Die Bedingungen für eine Borkenkäfer-Invasion sind eigentlich perfekt. Ein milder Winter ohne ausreichenden Schneefall gefällt den Schädlingen normalerweise, doch bis dato blieben viele Gebiete von den Tieren verschont.
Der Waldanteil im Bezirk Feldkirchen liegt bei rund 63 Prozent. Ein so großer Anteil bietet reichlich Spielraum für Schädlinge. „Im Glantal treten derzeit verstärkt kleine Brutstätten des Borkenkäfers auf. In den tieferen Lagen haben bereits die Geschwisterbruten der zweiten Generation begonnen. In einzelnen Gebieten wird zudem eine dritte Generation erwartet. In den Gemeinden nördlich von Feldkirchen ist die Lage bis auf eine Ausnahme relativ entspannt, hier ist der Borkenkäfer bisher nur sehr vereinzelt aufgetreten“, führt Feldkirchens Bezirksforstinspektor Roland Gutzinger aus.
Keine Verschlimmerung
Klingt zunächst nicht sonderlich positiv, doch von einer Verschlimmerung könne man nicht sprechen. „Wie bereits vergangenes Jahr befürchteten wir ein intensives Käferjahr. Bisher hat sich diese Befürchtung jedoch nicht bestätigt.“ Die Bezirkshauptmannschaft (BH) richtet ihre Augen momentan ganz genau auf das Gebiet von Patergassen und der Ebene Reichenau. „Hier gab es in den vergangenen Jahren wiederholt Windwürfe, welche wegen steiler Hänge und unzureichender Erschließung von Forststraßen schwer aufzuarbeiten sind. Gleichzeitig sollen diese Wälder die angrenzende Siedlungen vor Steinschlag und anderen Naturgefahren schützen“, sagt Gutzinger.
Im Bezirk St. Veit sieht es ähnlich aus. „Aufgrund der Witterung mussten wir befürchten, dass es heuer mehr wird. Doch bis jetzt ist es relativ ruhig“, sagt St. Veits Bezirksforstinspektor Matthias Pirker. Die erste Generation habe sich bereits entwickelt, bis Herbst sind noch mindestens eine, wenn nicht sogar zwei weitere Generationen zu erwarten. „Es heißt jetzt abwarten und hoffen, dass es stabil bleibt.“ Dabei weist der Bezirksforstinspektor darauf hin, dass Waldhygiene das oberste Gebot sei, um einer Käferplage vorzubeugen. „Alles an käfertauglichem Material unverzüglich aus dem Wald entfernen – das ist die wichtigste Maßnahme.“
Was braucht der Borkenkäfer?
Der Borkenkäfer bevorzugt nämlich Schadholz (Windwurf, Windbruch, Schneebruch) und gestresste Bäume (wie etwa durch Trockenheit). In der Regel tritt der Borkenkäfer nach Naturereignissen auf und stürzt sich auf die Schäden. „Wobei hier Einzelwürfe schlimmer sind als flächige Windwürfe, weil diese aus Kostengründen oft viel schwieriger aufzuarbeiten sind“, ergänzt der Feldkirchner Bezirksforstinspektor. Außerdem fördern warme Temperaturen die Entwicklung, was in den tieferen Lagen Kärntens eine dritte Generation ermöglicht und zur exponentiellen Vermehrung des Schädlings beiträgt.
Ganz auf sich gestellt sind die Forstwirte nicht, da der Borkenkäfer auch einige Gegenspieler hat. Dazu gehören Insekten, Milben oder Vögel. Der Dreizehenspecht kann zum Beispiel über 2000 Borkenkäferlarven pro Tag fressen. „Auch Pilzbefall wirkt in warmen, feuchten Wintern als natürlicher Regulator. Wichtig für die meisten Fressfeinde der Borkenkäfer sind naturnahe Wälder mit hohem Totholzanteil“, erklärt Gutzinger abschließend.