Der Himmel über Kärnten lässt einen weiteren wolkenlosen Tag erahnen. Er markiert den Beginn der zweiten Hitzewelle des Jahres. Eckart Senitza steht im kühlen Schatten einer riesigen Buche in einem Wald in der Nähe des Wörthersees und blickt sich um. Zwischen den alten Riesen ragen silbrig schimmernde Überreste längst abgestorbener Fichten empor. Darunter recken sich junge Tannen, Buchen und Nussbäume dem Sonnenlicht entgegen. Senitza ist Vorsitzender des Vereines Pro Silva Austria, der dem Besitzer jener ungefähr 600 Hektar Forst nach einem massiven Schadereignis dabei geholfen hat, seinen Wald wiederherzustellen. "Ausgangspunkt für die drastische Entwicklung in diesem Gebiet war der Schnee- und Eisregen im Jahr 2014", erzählt Senitza.

Zu 60 bis 70 Prozent habe der Bestand damals aus Fichte bestanden. Die vielen kaputten Bäume hätten in den Folgejahren eine Massenvermehrung des Buchdruckers begünstigt, also jener Borkenkäferart, die in den letzten Jahren bereits mehrfach Schlagzeilen gemacht hat. Mit Unterstützung von Pro Silva hat der Waldbesitzer danach auf eine naturnahe Waldbewirtschaftung gesetzt. Die abgestorbenen Fichten blieben abseits von Wegen stehen, um Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen zu schaffen, die für die Gesundheit des Ökosystems von großer Bedeutung sind. Es wurde nicht aufgeforstet, stattdessen wurden Bäume, die durch die natürliche Samenverbreitung aufkamen, gefördert. So habe sich die Baumartenverteilung auf 60 bis 70 Prozent Laubholz umgekehrt, zugleich habe auch die Baumartenvielfalt zugenommen. Senitza schätzt die Anzahl der verschiedenen Baumarten in dem Revier auf zwölf.

"Für die Zukunft bedeutet das hier, dass natürlich die weitere Gestaltung und Pflege des Waldes im Vordergrund stehen muss", sagt Senitza. Dies erfordere ein Verständnis für das komplexe Zusammenspiel aller Faktoren. Er deutet auf den laubbedeckten Boden unter der Buche, auf dem einige sehr junge Bäume gerade das Licht der Welt erblicken: "Ein ganz wichtiger Punkt bei der Waldentwicklung ist beispielsweise die Wirkung von Licht und Schatten." Buchen, Fichten und Tannen würden sich im Halbschatten wohlfühlen. Dann trifft sein Blick einen sonnigen Bereich ein paar Meter weiter, auf dem sich üppig Farne breit machen. Dort würden sich die kleinen Bäume schwertun. "Das Spiel mit Licht und Schatten ist der Schlüssel. Also nicht zu viel Licht geben, aber auch nicht zu viel Schatten lassen. Wenn man den Schatten wegnimmt, kann man nicht zurück, ganz simpel."

Wälder helfen bei der Abkühlung der Umgebungstemperatur. Davon könne sich jeder überzeugen, der unterhalb eines Baumbestandes wohnt oder geht, dann spüre man die herabsinkende kühle Luft. "Ich glaube, es gilt für Wien genauso wie für Klagenfurt, dass die Wälder im Umfeld herum bis in den Stadtkern wirken und die Temperatur in ihrem Einflussbereich im Durchschnitt um fünf Grad niedriger liegt als im Bereich, wo kein Wald in der Gegend ist", meint Senitza. Insofern seien Wälder zwar Opfer der Klimaerwärmung, aber gleichzeitig auch ein abmilderndes Element.

Die naturnahe Forstwirtschaft vereint die ökonomische Komponente der Forstwirtschaft mit der Schaffung klimaresilienter Wälder. Dies sei für so vieles wesentlich, was über das reine Ernten von Holz und die Erzeugung der Produkte daraus hinausgehe. "Wir brauchen Wälder, die ihre vielfältigen Funktionen auf einmal bieten können. Das heißt, dass sie neben der Holznutzung auch zur Wasserhaltefähigkeit, Freizeitnutzung, zum Schutz oder etwa zur Klimaregulierung beitragen müssen. Wälder sind kühle Inseln an Hitzetagen wie heute", erklärt Forstingenieur und Waldbesitzer Senitza, der auf über 35 Jahre praktische Erfahrung in der Waldbewirtschaftung zurückblicken kann. Das Amt des Vorsitzenden von Pro Silva Austria sowie jenes des Vizepräsidenten von Pro Silva, dem europäischen Dachverband, übt er ehrenamtlich aus. "Wir versuchen, Leute zu mobilisieren, ihnen Kenntnisse beizubringen. Das Ganze vor allem über praktischen Erfahrungsaustausch draußen", umreißt er den Vereinszweck.

Das Bundesforschungszentrum für Wald bilanzierte für 2025 einen Rückgang der Schäden durch Borkenkäfer in Österreich. Dies sei wesentlich dem Abklingen der Massenvermehrung in Osttirol und in Kärnten geschuldet. "Das Risiko ist dort hoch, wo noch Fichten sind und wo keine Fichten mehr sind, ist das Risiko niedrig", hält Senitza die Interpretation der Zahlen einfach. Natürlich spiele auch das Wetter eine Rolle, die Witterung habe die Entwicklung der Käfer 2025 und 2024 gedämpft.

Im Kärntner Bezirk Spittal an der Drau hatten Waldbesitzer zwischen 2018 und 2021 ebenfalls mit den Folgen von Sturmschäden und einer daraus resultierenden Massenvermehrung der gefräßigen Insekten zu kämpfen. Auch die Landesforstdirektion setzt als Maßnahme auf Bewusstseinsbildung und unterstützt die Schaffung von Mischwald etwa mit Förderungen. Senitza hält diese positiven Anreize für eine gute Strategie. Auf einen wesentlichen Faktor sollte jedoch nicht vergessen werden: die Jagd. "Die Wildfrage ist, gerade wenn wir jetzt zurück ins Mölltal denken, ein extrem wichtiger Punkt. Wir haben in Oberkärnten große Rotwildbestände, die jetzt auf den Freiflächen möglicherweise leichter zu bejagen sein werden", gibt Senitza zu bedenken. In wenigen Jahren sei die Verjüngung so hoch, dass man nicht mehr durchsieht. Das berge ein enormes Risiko für Wildschäden. Er plädiert daher dafür, bei einem strukturierten Wiederaufbau des Waldes auch die Wildthematik mitzudenken.

Deshalb sei der Austausch auf Augenhöhe entscheidend, den man im Verein pflege. "Das ist vollkommen egal, ob sich da jetzt ein Universitätsprofessor oder ein Bauer gegenüberstehen", so Senitza. Bei Exkursionen und Diskussionen werde "der scheuklappenfreie Austausch von Gedanken" gefördert und Teilnehmende sollen animiert werden, Dinge, die anderswo gut funktionieren, eventuell auf den eigenen Forst zu übertragen. Es gelte zu verdeutlichen, dass Ökologie und Biodiversität kein Produkt des Waldes, sondern eine selbstverständliche Grundlage dafür sind. Eine ausgeklügelte Bewirtschaftungsstrategie dieses komplexen Ökosystems gewinnt in Zeiten steigender Temperaturen immer mehr an Bedeutung. Letztlich sind es nicht nur die Waldbesitzer, die von einem stabilen Wald profitieren.