Herr Gruber, Sie arbeiten mit Ihrem Biotech-Start-up Innophore mit Google, Amazon und der Harvard University zusammen. Was hält Sie in Graz?
CHRISTIAN GRUBER: In der Steiermark zu gründen und hier zu bleiben, war eine bewusste Entscheidung. Es gibt hier dank einer sehr hohen F&E-Quote einen sehr fruchtbaren Boden.
Welche Rolle spielen Start-ups für den Wirtschaftsstandort generell?
BARBARA EIBINGER-MIEDL: Sie sind wie das Salz in der Suppe. Sie treiben mit ihren Ideen Innovationen voran und zeichnen sich durch ein starkes Wachstumspotenzial aus. Das sorgt für zusätzliche Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze.
Welches besondere Asset bringen Start-ups aus dem universitären Bereich mit?
NINA ZECHNER: Start-ups erhöhen unsere Innovationskraft als Wirtschaftsstandort allgemein. Sie bringen immer, egal, ob als Uni-Spin-Offs oder Corporate Spin-Offs, einen beachtlichen Unternehmergeist, den Willen zu gestalten und zu verändern mit. Sie sorgen damit für eine Dynamik, die einem Standort sehr guttut. EIBINGER-MIEDL: Da sie direkt aus der universitären Forschung entstehen, punkten sie mit neuesten Ansätzen und Technologien. Außerdem stärken sie die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, die wesentlich dafür verantwortlich ist, dass die Steiermark international einen herausragenden Ruf als Innovationsland hat.
Welche Rolle kann das Unicorn dabei spielen?
PETER RIEDLER: Das Unicorn ist – eingebettet in den Campus der Universität – ein einzigartiges Begegnungszentrum für Wirtschaft und Wissenschaft, wo aus dem Know-how beider Welten kreative Unternehmensideen entwickelt werden sollen. Es hat eine Plattform-Funktion und soll eines der kreativsten und lebendigsten Zentren der Stadt werden.
EIBINGER-MIEDL: Davon profitieren gerade auch Start-ups. Mit universitätsnahen Einrichtungen wie dem Unicorn oder dem Science Park bieten wir innovativen, technologieorientierten Unternehmen die optimale Startrampe.
GRUBER: Gerade unser Unternehmen, das ein starkes Standbein in der Forschung hat, braucht diesen Spirit, diese Affinität zu Wissenschaft, den direkten Kontakt zu Forschungsgruppen und Studierenden. Denn wir benötigen die besten Leute.
Was braucht es, um als Start-up erfolgreich zu sein?
ALFRED GUTSCHELHOFER: Theorie ist schön. Nur Theorie ohne Umsetzung stellt für die spätere Berufslaufbahn aber einen Hemmschuh dar. Primär sollen die jungen Leute sensibilisiert werden, dass unternehmerisches Denken und Handeln sowie die Selbstständigkeit zentrale Elemente im Lebenslauf sein können. RIEDLER: Man muss – bei aller Bodenhaftung, die natürlich wichtig ist – immer auch nach den Sternen greifen wollen, wenn man ein Unternehmen gründet.
Was muss sich noch verbessern?
GUTSCHELHOFER: Wir müssen Unternehmertum vermitteln. Dazu gehören Eigenverantwortung, Gestaltungswille, Netzwerken und ein positiver Umgang mit Risiko und Rückschlägen.
ZECHNER: Wir müssen ein noch attraktiveres Ecosystem für Start-ups schaffen, vor allem, wenn es um das Upscaling geht. Ziel muss sein, Gründerinnen und Gründer langfristig in der Steiermark zu halten.