Wenn bei Daniel Scharf das Handy klingelt, handelt es sich nicht immer um eine alltägliche Nachricht. Bei ihm meldet sich sein Handy auch, wenn ein Notruf abgesetzt wird. Genauer gesagt über „moPS“ (mobile services for Public Safety), ein spezialisiertes Alarmierungs- und Einsatzverwaltungssystem, das unter anderem bei der Bergrettung verwendet wird. So auch bei der Ortsstelle St. Andrä-Lavanttal, zu der Scharf seit acht Jahren dazugehört. „Wir bekommen die wichtigsten Informationen aufs Handy und können sofort zu- oder absagen. Der Einsatzleiter sieht, wer verfügbar ist, und organisiert den Treffpunkt“, erklärt der 44-Jährige.
Aus Spaß wurde ein engagiertes Ehrenamt
Dass er einmal so tief in das Ehrenamt hineinwachsen würde, hätte er selbst nicht gedacht. „Eigentlich ist das aus Spaß mit einem Nachbarn entstanden im Sinne von: ‚Schauen wir uns das einmal an‘.“ Nach einem ersten Einblick war die Entscheidung schnell gefallen. Der Einstieg verlangt allerdings weit mehr als sportliche Begeisterung. Zehn Monate Probezeit, intensive Trainings und eine Aufnahmeprüfung gehören dazu. Danach kommt die Fels- und Winteraufnahmeprüfung. Dazu zählt eine Skitour mit 1000 Höhenmetern in zweieinhalb Stunden und im Fels wird unter anderem das Klettern oder Abseilen inklusive Knotenkunde geprüft. Erst danach beginnt die eigentliche Ausbildung mit den Kursen.
Heute trägt der Wolfsberger als stellvertretender Ortsstellenleiter und KFZ- und Zentralwart längst Verantwortung. Dabei sorgt er, dass Fahrzeuge und Ausrüstung jederzeit einsatzbereit sind. Die Aufgaben der Bergrettung reichen von verletzten Wanderern über Forstunfälle bis hin zu groß angelegten Sucheinsätzen. Im Winter übernimmt die Ortsstelle außerdem den Pistendienst auf der Koralpe. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Sucheinsatz auf der Hebalm. Nicht nur wegen der vermissten Person, sondern wegen des Miteinanders. „Auf einmal stehen dort 150 bis 200 Menschen und suchen gemeinsam.“ Polizei, Feuerwehr, Bergrettung, Rettung, Suchhundestaffeln, Hubschrauber und zahlreiche freiwillige Helfer arbeiteten Hand in Hand. „Der Zusammenhalt aller Einsatzorganisationen und Freiwilligen fasziniert mich.“ Ähnlich erlebte Scharf die Einsätze nach den Unwettern in St. Paul 2023. „Wenn man sieht, wie viele Menschen freiwillig anpacken, ist das schon beeindruckend.“
Dass dabei auch die eigenen Grenzen ausgelotet werden, gehört dazu. Einmal war er bis Mitternacht im Einsatz und stand wenige Stunden später wieder an seinem Arbeitsplatz als Holz- und Sägewerkstechniker. Zum Glück musste Scharf bislang nur wenige besonders belastende Einsätze erleben. Einer davon führte auf die Koralpe, wo ein älterer Mann trotz Wiederbelebungsversuchen verstarb. „Wir sprechen im Team untereinander.“ Aktuell absolvieren zusätzlich zwei Kolleginnen die Ausbildung zur Peer-Betreuerin.
Was ihn trotz des großen Zeitaufwands immer wieder motiviert? „Jemandem aus der Not zu helfen – dieses Gefühl reicht für mich.“ Auch abseits der Bergrettung dreht sich bei ihm vieles um Bewegung. Rennrad- oder Wasserskifahren, Tauchen oder Klettern. „Drei- bis viermal pro Woche bin ich unterwegs. Selbst im Urlaub spielt Bewegung eine große Rolle.“ Dass er der Bergrettung noch lange erhalten bleiben möchte, steht für ihn außer Frage: „Die Kameradschaft ist einzigartig. Jeder bringt seine Stärken mit, jeder kann vom anderen etwas lernen. Genau das macht unsere Gemeinschaft aus.“