Dass man Notarin und Notar nur dann aufsucht, wenn es einen Todesfall gibt, hört der Klagenfurter Notar Werner Stein nicht zum ersten Mal: „Das Verlassenschaftsverfahren ist der Klassiker, mit dem der Notar in Verbindung gebracht wird. Oft ist das auch der erste Anknüpfungspunkt, aus dem sich dann weitere Themen ergeben wie das eigene Testament oder die Vorsorgevollmacht.“ Testament und Vorsorgevollmacht - wieder zwei Themen, die man eher mit hochbetagten Personen in Verbindung bringt. Dabei ist es mit dem Besuch bei der Notarin ähnlich wie mit der Gesundenuntersuchung bei der Ärztin: Je früher, desto besser.
Die Vorsorgevollmacht und der romantische Ehevertrag
Katharina Haiden-Fill, Notariatssubstitutin in Klagenfurt, bestätigt: „Die Vorsorgevollmacht ist auch für junge Menschen ganz wichtig. Man kann immer einen Unfall haben, nach dem man nicht mehr geschäftsfähig ist. Und dann ist es beruhigend zu wissen, dass alles nach den eigenen Vorstellungen geregelt ist. Gerade wenn ich beispielsweise Unternehmerin bin. Habe ich keine Vorsorgevollmacht abgeschlossen, muss vom Gericht ein Vertreter für mich bestimmt werden, der nur unter Aufsicht des Gerichtes für mich handeln darf.“ Werner Stein: „Und Unternehmer wissen: Oft muss man rasch und flexibel handeln. Das geht nicht, wenn jede Entscheidung gerichtlich abgesegnet werden muss. Darum ist es wichtig, in Zeiten vorzusorgen, wenn alles noch in Ordnung ist. Das gilt auch im privaten Bereich, etwa beim Ehevertrag, auch wenn der oft als unromantisch empfunden wird.“ Für Katharina Haiden-Fill ist klar: „Also, ich finde einen Ehevertrag überhaupt nicht unromantisch, eher das Gegenteil: Es geht ja darum, Verantwortung für sich und seinen Partner zu übernehmen.“
Digitale Welten und der letzte Wille
Beim Wort „Notariat“ kommen einem schnell verstaubte Aktenordner in den Sinn. Dabei sind die heimischen Notariate schon auf dem besten Weg, ihr Angebot in die digitale Welt zu transportieren. Marcella Handl, Notarin in Hartberg, weiß: „Es ist heute fast alles online möglich – von Beglaubigungen bis hin zu komplexeren Beurkundungen. Dabei ist es z.B. sehr praktisch, wenn sich der Käufer bei seinem Notar befindet und der Verkäufer etwa in Wien. Das spart Zeit und Geld. Was nicht geht ist das Testament.“ Das macht man ohnehin nur einmal im Leben, denkt sich da der Laie – doch das stimmt so nicht, betont Martin Lux, Vizepräsident der Notariatskammer für Steiermark: „Das ist eine weit verbreitete Annahme, aber das Testament sollte man nicht als einmalige Sache sehen. Es passiert immer wieder, dass sich Menschen denken: Das mache ich nur einmal, und das, kurz bevor ich sterbe, da warte ich lieber noch ein bisschen ab. Und dann ist es womöglich zu spät. Auch ein Testament sollte man frühzeitig verfassen und dann bei Bedarf anpassen, falls sich die eigenen Umstände ändern.“
Auch in Zukunft persönlich beraten
Die digitale Kompetenz der Notarinnen und Notare wird in Zukunft immer wichtiger werden, ist sich Katharina Haiden-Fill sicher: „Wir werden immer mehr die Kontrollfunktion am Übergang von der Papierwelt in die digitale Welt übernehmen müssen. Denn wenn Sie ein Dokument einscannen, ist das kein Original mehr, das ist eine Kopie und die ist manipulierbar. Da stellt sich die Frage: Wer gewährleistet hier, dass digitalisierte Dokumente echt sind. Und das können wir leisten.“ Aber auch wenn sich heute und in Zukunft vieles online abspielen wird, liegt die persönliche Beratung den Notarinnen und Notaren nach wie vor am Herzen. Martin Lux: „Die digitalen Möglichkeiten sind eine wertvolle Ergänzung, aber der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Wenn alle Beteiligten zu einem Gespräch vor Ort sind, kann ich viel besser wahrnehmen, wenn sich eine Person noch nicht ganz wohlfühlt mit einer Lösung.“
Marcella Handl sieht die Zukunft der Notarinnen und Notare in einer Kombination aus alten Werten und neuen Möglichkeiten: „Ich finde es ganz wichtig, dass wir mit Veränderungen mitgehen, uns an die Bedürfnisse der Gesellschaft anpassen und zugleich unseren Werten wie Rechtssicherheit, Objektivität und Verlässlichkeit treu bleiben.“
Entstanden in Kooperation mit der Österreichischen Notariatskammer