Kunden, die in der Tchibo-Filiale im Villacher Einkaufszentrum Atrio nach der Filialleitung fragen, sind meistens überrascht. Denn die Chefin des siebenköpfigen Teams ist mit Abstand die jüngste Mitarbeiterin. „Viele glauben, ich bin noch der Lehrling“, schmunzelt Michelle Rinner. Verunsichert fühlt sich die 20-Jährige durch die Reaktion der Kunden nicht, denn: „Die meisten sind sehr interessiert und dann total begeistert, dass das Unternehmen so jungen Menschen wie mir, solche Chancen bietet.“ Die Kärntnerin hat diese nicht nur ergriffen, sondern auch sehr gut genützt.
Als sie 2021 als schüchterne 15-Jährige ihre Lehre in einer anderen Tchibo-Filiale begann, wurde sie von der dortigen Chefin sehr gefördert und unterstützt. „Sie hat damals schon zu mir gesagt, dass sie mich als spätere Führungskraft sieht. Wir sind bis heute in Kontakt und sie ist ein Vorbild“, erzählt Rinner. Nach der 2024 mit Auszeichnung absolvierten Lehrabschlussprüfung ging es Schlag auf Schlag.
Abseits der Komfortzone
Die junge Frau stieg zur Nachwuchsführungskraft auf, übernahm die Stellvertretung einer Filialleitung und im Vorjahr schließlich die Leitung ihrer Filiale. „Ich habe einen frischen Wind hineingebracht. Vielleicht auch deshalb, weil ich offen für Neues bin und in meinem Alter noch sehr leicht lerne. Ich hab auch kein Problem damit, aus meiner Komfortzone herauszugehen“, sagt Rinner. Denn der Handel ist im Umbruch und der digitale Verkauf gewinnt an Bedeutung. Darüber hinaus will die Handelskette, die in Kärnten neun Filialen mit rund 60 Mitarbeitern betreibt, neben den Stammkunden auch neue, junge Kunden ansprechen. Ebenfalls ein Punkt, in dem Rinner ihr Alter zu Gute kommt.
Rinner liebt an ihrem Beruf, „dass jeder Tag anders ist und eine neue Herausforderung“. Außerdem ist sie „sehr gern unter Leuten“. Selbst wenn es ab und zu Gespräche mit verärgerten Kunden gibt, sieht sie das positiv: „Bisher habe ich immer alles gut klären können.“
Seit einem Monat hat die junge Chefin noch eine zusätzliche Aufgabe, denn sie ist auch zur Ausbildungsleiterin in Kärnten aufgestiegen. In dieser Funktion schult sie andere Filialleiter in den Bereichen Kaffee, Non-Food und Coffee-Bar. Darüber hinaus wirkt sie österreichweit bei der Auswahl der Schulungsthemen mit. Obwohl sie schon viel erreicht hat, ruht sich Rinner nicht darauf aus und hat noch viel vor. „Ich bin motiviert“, sagt sie mit strahlendem Lächeln.