Der Klimabesorgnismonitor erfasst seit August 2022 laufend die Wahrnehmungen und Einstellungen der 16- bis 75-jährigen österreichischen Bevölkerung rund um den Klimawandel. Für die aktuelle Umfrage wurden Mitte und Ende Juni 1.000 Personen online befragt, die repräsentativ für die österreichische Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren sind, wie aus einer Aussendung des Instituts hervorging.
Die Hitzewellen und Temperaturrekorde würden sich auch in der Wahrnehmung der Menschen widerspiegeln: "Während im März nur 28 Prozent innerhalb der letzten Woche einen konkreten Anlass fanden, um über den Klimawandel nachzudenken, stieg dieser Anteil Mitte Juni auf 42 Prozent und Ende Juni auf 59 Prozent", wurde Bertram Barth, Geschäftsführer von Integral, zitiert.
Auch insgesamt gewann der Klimawandel wieder an Bedeutung. Knapp zwei Drittel hielten ihn zum Befragungszeitpunkt für wichtig, im März waren es 57 Prozent. Das ist nicht nur bei den Jüngeren so: 67 Prozent der 16- bis 29-Jährigen machen sich Sorgen über den Klimawandel - damit lagen sie auf dem Niveau der 50- bis 75-Jährigen (66 Prozent).
"Wie wichtig Menschen den Klimawandel einschätzen, hängt stark mit ihren Werthaltungen und Lebensperspektiven zusammen", erklärte Barth. "Aktuell sehen wir wieder eine gespaltene Mitte. Die moderne und zukunftsorientierte Mitte, das Milieu der Adaptiv-Pragmatischen, reagiert besorgt und fordert Maßnahmen gegen den Klimawandel. Die alte Mitte dagegen, das Milieu der Nostalgisch-Bürgerlichen, spielt die Hitzewelle herunter ('Heiße Sommer hat es früher auch gegeben') und wehrt so eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Klimawandel ab."
Dass sich der Klimawandel auf viele Lebensbereiche auswirkt, sei den Österreicherinnen und Österreichern bewusst. 80 Prozent erwarteten einen Anstieg der klimabedingten Migration. 83 Prozent befürchteten, dass Klimaveränderungen künftig die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln beeinträchtigen werden. Und 90 Prozent gingen davon aus, dass die heimische Landwirtschaft stärker unter Druck gerät, hieß es weiter.
Den Vorkehrungen für klimabedingte Veränderungen in Österreich stellten die Befragten ein relativ schlechtes Zeugnis aus. Lediglich 40 Prozent hielten das Land für gut vorbereitet. In größeren Städten, besonders in Wien, wo die Hitze am stärksten zu spüren ist, bewerten die Menschen die Situation deutlich kritischer als in kleineren Gemeinden, hieß es.
Im Umgang mit der Klimakrise hielten viele den Ausbau erneuerbarer Energien für wichtig. 84 Prozent befürworteten den Ausbau laut Klimabesorgnismonitor grundsätzlich, 44 Prozent sogar sehr. Auch die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu ändern und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sei seit März deutlich gestiegen. Im Juni lag sie bei 62 Prozent, im März bei 53 Prozent.
"Die Klimaproblematik wird nach wie vor gerne verdrängt. Erst wenn die Folgen für die Menschen spürbar werden, wird das Thema wieder präsent. Das wird sich wieder ändern, aber ein Unbehagen bleibt und der Vorwurf an die Politik, hier zu versagen, wird mit jedem neuen Extremwetterereignis neu bestätigt", so Barth.