Moderate Hochwasser, wie etwa das zweijährliche, zeigten in den Bergen nach wie vor einen Rückgang. "Extreme Ereignisse verändern sich stärker als moderate Hochwasser", so der Erstautor der im Fachmagazin "Science Advances" erschienenen Studie, Paul Astagneau, in einer Aussendung.
Als Grund für die Zunahme der Extremereignisse nannten die Forschenden die klimawandelbedingten, intensiveren Starkniederschläge. Diese überkompensierten die abnehmende Schneeschmelze. Pro Grad Erwärmung nehme die Intensität stündlicher Starkregen um rund sieben Prozent zu.
Bisherige Prognosen gingen von stabilen oder abnehmenden Hochwassern aus. Sie basierten jedoch auf täglichen Daten, welche kurze, heftige Niederschläge nicht ausreichend abbildeten. Für die neue Studie simulierte ein Hydrologe die Ereignisse mit stündlichen Daten von 384 Flüssen im Alpenraum in der Schweiz und Österreich.
In der Schweiz ist das HQ100 der zentrale Maßstab für den Hochwasserschutz und die Raumplanung. Auf Basis von historischen Daten, Geländemodellen und Niederschlagsmengen erstellen die Kantone in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) sogenannte Gefahrenkarten.
Der Begriff "Jahrhunderthochwasser" verliert durch den Klimawandel aktuell an Verlässlichkeit. Wenn die Atmosphäre wärmer wird, kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu extremerem Starkregen führt. Ein Wasserstand, der vor 50 Jahren statistisch noch als "100-jährlich" galt, tritt heute an vielen Gewässern deutlich häufiger auf. Deshalb müssen Behörden diese Statistiken und Gefahrenkarten regelmäßig nach oben korrigieren.
(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aed6012 )