Gewalt in der Erziehung ist vielschichtig und vor allem strafbar. Es ist nicht in Ordnung, sein Kind durch gezielte Anwendungen körperlich oder seelisch zu verletzen und zu vernachlässigen. Dennoch erlebt jedes vierte Kind in Kärnten Gewalt in der Erziehung.

Das Land Kärnten und die Kinder- und Jugendanwaltschaft nehmen sich dem Thema an und starten aktuell eine groß angelegte Kampagne zum Thema "Gewaltverbot in der Erziehung". Gewalt in der Erziehung ist weit mehr als Schläge, Ohrfeigen, der Klaps auf den Po oder das gewaltsame Zerren an Kindern – also mehr als körperliche Gewalt. Noch weit häufiger und mit zumindest gleich schwerwiegenden Folgen erleben viele Kinder seelische Gewalt in der Erziehung.

Beschimpfungen, Drohungen, Wutanfälle, Einsperren, Liebes- und Kommunikationsentzug gehören hier zu den am häufigsten beobachtbaren Formen. Auch das Miterleben von gewaltsamen Paarkonflikten zwischen den Elternteilen, ob körperlich oder emotional, stellt eine klare Form der Gewalt an Kindern und Jugendliche dar.
Auch sexuelle Gewalt mit oder ohne Körperkontakt und die emotionale, körperliche und erzieherische Vernachlässigung von Kindern stellen nachhaltig traumatisierende Gewaltformen dar.

Körperliche und seelische Gewalt kann zu unmittelbaren Verletzungen, lebenslangen Beeinträchtigungen, einer verkürzten Lebensdauer oder dem unmittelbaren Tod führen. Durch die Gewalterfahrung können gesundheitliche Konsequenzen, Bindungsproblematiken, tiefgreifende Ängste und Verunsicherungen sowie grundlegende Traumatisierungen bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen entstehen. Das Risiko, selbst erlebte Gewalt später auch an die eigenen Kinder weiterzugeben, ist groß.

Gewalt in der Erziehung ist immer ein No-Go, das will die Kampagne in allen Köpfen verankern. Wichtig ist den Kampagnenverantwortlichen vor allem, auf die Möglichkeiten zur Hilfe aufmerksam zu machen. In den kommenden Monaten werden daher Spots in Kinos, Fernsehen und Radio laufen. Quer durch das Land werden Plakate zu sehen sein - auf Bahnhöfen und in Bussen, vor Kindergärten und in Schulen, in Freizeiteinrichtungen oder Einkaufszentren und in allen Amtsgebäuden des Landes Kärnten. Besonders bemerkenswert ist die breite Unterstützung der drei aktuell bekanntesten Kärntner Sportvereine KAC, VSV und WAC.

Stress und Belastungssituationen in der Kindererziehung führen dazu, dass man dem eigenen Kind nicht mehr mit Gelassenheit gegenübertreten kann. Immer öfter fehlen geeignete Bewältigungsstrategien, um mit der hochkochenden Wut umgehen zu können. Ein wichtiger Schritt ist es, solche Situationen zu erkennen und sich aktiv nach Hilfe umzusehen.

Die Nachbarn, das soziale Umfeld, der Freundeskreis und Bekannte sind neben den Fachkräften besonders gefordert. Sie zählen zu den wertvollsten WahrnehmerInnen für Belastungen innerhalb der Familien, können Betroffene entlasten und vor allem Unterstützung anbieten.