Odysseus ist ein Kriegsheimkehrer, der sich von seiner Heimat entfremdet hat. Der Komponist Claudio Monteverdi hat in seiner Oper „Il ritorno d’Ulisse in patria“ 1640 in bewegende Musik gesetzt. Die großartige Produktion der Wiener Staatsoper von 2023 wird hoffentlich bald wieder auf dem Spielplan stehen.

Wir sind alle auf einer Irrfahrt. James Joyce schickt im bedeutendsten Roman der Moderne den Anzeigenverkäufer Leopold Bloom durch Dublin. „Ulysses“ nimmt zahlreiche Fäden aus Homers Epos auf und verwandelt sie in avantgardistische Literatur, die jede Lesemühe wert ist.

Wesentlich unterhaltsamer ist die Adaptierung der „Odyssee“ durch das Regiebrüderduo Coen. In „O Brother, Where Art Thou?“ trifft George Clooney als Odysseus auf Sirenen und den Riesen Polyphem (John Goodman). Der Weg zu Penny (Holly Hunter) ist weit, die Folk-Musik fantastisch.

Für Dante Alighieri war Homer der größte Dichter. Dass er selbst das Metier auch ganz gut beherrschte, zeigt seine „Göttliche Komödie“. Als Heide kann Homer dummerweise nicht in den Himmel. Dante trifft ihn im ersten Höllenkreis mit den Kollegen Horaz, Ovid, Vergil und Lukan. Sie sehen in Dante einen der Ihrigen. Im wesentlich unangenehmeren Höllenkreis Nr. 8 trifft er später auch Odysseus.

Wer hätte den Abenteurer besser darstellen können als Kirk Douglas? In dem italienischen Film „Die Fahrten des Odysseus“ von 1954 irrt der griechische Held durch schönstes Technicolor zu den Pappmaché-Monstern jener Ära.

Man kann solche Abenteuer überraschenderweise auch als Kammerspiel abhandeln. So in „Rückkehr nach Ithaka“ von 2025. Mit den beiden großartigen Darstellern Ralph Fiennes und Juliette Binoche fokussiert sich der Film auf die Ankunft des Odysseus in seinem Heimatland.