Mehr Signalwirkung wäre kaum möglich gewesen: Mitten in die Ausführungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde platzte die Nachricht, dass der Preis für ein Barrel der Ölsorte Brent erstmals seit Mai wieder über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen ist. Das sind um fast 30 Dollar mehr als noch Anfang Juli. Ein Beispiel, das zeigt, dass die Europäische Zentralbank auch weiterhin mit einem gehörigen Inflationsdruck konfrontiert sein wird – und der Rückgang im Juni wohl nur eine kurzfristige Entspannung war. Am Donnerstag wurden die Leitzinsen aber nicht angetastet, der Rat der Europäischen Zentralbank hat den Einlagenzinssatz am Donnerstag bei 2,25 Prozent belassen. Lagarde betonte, dass der Beschluss zwar einstimmig erfolgt sei, dass aber zumindest über die Option eines weiteren Zinsschritts gesprochen worden sei. „Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen“, so Lagarde. Man sei fest entschlossen, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Teuerungsrate auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 Prozent stabilisiere. 

Ökonomen gehen nun davon aus, dass die Währungshüter bei der Ratssitzung am 10. September nicht um eine Zinserhöhung herumkommen dürften.

Die Anhebung des Einlagensatzes Mitte Juni hat sich auch auf die Kredit- und Sparzinsen ausgewirkt. Der für variable Kredite vielfach maßgebliche 3-Monats-Euribor lag damals bei 2,2 Prozent, aktuell bei 2,46 Prozent. Bei den Sparzinsen zeigt sich laut Sparzinsen-Portal der Nationalbank diese Entwicklung: So lag beispielsweise bei zwölfmonatiger Bindung die durchschnittliche Verzinsung Mitte Juni bei 1,37 Prozent (reine Digitalprodukte) bzw. 1,23 Prozent (Filialprodukte). Aktuell sind es im Schnitt 1,49 bzw. 1,35 Prozent. Wobei die Bandbreite durchaus bemerkenswert ist: Bei Digitalprodukten ergibt sich derzeit eine Spanne von 0,5 bis 2,85 Prozent, bei Filialprodukten von 0,25 bis 2,6 Prozent. Ein Zinsvergleich kann sich also jedenfalls bezahlt machen.