Zeitlos waren sie immer, die Einrichtungskonzepte, die Heinrich Kaufmann in seinem Fürstenfelder Innenarchitekturbüro „Wohnanders“ für seine Kundinnen und Kunden erschaffen hatte. Zentren des Lebens und Wirkens sollten sie sein, die Wohn- und Geschäftsräumlichkeiten. Entstanden auf dem weißen Blatt, entwarf er sie mit viel Gespür für die Bedürfnisse derer, die in ihnen leben und arbeiten werden. Nach drei Jahrzehnten hätte er in drei Monaten die Pension angetreten und an seinen Sohn Jakob übergeben. Doch das Leben hatte einen anderen Plan. Vergangenen Sonntag ist Heinrich Kaufmann völlig überraschend im Alter von nur 61 Jahren verstorben.

Zeitlos, das war auch Kaufmann selbst. Oder zumindest einer, dem die Zeit nichts anzuhaben schien. „Unser Papa hat damals mit 50 Jahren noch seinen Fallschirmspringer-Kurs gemacht. Zuerst wollte man ihn gar nicht antreten lassen, weil in dem Alter keiner mehr diesen Kurs macht. Ihn hat es natürlich besonders gefreut, dass er trotzdem durfte, weil er halt so sportlich war“, erzählt seine Tochter Maria Ebner.

Am Meer fand Heinrich Kaufmann eine weitere Heimat
Am Meer fand Heinrich Kaufmann eine weitere Heimat © Privat

„Die Menschen so nehmen, wie sie sind“

Aufgewachsen in Rabau bei Fehring, absolvierte der spätere Tischlermeister unzählige Kurse, bis er schließlich gemeinsam mit seiner damaligen Frau Astrid in den 1990ern das Innenarchitekturbüro „Wohnanders“ in Fürstenfeld eröffnete und aufbaute. Auch seine vier Kinder Johanna, Maria, Jakob und Ella kamen in dieser Zeit zur Welt.

„Unser Papa war kein Mann von großen Worten. Aber seine Umarmungen – und die haben wir wirklich oft von ihm bekommen – die waren viel stärker als alles andere“, erinnert sich Maria. Umarmt hat Heinrich Kaufmann aber auch das Leben und die Menschen an sich. „Du musst die Menschen so nehmen, wie sie sind, andere gibt es nicht“, war einer seiner Leitsprüche. „Er hat nie etwas Böses über jemanden gesagt. Ich glaube, deswegen haben ihn alle gemocht – und auch er hat jeden gemocht“, erinnert sich seine Tochter.

Sport und Bewegung waren die große Leidenschaften von Heinrich Kaufmann
Sport und Bewegung waren die große Leidenschaften von Heinrich Kaufmann © Privat

Unter Wasser und über den Wolken

„Du musst das Leben genießen und tun, was dir Freude bereitet“, war eine andere Lebensweisheit, die er seinen Kindern mitgab. „Unser Papa war ja überall dabei“, schmunzelt Maria. Und in der Tat: Vom Volleyball und Radfahren über den Lions Club bis hin zum Skifahren und Tauchen – Kaufmann war stets in Bewegung. Sogar die Fliegerei hatte es ihm angetan und natürlich die eingangs erwähnten Fallschirmsprünge. „Meine Schwester sagt: So mutig wie unser Papa möchte ich einmal sein“, meint Maria.

Zurück blicke Kaufmann nur fürs Foto, ansonsten lehrte er seine Kinder, das Leben einfach so anzunehmen, wie es kommt.
Zurück blicke Kaufmann nur fürs Foto, ansonsten lehrte er seine Kinder, das Leben einfach so anzunehmen, wie es kommt. © Privat

Junggeblieben, auch als Opa

Eine besondere Leidenschaft galt aber auch seinen sechs Enkelkindern, die er „abgöttisch geliebt hat“. „Er war halt kein typischer Opa – weil alt sein wollte er nie“, lacht Tochter Maria.

Seine anstehende Pension hätte der leidenschaftliche Taucher wohl zu einem guten Teil auf den Kornaten in Kroatien verbracht, wo er seine zweite Heimat fand – das gemeinsam mit seiner späten Liebe Angelika, die ihm zum Hafen geworden war. „Sie war für ihn schon etwas ganz Besonderes“, meint Tochter Maria.

Und doch sollte alles ganz anders kommen: Auf seinem geliebten Fahrrad versagte sein zeitlos pochendes, für das Leben und die Menschen stets großes Herz den Dienst. „Unser Papa ist genau bei dem gestorben, was er am liebsten getan hat“, sagt Maria Ebner.

Die Trauerfeier für Heinrich Kaufmann beginnt am Sonntag, dem 19. Juli, um 11 Uhr in der Aufbahrungshalle Fürstenfeld, im Anschluss daran wird er zu seiner letzten Ruhestätte begleitet.