Das CARE-Nothilfe-Paket sieht allerdings ganz anders aus als sein Pendant vor 80 Jahren. Jenes war ein Karton, in dem es vor allem Lebensmittel in Konserven gab, bis hin zu Kaffee. Nun sind keine Lebensmittel mehr zu finden. Es besteht aus drei wasserdichten zylinderförmigen Taschen, von denen eine als Rucksack, die anderen beiden über den Schultern getragen werden können. Darin enthalten sind rund 40 lebensnotwendige Güter wie Planen und Seile für eine Notunterkunft, Wasserbehälter und Wasseraufbereitungsprodukte, Kochutensilien, Hygieneartikel sowie Solarleuchten. Die drei Taschen können mit einem Boden und einem Deckel auch zusammengeschnallt werden.
Die Nothilfe-Pakete sollen eine entscheidende Lücke in der humanitären Versorgung nach dem Ausbrechen einer Katastrophe schließen, nämlich die erste Phase, wenn größere Hilfssysteme noch nicht greifen. Innerhalb von 36 bis 72 Stunden sollen betroffene Gemeinschaften erreicht werden können. Dabei geht es nicht nur um die schnelle Hilfe für Betroffene: "Wir wollen den Menschen auch so schnell wie möglich ihre Würde zurückgeben", sagte CARE-Malawi-Länderdirektorin Pamela Kuwali.
Die Entwicklung des Pakets dauerte rund zwei Jahre: Sumit Bharti von CARE USA, der an der Ausarbeitung des CARE-Pakets beteiligt war, sprach von einem "Vorsorgesystem", das Menschen helfen soll, die ersten Tage nach einer Katastrophe "in Sicherheit, Würde und mit Hoffnung" zu überstehen. Das Tool wurde global konzipiert, soll aber so lokal wie möglich zusammengestellt werden.
Und es lässt sich auch an die regionalen Gegebenheiten anpassen. Ein Beispiel: Das Nothilfe-Paket für intern Vertriebene in der Ukraine wird kein Moskitonetz beinhalten. In Malawi und anderen afrikanischen Ländern geht es nicht ohne. Getestet wurde es auch bereits: unter anderem auf den Philippinen, in Bangladesch, Nepal, Mosambik und Malawi nach Taifunen, Überschwemmungen, Erdbeben und anderen Katastrophen, wie Bharti schilderte. Mehr als 1.200 Pakete wurden dabei verteilt.
Bis 2030 will die Hilfsorganisation 250.000 Nothilfepakete verteilen und so eine Million Menschen erreichen. Zielregionen sind demnach katastrophenanfällige Gebiete in Südostasien, Subsahara-Afrika und der Karibik, in denen Naturkatastrophen und Vertreibungen immer häufiger zu akutem humanitärem Bedarf führen.
Wer sich fragt, warum keine Nahrungsmittel in den Nothilfe-Paketen enthalten sind: CARE geht hier einen anderen Weg. "Wir unterstützen mit Geld", sagte Kuwali. Nahrungsmittel seien im lokalen bzw. regionalen Markt praktisch immer erhältlich. Die Idee dahinter ist damit, so schnell wie möglich die lokale Wirtschaft zu stützen und wieder anzukurbeln.
Für Spender: Ein Nothilfe-Paket kostet rund 200 Euro. Wenn es eine vierköpfige Familie für einen Monat versorgen kann, wären das für einen Menschen rund 50 Euro im Monat, rechnete Barschdorf-Hager vor.
Die CARE-Geschäftsführerin machte allerdings auch darauf aufmerksam, dass Krisen normalerweise nicht mehr nur kurzfristige Angelegenheiten seien und man dementsprechende "dauernde Lösungen" finden müsse. "Man kann den Menschen nicht Zelte für 15 Jahre zur Verfügung stellen."
Allerdings sei Nothilfe, gerade wenn es nicht nur um Grundbedürfnisse wie Essen, Wasser, Schlafen gehe, sehr unter Druck. "Leben retten ist aber nicht nur Essen, Wasser und ein Dach über dem Kopf. Die Menschen wollen eine Zukunft, eine klare Perspektive, sie wollen Sicherheit und nicht zuletzt, dass ihre Kinder in die Schule gehen können." Aber zu viele Regierungen würden dieser Maxime nicht mehr folgen, konstatierte Barschdorf-Hager.
(S E R V I C E - weitere Informationen und Spenden unter: https://www.care.at)