„Hilf mir, es selbst zu tun“ lautet einer der Leitsätze der Montessori-Pädagogik. Kinder sollen sich so zu selbstständigen, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten entwickeln. Auch in der 2018 gegründeten Montessorischule Ennstal in Stainach wurde nach alternativen Grundsätzen unterrichtet. Bislang, denn letzten Dienstag wurde den Eltern überraschend mitgeteilt, dass es im kommenden Schuljahr keinen Betrieb mehr geben werde.

Die Privatschule mit 30 Schülerinnen und Schülern wurde von einem Verein betrieben. Während Obmann Walter Pachernegg ein durchwegs positives Bild zeichnet, berichten Eltern hingegen teils von Problemen mit der Schulleitung oder gar von „traumatisierten Kindern“.

Schließung wegen Personalmangel

„Leider haben sich zum Schluss Eitelkeiten und Befindlichkeiten der Mitarbeiterinnen gegen die Schulleitung gerichtet“, behauptet Pachernegg. Neben seiner Frau, die die Leitung innehatte, waren zwei Lehrerinnen angestellt. Diese hätten ohne Vorwarnung und Angabe von Gründen kurzfristig gekündigt. Aufgrund des Personalmangels sei man gezwungen gewesen, die Schule zu schließen.

Ab nächstem Schuljahr werden an der Montessorischule Ennstal keine Kinder mehr unterrichtet
Ab nächstem Schuljahr werden an der Montessorischule Ennstal keine Kinder mehr unterrichtet © KLZ / Benedikt Karl

„Meine Frau und ich haben alles gegeben, damit es den Kindern gut geht und die Qualität stimmt. Für die Lehrerinnen wollten wir stets ein tolles Arbeitsumfeld schaffen“, sagt der Obmann. Auch vonseiten der Bildungsdirektion heißt es, dass die Privatschule mit dauerhaftem Öffentlichkeitsrecht „vorbildlich geführt“ wurde.

Eltern erheben Vorwürfe

Dem widersprechen jedoch einige Eltern. „Für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis es dieses System zerreißt“, sagt eine Mutter. Ihre Tochter besuchte die Schule drei Jahre lang, mit der Zeit sei es immer häufiger zu unangenehmen Situationen mit der Schulleitung gekommen. Auch zwei weitere Mütter schildern, dass es sehr turbulent zugegangen sei.

Die Kinder hätten sich vor der Leiterin gefürchtet, sie habe oft mit ihnen geschrien. „Wenn ihr etwas nicht gepasst hat, hat sie die Kinder zu einem Einzelgespräch geholt. Diese ‚Kammerlgespräche‘ haben viele Kinder zum Weinen gebracht“, berichtet eine Mutter. „Meine Tochter war traumatisiert. Sie musste die Erlebnisse mit Hilfe einer Psychologin verarbeiten“, erzählt eine andere. Schulleitung und Verein hätten emotional auf Kritik reagiert und sollen versucht haben, die Vorfälle zu vertuschen.

Hohe Fluktuation

„Mit den Lehrerinnen waren wir aber immer zufrieden“, bekräftigt eine Mutter. Generell habe es in der Schule über die Jahre hinweg ein Kommen und Gehen gegeben. Im Schuljahr 2024/2025 hätten mehr als zehn Kinder die Bildungseinrichtung verlassen. Auch die drei Mütter, mit denen die Kleine Zeitung gesprochen hat, nahmen ihre Kinder von der Schule.

Ein Vater berichtet, dass sich seine Kinder bis zum Schluss sehr wohlgefühlt haben. Nur die Kommunikation mit der Leitung sei teils schwierig gewesen. Die Schließung kam für ihn überraschend: „Auf einmal mussten wir so kurz vor den Sommerferien schauen, dass wir unsere Kinder in anderen Schulen unterbringen.” Mittlerweile hätten aber laut Bildungsdirektion alle einen Regelschulplatz für das kommende Schuljahr gefunden.