Haluk Levent ist der Robin Hood der türkischen Musikszene und als Wohltäter mindestens so bekannt wie als anatolischer Rockstar. Doch jetzt sitzt der 57-Jährige in Untersuchungshaft, weil er Spendengelder veruntreut haben soll, um seine Spielsucht zu befriedigen. Der Fall wird zum Politikum, weil Levent bei der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan unbeliebt ist. Der Durchbruch gelang ihm mit Anadolu-Rock, anatolischem Rock. Einige seiner Alben verkauften sich millionenfach. In Umfragen wurde Levent über Jahre zur vertrauenswürdigsten Persönlichkeit der Türkei gewählt. Er schaffte es sogar auf die Liste des US-Magazins „Time“ der hundert einflussreichsten Menschen der Welt.

Vor neun Jahren gründete Levent die Hilfsorganisation Ahbap. Nach dem verheerenden Erdbeben 2023 mit 50.000 Toten tauchten Levent und Ahbap häufig schneller im Katastrophengebiet auf als staatliche Hilfsorganisationen. Auch international verbreitete sich der Ruf von Levent und Ahbap. Superstar Madonna rief in den sozialen Medien zu Spenden für Levents Organisation auf.

Dunkle Geschäfte?

Finanzfahnder wollen nun Beweise dafür haben, dass Levent dunkle Geschäfte betrieb. Sie nahmen den Rockmusiker fest. Ihm werden Geldwäsche, ein Verstoß gegen das Vereinsrecht und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Fahnder wurden laut der Presse auf verdächtige Bewegungen von Millionensummen aufmerksam und stellten fest, dass Levent insgesamt eine Milliarde Lira – fast 19 Millionen Euro – in Wetten gesteckt und mehr als ein Drittel dieser Summe verloren hat.

Kulturtreibende werden verhaftet

Die Erdoğan-treue Justiz in der Türkei hatte in den vergangenen Monaten Dutzende bekannter Musiker, Journalisten und Schauspieler wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauch festgenommen. Die meisten von ihnen wurden kurz darauf wieder freigelassen. Kritiker sehen die Ermittlungen als Versuch der Regierung, die Kulturszene stärker an die Kandare zu nehmen. Levents Fall ist komplizierter. Es sei allgemein bekannt gewesen, dass der Musiker wegen seiner Spielsucht ständig in finanziellen und juristischen Schwierigkeiten steckte, schrieb der Journalist Fatih Altaylı auf seiner Internetseite. Levent sagte im Polizeiverhör, er habe für Ahbap zwar Immobilien gekauft, aber nur, um die Organisation finanziell abzusichern. Er selbst habe sich durch Börsenspekulationen hoch verschuldet und das Ahbap-Vermögen als Sicherheit benutzt.

Oppositionsmedien meldeten, Kontrolleure des Innenministeriums hätten bei der Organisation keine Hinweise auf Fehlverhalten gefunden. Levent sei möglicherweise Opfer einer Schmutzkampagne, sagte der Moderator Ekrem Açıkel im Fernsehsender Sözcü.