Der Klimawandel ist mittlerweile sehr deutlich in der breiten Bevölkerung Kärntens angekommen. 65 Prozent der Kärntner Bevölkerung nimmt diesen bereits jetzt in Kärnten wahr, weitere 23 Prozent erwarten die Auswirkungen in den nächsten Jahren. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Institutes für statistische Analysen Jaksch & Partner in Kärnten. Der Kampf gegen die Klimakrise ist schon allein aus diesem Grund eines der dringlichsten Themen auf der politischen Agenda.
Klimaneutralität muss spätestens 2040 erreicht sein
Damit die Klimakrise aufgehalten werden kann, muss spätestens 2040 die Klimaneutralität erreicht sein. Das heißt, dass bis dahin der Ausstoß von Treibhausgasen beendet sein und die Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen muss. Derzeit werden in Kärnten noch 45 Prozent der Energie mit Erdöl, Erdgas und Kohle erzeugt.
Trendumkehr notwendig
Für Kärnten heißt das zumindest eine Verdoppelung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren, wie der Wasserkraft, Sonnenenergie, Windkraft und Biomasse. Da Kärnten gutes Windpotenzial aufweist, wird ein größerer Teil des benötigten Stroms auch aus umweltfreundlichem Windstrom gedeckt werden müssen. Die Verdoppelung der Stromerzeugung ist das absolute Mindestmaß und setzt voraus, dass bis 2040 jener Teil, der derzeit noch mit Erdöl, Erdgas und Kohle erzeugt wird, halbiert und der Rest mit erneuerbarer Energie bereitgestellt werden kann. Eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs ist daher Grundvoraussetzung, ansonsten muss die Stromerzeugung noch deutlicher gesteigert werden.
Windkraft für ein klimaneutrales Kärnten
Bis 2030 könnten in Kärnten 140 Windräder mit einer Gesamtleistung von 420 MW und einer Stromerzeugungskapazität von 900 Mio. Kilowattstunden errichtet werden. Für die Klimaneutralität reicht das bei weitem nicht aus, es wäre aber ein wichtiger erster Schritt, um der Klimakrise die Stirn bieten zu können.
Herbert Lechner, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur: „Wenn wir 2040 klimaneutral sein wollen, brauchen wir deutlich mehr grünen Strom. Damit ersetzen wir nicht nur Erdöl, Erdgas und Kohle, sondern steigern auch die Effizienz unseres Energiesystems. Ein Paradebeispiel dafür ist das Elektroauto, das etwa dreimal so effizient wie ein Fahrzeug mit einem konventionellen Verbrennungsmotor ist. Unsere Szenarien deuten auf eine Verdopplung des Stromverbrauchs hin: das heißt wir brauchen alle Erneuerbaren und müssen Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie massiv ausbauen. Die Potenziale dafür sind vorhanden, auch für ein klimaneutrales Kärnten.“
Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ): „Die heurigen Unwetterereignisse führen sehr drastisch vor Augen, dass wir keine Zeit zu verlieren haben. Wir sind gefragt, jetzt sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Klimakrise zu verhindern. Die Umsetzung von Klimaschutz- und Energieprojekten erfolgt direkt in den Bundesländern – so auch in Kärnten. Es gilt die Verantwortung wahrzunehmen. Um die Klimaneutralität bis 2040 erreichen zu können, muss die Stromerzeugung in Kärnten zumindest verdoppelt werden. Hier sind vor allem die Windkraft und die Sonnenenergie gefragt, denn sie haben in Kärnten die größten noch nutzbaren Potenziale.“
Christina Fromme-Knoch, Wietersdorfer Gruppe: „Die Zementerzeugung ist sehr energieintensiv. Damit wir künftig klimaneutral produzieren können, benötigen wir Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Gerade für einen Industriebetrieb wie den unseren ist es essenziell, dass wir an unseren Standorten über eine stabile Energieversorgung verfügen. Windräder wären ein weiterer Baustein für eine sichere Versorgung mit grüner Energie in unserer Region und für unsere Produktionsprozesse. Damit schaffen wir eine wesentliche Grundlage für erfolgreiches, nachhaltiges Wirtschaften für Generationen. Vor diesem Hintergrund können wir den Windkraftausbau in Kärnten nur befürworten.“