Ein Fall, der kürzlich am Bezirksgericht Feldbach verhandelt wurde, wirft viele Fragen auf: Eine Frau kaufte bei einem Kfz-Betrieb ein gebrauchtes Auto. Immer wieder leuchtete die Motorkontrollleuchte auf und die Fahrzeughalterin nahm jedes Mal einen breiten Weg auf sich, um im Rahmen der Gewährleistung den Mangel bei der Werkstatt beheben zu lassen. „Anstatt die Ursache ordnungsgemäß zu beheben, wurde letztendlich einfach der Partikelfilter herausgeschnitten und das Steuergerät manipuliert, sodass die Motorkontrollleuchte nicht mehr aufleuchten konnte“, behauptet die Fahrzeughalterin, die ihr Anliegen der Kleinen Zeitung schilderte.

Ein Jahr fuhr sie unwissentlich mit einem Pkw mit zu hohen Abgaswerten, bis dies nach einem Werkstattbesuch – bei einem anderen Betrieb – auffiel. Ihr Auto durfte sie, auch aufgrund eines weiteren Problems, nicht weiter lenken.

Das Urteil der zivilrechtlichen Verhandlung am Bezirksgericht besagt, dass die Werkstatt für Kosten im Umfang von mehreren Tausend Euro aufkommen muss. Das reicht der Fahrzeughalterin nicht. Sie will weiterkämpfen und Berufung einlegen. Denn ob die Werkstatt tatsächlich den Partikelfilter manipuliert hat, ist mit dieser Verhandlung noch nicht geklärt. Die Frau hat deshalb eine Anzeige bei der Polizei gemacht und will damit strafrechtliche Konsequenzen für die Werkstatt herbeiführen.

Kennt man aus der Branche

Dass Partikelfilter ausgebaut werden und das System manipuliert wird – es sei dahingestellt, wie es sich im konkreten Fall zugetragen hat –, kennt man von Erzählungen aus der Branche, bestätigt Andrej Prosenc, Leiter des Technischen Kompetenzzentrums beim Öamtc in Wien, und betont: „Das ist aber nicht zulässig, das ist Betrug. Am Ende des Tages erspart sich der Fahrzeughalter oder die Werkstatt Geld.“

Das Entfernen eines Partikelfilters passiere jedoch eher außerhalb einer Gewährleistung und auf Wunsch des Fahrzeughalters, um den hohen Kosten für einen neuen Partikelfilter zu entgehen.

Andrej Prosenc, Leiter des Technischen Kompetenzzentrums beim Öamtc in Wien, kennt manipulierte Partikelfilter aus der Branche, betont aber, dass dies illegal ist
Andrej Prosenc, Leiter des Technischen Kompetenzzentrums beim Öamtc in Wien, kennt manipulierte Partikelfilter aus der Branche, betont aber, dass dies illegal ist © Öamtc

Fälle, in denen Konsumentinnen und Konsumenten wegen angeblich manipulierten Partikelfiltern mit der Werkstatt ins Gericht gehen, sind Michael Kreimer, Außenstellenleiter der Arbeiterkammer Südoststeiermark, nicht bekannt – auch nicht seinen Kolleginnen und Kollegen vom Konsumentenschutz: „Zumindest nicht in einer Häufigkeit, die auffällig wäre.“ Was er jedoch beobachtet: „Bei Reparaturaufträgen kann es schon zu Auffassungsunterschieden kommen, was ausgemacht war oder nicht.“ Aus diesem Grund rät Kreimer, sich vor der Reparatur einen Kostenvoranschlag geben zu lassen.

Außenstellenleiter der Arbeiterkammer Südoststeiermark, Michael Kreimer, rät vor der Reparatur zum Kostenvoranschlag
Außenstellenleiter der Arbeiterkammer Südoststeiermark, Michael Kreimer, rät vor der Reparatur zum Kostenvoranschlag © AK Stmk/Hauer

Hohe Kosten für neuen Partikelfilter

Wie häufig Partikelfilter ausgebaut und manipuliert werden, erhebt der Öamtc nicht. Prosenc schätzt, dass die Anzahl der Fahrzeuge mit manipulierten Partikelfiltern bei unter einem Prozent liegt. Dass solche fehlen, sei auch schwer festzustellen. Auffälligkeiten können bei der §57a-Begutachtung, sprich: beim Pickerl machen, erkannt werden. Die Messmethode der Abgaswerte sei jedoch veraltet – es wird die Trübung des Abgases gemessen – und der Grenzwert sei so hoch angesetzt, dass man auch ohne Partikelfilter die Prüfung bestehen könne, sagt Prosenc. Hohe Werte seien jedoch ein Indiz für einen manipulierten Partikelfilter. In der Regel wird der Verdacht aufgenommen, im Anschluss werden weitere Kontrollen durchgeführt: „Ob der Partikelfilter ausgebaut wurde oder innen hohl ist“, zählt Prosenc mögliche Szenarien auf.

„Denn die Reparatur eines Partikelfilters ist teuer, wie Prosenc weiß. Bei Pkw üblicher ist ohnehin der Tausch eines Partikelfilters. Wie teuer ein Neuer ist, hängt vom Fahrzeugtyp ab. 1000 Euro müsse man schon in die Hand nehmen. Um Manipulationen einen Riegel vorzuschieben, wird auf EU-Ebene gestaffelt ab November 2026 im Zuge der Euro-7-Norm eine neue Messmethode eingeführt. Dabei wird die Anzahl der Partikel gezählt.