Seit mehr als 100 Jahren zieht der Königsberg in Tieschen das Interesse von Historikern und Archäologen auf sich. Das Wissen um eine prähistorische Siedlung auf der vulkanischen Erhebung dürfte in der Region seit Ewigkeiten kursieren. Erste Ausgrabungen fanden im 19. Jahrhundert statt, weitere folgten über die Jahrzehnte – bis heute.

Denn seit 2021 führt das Team um Archäologen Wolfgang Neubauer von der Uni Wien Forschungsarbeiten in Tieschen durch. Die Fundstelle ist besonders für zwei nahezu vollständig erhaltene Feuerböcke bekannt, welche heute im Universalmuseum Joanneum Graz ausgestellt sind.

Siedlung am Königsberg älter als gedacht

In den fünf Jahren seit Start des Forschungsprojektes ergaben sich zahlreiche wegweisende Erkenntnisse für die frühe Geschichte der Südoststeiermark. „Wesentlich war der Beleg, dass es sich nicht um eine, wie in der Öffentlichkeit lange angenommen, keltische Wallanlage handelt. Die Funde zeigen, dass die Wurzeln bis in die späte Bronzezeit und das Neolithikum reichen“, blickt Projektleiter Neubauer zurück.

Die entdeckten Werkzeuge deuten zudem an, wie das Leben um Tieschen vor tausenden Jahren ausgesehen hat und auf welcher wirtschaftlichen Grundlage die Siedlung am Königsberg funktionierte. Spinnwirtel (Schwunggewichte für Handspindeln zur Herstellung von Garnen), Fadenspulen in unterschiedlichen Größen und tönerne Webgewichte zeigen, dass die Textilherstellung prägend war.

Textilherstellung prägte den Königsberg

„Brennnessel, Hanf oder Schafwolle – hier in der Region gab es schon immer unterschiedlichste Faserstoffe, die als Grundlage für die Stoffproduktion dienten“, so Neubauer. Im Salz konservierte Funde aus Hallstatt geben einen Einblick, was in Tieschen produziert worden sein könnte. Neubauer ergänzt: „In Hallstatt wurde fast industriell Salz abgebaut. Nahrung, Werkzeuge und Kleidung kamen von außen. Ob gewisse Dinge davon auch vom Königsberg sind, lässt sich jedoch nicht sagen.“

Bei den Grabungen 2026 drang man nun noch weiter in die Jungsteinzeit (Neolithikum) vor und konnte ein weiteres Haus freilegen. Damit sei nun klar, dass am Königsberg in mindestens drei Hauptphasen (von 4400 vor der Zeitenwende an) Menschen siedelten.

Forschung zum Angreifen

Neben Neubauer und einigen einheimischen Hobbyarchäologen sind Studierende und Schülerpraktikanten bei der Lehrgrabungsstelle dabei. Gemeinsam präsentiert das Team die Ergebnisse der bisherigen sechs Ausgrabungen beim Forschungsfest am 25. Juli zwischen 10 und 18 Uhr am Marktplatz in Tieschen.

Bereits zum vierten Mal findet das Fest des Vereins Königsberg Research im Vulkanland statt und ist integraler Bestandteil der Arbeit von Neubauers Team. „Wir wollen nicht nur Löcher graben, sondern etwas Nachhaltiges schaffen“, betont der Forscher. Wie genau das über 2031 – bis dahin ist das Grabungsprojekt vorerst begrenzt – hinaus aussehen wird, ist noch unklar. Vorbild sei für Neubauer das keltische Freilichtmuseum Schwarzenbach in Niederösterreich, das aus archäologischen Ausgrabungen entstand.

Stolz zeigen Valentina Graf, Katharina Gmeiner, Ingrid Kowatschek und Martin Weber (v.l.) Fundstücke der aktuellen Ausgrabungen
Stolz zeigen Valentina Graf, Katharina Gmeiner, Ingrid Kowatschek und Martin Weber (v.l.) Fundstücke der aktuellen Ausgrabungen © Martin Weber