Kunsthaus MUERZ
In Teilen überschneiden sich die künstlerischen Intentionen zweier Ausstellungen im großen Saal und der anliegenden Galerie des Kunsthauses Muerz. Entsprechend dem Titel präsentieren die Schmuckkünstlerin Anna Heindl und der Fotograf und Bildhauer Manfred Wakolbinger ihre gemeinsame Schau mit „kleiner Hilfe“ von Künstlerfreunden. Die großformatigen geschwungenen Edelstahlplastiken von Wakolbinger muten an wie im Moment festgehaltene Bewegung, nach ihrem Lineament wie räumlich ausgeführte Grafik. Die Motivation dieser Arbeiten unter dem Titel „Circulations“ beschreibt er aus dem Zusammenhang mit seiner Sammlung von Grafiken des deutsch-französischen Künstlers Hans Bellmer (1902 – 1975, „Die Puppe“), wovon einige Exemplare zur Referenz aufliegen.
Die „kleine Hilfe von Freunden“ nimmt auch die Schmuckkünstlerin Anna Heindl in Anspruch. Augen für die Ohren beispielsweise sind in Vitrinen zu sehen, die der Medienkünstler Peter Kogler gestaltet hat. Kleine, tragbare Plastiken wie die Ohrringe „Dark Eyes“ (2022) bestehen aus Rotgold, dunklen Diamanten, Türkisen und Edelstahl.
Nach einer Performance zur Eröffnung ist nun die Installation „Loose Ends Dance“ der Künstlerinnen Veronika Hauer und Martina Steckholzer in der anliegenden Galerie zu besuchen. Plastisch, in Malerei und Fotografien geht es auch hier um die Flüchtigkeit von Bewegung respektive um Spuren des Körpers im Raum. Stark abstrahiert bilden Hauers Wandkeramiken, in Form von Skelettteilen, Bewegungen nach, Steckholzer überträgt die Bewegungen der „Knochen“ in malerischer Abstraktion.
Anna Heindl und Manfred Wakolbinger. With A Little Help From My Friends.
Veronika Hauer und Martina Steckholzer. Loose Ends Dance. Bis 20. September im Kunsthaus Muerz, Wiener Straße 56, Mürzzuschlag. kunsthausmuerz.at
ORF-Galerie
„Ich war begeistert von der Materie, von diesem fleischigen Granit“, beschreibt der Grazer Walter Köstenbauer das Finden eines seiner zentralen Motive. Zu Anfang der 1980er-Jahre waren es Granit-Findlinge im Mühlviertel, worauf er sich in den folgenden „fast fünfzehn Jahren“ in Grafiken und Malerei den Formen und Strukturen von Stein und Fels widmete.
Früh waren es naturnahe Abbildungen der Struktur und der Formen, die er meist mit Grafitstift anlegte. Die „Deutungsmöglichkeiten der stummen Zeugen“ führten aber auch in die Abstraktion, woraus farbstarke Ölmalerei und Mischtechniken entstanden, auf deren Motiv Stein nur mehr die Bildtitel verweisen.
Nachdem er mit Beginn der 2000er-Jahre das Thema wieder aufgenommen hat, widmet die Funkhausgalerie Walter Köstenberger zu seinem 70. Geburtstag eine Ausstellung unter dem Titel „Nur Steinigkeiten“. Stein als „Ausdruck von Welt“ – die Metaphorik, die Köstenbauer mit den Motiven verbindet, zeichnet sich in der zweigeteilten Schau ab. „Leichte“, überwiegend grafische Werke zum einen, während es im Gegenüber „schwerere, vollflächige“ Abstraktionen in Öl sind, die in neuesten, wie Landschaft anmutenden Arbeiten etwa „MA’OZ TZUR“ (2026), den hebräischen „Fels des Heils“ visualisieren.
Walter Köstenbauer. Nur Steinigkeiten. Bis 4. September, ORF Steiermark, Marburger Straße 20, Graz. steiermark.orf.at