef Heinrich Nordhoff miteinander verband. Immerhin war dessen Tochter Elisabeth mit Ferrys Neffen Ernst Piëch verheiratet.

Machen wir doch gemeinsame Sache, dachten sich also die Chefs von Volkswagen und Porsche. Beide wollten einen preiswerten Sportler im Programm haben, und die Wolfsburger hatten zufällig die günstigen Teile im Regal, die Zuffenhausener eine Mittelmotorkonstruktion mit lupenreinem Handling.

Alles schien perfekt - doch dann wurde Kurt Lotz neuer VW-Chef und wollte vom alten Deal nichts mehr wissen. Die mündliche Vereinbarung von Porsche und Nordhoff erkannte er nicht als bindend an. Also musste man in Zuffenhausen fortan alleine mit der Mittelmotorflunder fertigwerden, die zur Hälfte aus Volkswagen-Teilen bestand.

Als der VW-Porsche 914 1969 auf den Markt kam, war es also kein Wunder, dass der Dreisitzer (ja, in den frühen Jahrgängen gabe es zwischen den Sitzen einen schmalen Sozius) mit Targadach schnell wenig schmeichelhafte Spitznamen wie "Volksporsche" oder noch schlimmer „VoPo“ - die Abkürzung der DDR-Volkspolizei - am Image kleben hatte. Verachtende Witze über die flache Optik, der Wagen sehe vorne genauso aus wie hinten, taten ihr Übriges.

Mischwesen: Der VW-Porsche 914 lief von 1969 bis 1976 Foto © PORSCHE

Doch zumindest beim Motor konnte Porsche nachhelfen. So kam im 914/6 der Sechszylinder-Boxer aus dem 911 T zum Einsatz. Der erreichte für 1969 atemberaubende 201 km/h Spitze, zudem war das weinerliche Säuseln der schwachen Vierzylinder-Version (die den Motor des VW-Busses hatte) einem forschen Pfeifen gewichen, und zu allem Überfluss ließ sich der Stiefsohn zielgenauer und agiler bewegen als der hochgelobte 911.

Und beim Sechszylinder trug sich Porsche dann auch gerne als Hersteller in den Typenschein ein, immerhin wurden die auch in Stuttgart gebaut. Im Gegensatz zum Stiefkind mit vier Brennräumen, von dem die meisten  bei Karmann in Osnabrück als VW-Porsche das Licht der Welt erblickten.

So hielt der 914 sieben Jahre durch, ehe er vom 924 abgelöst wurde. Das nächste gemeinsame Projekt von Porsche und VW, auf dem die Zuffenhausener sitzen blieben ...

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